Architekt fordert "rote Linie" beim Umbau Streit um Urheberrecht gefährdet Gasteig-Sanierung

Verzögert sich der Umbau des Gasteig? Foto: dpa

Wenn die Architekten des Gasteig nicht mitspielen, kann der Zeitplan der Sanierung kaum gehalten werden.

München - Die herbe Schönheit des Gasteig hat nicht viele Liebhaber. Aber auch weniger ansprechende Gebäude genießen den Schutz des Urheberrechts. Und so haben die Herren Carl F. Raue, Eike Rollenhagen, Gerd Lindemann und Günter Grossmann nebst ihren Erben ein Wörtchen mitzureden, wenn der von ihnen entworfene Kulturbunker auf dem Isarhochufer umgebaut werden soll.

Das ist an sich nichts Neues. Aber es ist am Wochenende der SPD im Rathaus aufgefallen. Womöglich nur, um vor der Wahl den in Richtung Landtag strebenden Kulturbürgermeister und Gasteig-Aufsichtsratschef Josef Schmid (CSU) zu ärgern. Aber der Alarm ist nicht grundlos: Ein Streit um das Urheberrecht der Architekten könnte die Sanierung massiv verzögern.

Bisher hieß es immer, der Gasteig-Chef Max Wagner sei im Kontakt mit Eike Rollenhagen. Der Architekt sei offen für eine Ertüchtigung des städtischen Kulturzentrums. Er gäbe sich längst nicht so beinhart wie Günter Behnisch, dessen hartnäckiger Widerstand gegen einen Umbau des Olympiastadions dazu geführt hat, dass der Bau nun weitgehend ungenutzt vor sich hin gammelt, weil er heutigen Ansprüchen an ein modernes Fußballstadion nicht mehr genügt.

Siegerentwurf soll am Freitag präsentiert werden

Rollenhagen soll allerdings kürzlich in einer "Denkschrift" eine rote Linie für den Umbau formuliert haben. Allerdings können die Urheber erst dann einer Veränderung zustimmen, wenn dafür eine Planung vorliegt. Die gibt es bisher nicht, nur drei recht gegensätzliche Entwürfe, die alle das Äußere der Philharmonie beträchtlich verändern würden.

Weil sich das Preisgericht im Mai nicht auf einen Sieger einigen konnte, wurden drei gleichberechtigte Preise mit der Auflage der Überarbeitung vergeben. Dem sich aufdrängenden Eindruck massiver Differenzen unter den Preisrichtern wurde damals vehement widersprochen. Am heutigen Freitag sollte nach weiteren Beratungen der Siegerentwurf präsentiert werden.

Dass die Stadt aus "atmosphärischen Gründen" diesen Termin verschiebt, muss nichts heißen. Es wäre angesichts des möglichen Vetos der ursprünglichen Architekten taktisch geschickt, Rollenhagen & Co. persönlich und nicht über die Presse zu informieren. Sollten die Architekten dem Umbau nicht zustimmen, müsste ein Gericht entscheiden. Auch ein Abriss wäre möglich – gegen den können sich die Urheber nicht wehren.

Josef Schmid: "Es gibt keine Verzögerung"

Der ambitionierte, aber bisher weitgehend eingehaltene Zeitplan für die Gasteig-Sanierung wäre allerdings reif für den Papierkorb. Dem widersprach Josef Schmid am Mittwoch: "Es gibt keine Verzögerung im Verfahren", so der Aufsichtsratschef des Gasteig. "Der Stadtrat der Landeshauptstadt München wird am 24. Oktober den Beschluss über den weiter zu verfolgenden Architektenentwurf fassen, wie bisher geplant."

Dann sitzt Schmid womöglich schon im Landtag oder im neuen Kabinett. Und andere können die entstandenen Scherben zusammenkehren. Den Glauben ans Gute und Vernünftige im Rathaus stört auch die Nachricht, einige Stadträte von SPD und CSU hätten starke Bauchschmerzen angesichts der 200 Millionen schweren Sanierung des Stadtmuseums. Der bereits mehrfach verschobene – und dringend gebotene – Umbau des verwinkelten und in die Jahre gekommenen Museums kostet allerdings nur die Hälfte der Gasteig-Sanierung. Und ein neues Volkstheater baut die Stadt zur gleichen Zeit auch. Von Wohnungen und anderen Investitionen gar nicht zu reden.

Sparkurs unter Ude rächt sich

Es rächt sich, dass unter Christian Ude zu wenig in die Substanz kultureller Bauten investiert wurde. Jetzt kommen drei notwendige, aber letztlich überfällige Renovierungen zusammen. Mit sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen mag das alles finanzierbar sein – selbst wenn – wie bei allen Großbauten unvermeidlich – alles am Ende womöglich doppelt so teurer wird. Das viele Geld ermuntert einzelne Stadträte dazu, noch mehr Geld auszugeben und ein weiteres Kulturzentrum in der Paketposthalle zu verlangen.

Nur: Was tun, wenn die Einnahmen der Stadt wegbrechen? Auch wenn die Kosten für das Stadtmuseum, das Volkstheater und den Gasteig nur einen Bruchteil der geplanten Investitionen in die Infrastruktur und den Wohnungsbau ausmachen: Es ist ein Haufen Geld. Und das könnte auch nach dem Wahlkampf den Wählern schwer vermittelbar sein.

 

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