Angriff, Abwehr, Einstellung Fünf Gründe für das Bayern-Debakel gegen Rostow

Hängende Köpfe bei Thomas Müller und Philipp Lahm nach der peinlichen Niederlage gegen Außenseiter Rostow. Foto: Peter Kneffel/dpa

Auch das noch! Schon die 1:0-Niederlage gegen den BVB am vergangenen Samstag war für FCB-Coach Carlo Ancelotti schwer verdaulich. Aber das 3:2-Debakel gegen Rostow ist mehr als ein Ausrutscher. Fünf Gründe für die Bayern-Krise.

 

München - Die Bayern spielen nur noch die zweite Geige: In der Liga stehen sie erstmals seit 14 Monaten nicht auf Platz eins - und auch in der Königsklasse haben die Münchner nach der 2:3-Niederlage gegen Rostow keine Chance mehr auf den Gruppensieg. Ein ungewohntes Bild, das es in den letzten sechs Jahren Champions League nicht mehr gab. Diesmal ist jedoch alles anders, die Bayern stecken in einer Herbst-Depression. Die AZ weiß, warum es gestern wieder nicht reichte:

1. Torjäger-Krise: Zugegeben, Robert Lewandowski hatte am gestrigen Abend gegen den 1,97 Meter großen Abwehr-Hünen César Navas keine leichte Aufgabe. Dennoch: Der Stürmer ist in dieser Saison zu harmlos und das belegen auch die Zahlen: Letzte Saison hatten Lewandowski und Thomas Müller nach elf Bundesliga-Spieltagen 23 Treffer auf ihrem gemeinsamen Konto - aktuell sind es nur sieben. Müller traf noch gar nicht.

2. Löcher-Abwehr: Dem einen fehlte die Geschwindkeit, dem anderen die Bodenhaftung. Auch gegen Rostow machte die bayerische Innenverteidigung keine gute Figur. Während Holger Badstuber bei seinem Startelf-Comeback nach 287 Tagen immer wieder den quirligen Angreifer Sardar Azmoun ziehen lassen musste, rutschte Boateng wie auf Eis durch den Strafraum - so auch beim Gegentreffer zum 1:1 in der 44. Minute durch den genannten Azmoun.

Zudem verursachte Boateng den Elfmeter in der 48. Minute, der Rostow in Führung brachte. Dass er in der 58. Minute wegen einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden musste, war die Spitze eines ganz und gar misslungenen Abends. Erschreckend: Nur in einem der letzten elf Pflichtspiele blieben die Bayern ohne Gegentreffer.

3. Einstellung: Am Mittwochabend stand Sven Ulreich für die Bayern zwischen den Pfosten, denn Manuel Neuer musste wegen einer Wadenverhärtung passen. Vor seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz für die Münchner in dieser Saison hatte der 28-Jährige noch salopp gesagt: "Ich gehe davon aus, dass ich nicht allzu viel zu tun bekomme." Er sollte sich täuschen. Insgesamt musste der Neuer-Ersatz dreimal hinter sich greifen.

Ulreichs Aussage ist ein Sinnbild für die gesamte Einstellung der Bayernelf, denn sie agierten allesamt sorg- und ideenlos. Das erkannte auch Kapitän Philipp Lahm - leider erst nach dem Spiel: "Das Problem ist: Wir sind zu sorglos. Ich weiß nicht, ob wir glauben, dass wir keine Gegentore bekommen können. Aber mit diesen Fehlern bekommst du gegen jeden Verein Probleme. Wir müssen ganz schnell etwas ändern."

4. Zu viel Rotation: Im Vergleich zum 0:1 in Dortmund bringt Ancelotti sechs neue Spieler gegen Rostow. Bernat für Alaba, Badstuber für Hummels, Rafinha für Lahm (der Kapitän ersetzte Alonso im Mittelfeld), Sanches für Kimmich, Costa für Müller und Ulreich für Neuer. Am Ende scheitert der Italiener mit seiner Rotations-Taktik. Vor allem in der Abwehr kommt es zu fatalen Abstimmungsfehlern. Scheint, als hätte auch Ancelotti den russischen Underdog unterschätzt.

5. Auswärtsschwäche: Die Statistik zeigt: Wirklich dominant sind die Bayern in der Königsklasse nur noch vor heimischem Publikum. Nur drei der letzten 13 Auswärtsspiele konnten die Münchner für sich entscheiden. Dem gegenüber stehen sieben Niederlagen und drei Unentschieden - das ist alles andere als erstklassig.

 

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