Aussprache nach Bundestagswahl Münchner SPD: Wahl-Desaster - und dann?

SPD-Chefin in München: Claudia Tausend Foto: AZ

Erstmals nach dem heftigen Absturz bei der Bundestagswahl trifft sich die SPD zu einer großen Aussprache.

 

München - Es gibt in der SPD dieses geflügelte Wort. Es handelt vom schlimmen Parteifreund. Denn egal, wer gerade mal wieder querschießt, ob CSU, Grüne oder FDP. Am besten, so heißt es bei den Genossen, hat man es sich immer noch selbst verdorben. Das klingt vielleicht negativ, hat aber durchaus auch etwas Wohlmeinendes an sich. Bedeutet das Ganze doch schließlich auch: So selbstkritisch wie in der SPD gehen die Mitglieder in keiner anderen Partei miteinander um.

Legt man diese Regel zugrunde, müsste die Stimmung in der Münchner SPD eigentlich so schlecht sein wie nie. Nur 16,2 Prozent bei der Bundestagswahl. In der Stadt nur noch die Nummer 3 - hinter der CSU und den Grünen. Die große Selbstzerfleischung bleibt aber offenbar aus.

Am Samstag haben sich die Münchner Genossen zu einem Parteitag getroffen. Die erste große Möglichkeit zur Aussprache nach dem Wahldesaster. Die Veranstaltung sei, so sagt Parteichefin Claudia Tausend, im Großen und Ganzen aber sehr harmonisch verlaufen.

Natürlich gab es einige Streitthemen: Die Jusos wollen grundsätzlich keine Neuauflage der Großen Koalition. Einen entsprechenden Antrag bringt der Parteinachwuchs gerade bundesweit ein. In München fand sich dafür allerdings keine Mehrheit. Und auch bei der Großmarkthalle ist man sich uneinig: Da will sich die SPD dafür einsetzen, dass den geplanten Neubau nun doch die Stadt übernimmt. Die Partei steht damit nun quer zur eigenen Stadtratsfraktion. Die hatte erst kürzlich für eine Investoren-Lösung gestimmt.

Den ganz großen Kurswechsel fordert in der SPD trotz des schwachen Abschneidens bei der Bundestagswahl aber kaum jemand. Nicht alles sei falsch gewesen, sagt Parteichefin Tausend. "Wir müssen aber die SPD-Handschrift wieder mehr herausarbeiten", so die 53-Jährige. Zuletzt sei bei den Leuten immer nur der Kompromiss an sich angekommen, nicht der Einfluss der SPD.

Ob sich das mit einer neuen Großen Koalition verträgt? Darüber will Tausend sich jetzt noch nicht auslassen. GroKo oder nicht - da müsse eine Mitgliederbefragung her, findet Tausend.

 

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