Alte Viehbank Ein Forum Humorum in der Zenettistraße

Zenettistraße: das sanierungsbedürftige Gebäude der ehemaligen Viehbank steht - bis auf das Erdgeschoss - seit Jahren leer. Foto: FH&KK

Was passiert mit der alten Viehbank? Die Pläne für ein „Forum Humor und Komische Kunst“ sind jetzt konkret. Die Stadt muss entscheiden – und hier vor allem die SPD

Ein Berliner mit Münchenerfahrung, hatte den Auftrag bekommen: eine Machbarkeitsstudie für ein „Forum Humor und Komische Kunst“ in der ehemaligen Viehbank im Schlachthofviertel zwischen Wirtshaus und dem zukünftigen Volkstheater, das bereits gebaut wird.

 

Herausgekommen sind 170 Seiten, die der Ausstellungsmacher und Kurator Stefan Iglhaut erstellt und jetzt im kleinen Kreis vorgestellt hat zusammen mit den Vorsitzenden des „Forums Humor und Komische Kunst“, Reinhard Wittmann und Marianne Wille.

18 minus 5 ist 13 Millionen, und die sind ohnehin fällig

„Es ist etwas ganz Neues und kein klassisches Museum mehr“, betont Iglhaut. Das imposante, hundert Jahre alte Backsteingebäude soll ein Ort werden, in dem eine variable Dauerausstellung nur ein Baustein „eines offenen Hauses“ ist: mit Café, Kunst-Museumsshop, kleiner Bühne, einer Kinobox sowie einer zu gründenden „Akademie der komischen Kunst“ und eine Anlauf- und Agenturstelle für Künstler. Werkschauen von „Universalisten“ wie Loriot, Dieter Hildebrandt, Valentin, Otto oder Hape Kerkeling hätten hier genauso Platz wie Diskussionen und Workshops.

Es ist kein Museum, sondern ein komischer Ort

Auch die Zahlen für das Projekt liefert die Studie: Knapp 18 Millionen Euro würden Sanierung und Ersteinrichtung der Viehbank kosten. Eine hohe Summe. „Die relativiert sich aber sofort“, wie Reinhard Wittmann erklärt: Denn 13 Millionen davon muss die Stadt München als Eigentümerin der Viehbank sowieso in das sanierungs- und teils einsturzgefährdete Gebäude investieren, egal welche Nutzung kommt. Und dann stellt Marianne Wille noch heraus: „Eine Million haben wir bereits an Spenden!“ Über Denkmalschutzmittel rechnet man mit einer weiteren Million. Und wenn das Ganze von einer Stiftung getragen würde, wie es den Machern vorschwebt, dann bekäme man eine Mehrwertsteuerrückerstattung von fast drei Millionen. 18 Millionen minus 5 sind dann nur noch 13 Millionen Euro. Also genau die Summe, die die Stadt ja ohnehin aufbringen müsste. „Für die Stadt ist das also erst einmal ein Nullsummenspiel!“, meint Wittmann.
Wo also stockt das Projekt? Im Ping-Pong-Spiel zwischen Stadt und Staat. „Die CSU ist dafür“, sagt Marianne Wille, „übrigens auch FDP und Grüne. Aber wir wollen und müssen auch die SPD gewinnen, denn wir haben in München ja eine ,große Koalition’.“

Muss der Freistaat mitmachen, damit es auch die SPD sozial und demokratisch finden kann? 

Die SPD im Rathaus hat noch ein paar Vorbehalte. Sie will, dass auch der Freistaat sich beteiligt, schließlich soll das „Forum Humor und Komische Kunst“ ja weit über München hinauswirken. „Man muss sich mal vorstellen, wie viele der großen Künstler und Kabarettisten gar nicht aus München sind“, meint Wittmann – und denkt dabei unter anderen sicher auch an einen seinen Mitstreiter, den „Co-Inspirator“ Gerhard Polt aus Schliersee.

Jetzt sollen Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler und Ministerpräsident Söder ins Spiel gebracht werden. „Wir hoffen da auf einen Sanierungszuschuss des Staates von drei bis 5 Millionen Euro“, sagt Wittmann. Ob dann die SPD-Stadtratsfraktion wirklich mitzieht? Auch der Kulturreferent ist sich noch nicht ganz schlüssig. Immerhin geht man von 1,7 Millionen Euro laufende Betriebskosten pro Jahr aus. Aber auch hierauf hat die Machbarkeitsstudie eine lindernde Antwort: Die Hälfte davon soll durch Einnahmen eingespielt werden: durch den hochwertigen Museumsshop, Ticketverkauf und die Vermietung von 600 Quadratmetern als Atelier und Büroflächen. „Wenn dann nur noch 800 000 Euro jährliche Kosten für die Stadt anfallen, muss ich sagen: Ist denn die komische Kunst als einzige Sparte dann nicht förderungswürdig?“, fragt Reinhard Wittmann.

Und dann bringt Marianne Wille das schlagende Argument, warum eigentlich die SPD Feuer und Flamme für das Projekt sein müsste: „Es wird ja genau ein Ort für alle: mit Café, Bühnen, einer Kino-Box, einem lustigen Platz davor: alles auf hohem künstlerischen Niveau, aber völlig ohne Schwelle, wie das bei reinen Kunstmuseen oft der Fall ist. Das Projekt hat über Künstler und Kabarett hinaus eine politische Ebene. Und nicht nur über Herrn Hirschhausens Engagement, Lachen in Seniorenheimen, Krankenhäusern und Flüchtlingsunterkünften einzusetzen, kommt auch eine starke soziale Komponente hinzu. Das alles würde in der Viehbank sozial und demokratisch zusammenlaufen.“

Bis 2022 fertig? Ein ehrgeiziger Plan

Fragt man den kulturpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Klaus Peter Rupp, so bestätigt er, den Eindruck: „Kulturpolitisch finden wir so ein Humor-Forum gut, aber wir sind noch in der Diskussion, weil wir finden, dass sich auch der Freistaat beteiligen muss. Schließlich wird ja von den Machern betont, das Konzept gehe über München weit ins Bayerische hinaus.“ Man werde sich aber in den kommenden Wochen entscheiden.

Stimmt der Stadtrat zu, könnten die Planungen sofort fortgesetzt werden. Die geschätzte Bauzeit beträgt zwei Jahre. Als Eröffnungsdatum wird der 7. Mai 2022 genannt. Den hatte sich „Co-Inspirator“ Gerhard Polt gewünscht: sein 80. Geburtstag.

So sieht es also gar nicht so schlecht aus, dass München noch eine „Komische Pinakothek“, ein „Humorforum“, ein „Forum Komische Kunst“ bekommt. Denn einen endgültigen, vor allem griffigen Namen hat der Verein „Forum Humor und Komische Kunst“ noch nicht gefunden. „Da kann man ja auch gleich die Öffentlichkeit einbinden“, meint Wittmann. Vorschlag: Forum Humorum.

 

 

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