Abschied vor Rathaus Christian Ude: Letzter Tag als Bürgermeister in Bildern

Christian Ude will sich persönlich von den Münchnern verabschieden. Der Marienplatz ist voll. Die Bilder von Udes letztem Tag als Bürgermeister... Foto: dpa / Schramek / az

Christian Ude und München – seit Jahrzehnten war das eine Einheit. Aber jetzt ist Ude erst mal weg. Sein letzter Tag als Oberbürgermeister in München in Bildern

 

München - Das Münchner Rathaus ohne Christian Ude – wie wird das aussehen? Nach gut 20 Jahren und vier Amtszeiten verabschiedet sich der bekannteste bayerische SPD-Politiker an diesem Mittwoch als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt. Und das ganz zünftig, wie es seine Art ist.

Mittags lädt der 66-Jährige auf den Marienplatz ein, zu Musik und „der einen oder anderen kleinen Überraschung“. Weißwürste werden es nicht sein – die gibt es der Tradition nach nur bis 12.00 Uhr. Zu einer Matinee im Deutschen Theater wird dann am 16. Mai nicht nur Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), sondern auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erwartet.

Seine Amtsführung brachte Ude zeitweise den Spitznamen „Bürger King“ ein. Ging es um eine Rede zu einem festlichen Anlass, stach der gelernte Jurist und Journalist nicht selten auch die Landesfürsten aus. Und auf dem Oktoberfest glänzte er bei der Eröffnung volksnah mit einem besonderen Talent: zwei Schläge, um das erste Fass Bier anzuzapfen – das schaffte vor ihm kein Oberbürgermeister.

Als Münchner OB war Ude zwei Jahrzehnte lang vom Erfolg verwöhnt. Seit 1993 regierte er unangefochten und holte zuletzt 66,8 Prozent. Zwei-Drittel-Mehrheiten kannte man sonst in Bayern nur von der CSU. Doch aus Altersgründen durfte Ude nun nicht mehr antreten. Sein Wunschkandidat Dieter Reiter folgt ihm nach. Doch an die Popularität von Ude kommt der nicht annähernd heran.

In München hat Ude nach eigener Einschätzung viel erreicht. Er mehrte Ansehen und Reichtum der Stadt und verringerte die Schulden. Die liegen laut Ude heute mit 967 Millionen Euro deutlich unter den 1,373 Milliarden, die bei seiner Übernahme von Georg Kronawitter auf der Stadt lasteten. Er widersetzte sich – auch als Präsident des Deutschen Städtetages – stets der Privatisierung wichtiger kommunaler Aufgaben.

Auf der Haben-Seite verbucht Ude auch den Ausbau des Verkehrsnetzes, der Kinderbetreuung, des Kulturangebots und den Bau von 125 000 Wohnungen in seiner Amtszeit. Das ändert allerdings nichts daran, dass in München nach wie vor Wohnungen und Krippenplätze fehlen.

Doch Udes Bilanz ist keineswegs ungetrübt. Zum Karriereende musste er bei der Landtagswahl als Herausforderer von Ministerpräsident Seehofer eine herbe Niederlage verkraften. Das Wunder, auf das die Bayern-SPD gehofft hatte, hat er nicht vollbracht: das große Ziel eines historischen Machtwechsels im CSU-dominierten Freistaat.

Auch in München ging es nicht immer nach seinem Kopf. Die gescheiterte Olympia-Bewerbung war eine Niederlage – Ude nahm sie sportlich. Auch der Bürgerentscheid von 2004, dass in München keine Hochhäuser über 100 Meter gebaut werden dürfen, war ein Rückschlag für Ude. Also keine schicke Skyline. München bleibe seinem Ruf als Millionen-Dorf treu, spotteten Medien.

Negativschlagzeilen machten auch die Münchner Krankenhäuser, zuerst mit einem Hygieneskandal, anschließend mit hohen Verlusten. Bei der Stadtratswahl im März verlor die Münchner SPD ihre Vormachtstellung als stärkste Fraktion. Nach Ansicht seiner Kritiker in der CSU erstarrte Ude mit zunehmender Amtsdauer im eigenen Glanz.

Jetzt ist Ude also mal weg. Im Ruhestand dürfte er wohl seine Hobbys stärker pflegen: Ude ist Autor und Kabarettist, und er hat mehr Zeit für Reisen auf seine Lieblingsinsel Mykonos. Seine Frau Edith hatte schon bei der Landtagswahl Pläne für die „Zeit danach“ geschmiedet: „Wir wollen mit der transsibirischen Eisenbahn fahren. Das muss toll sein.“

 

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