1860-Profi kämpft Das Rodnei-Rätsel: Verteidiger sucht Anschluss

Schuftet eifrig für sein Comeback: der Brasilianer Rodnei. Foto: sampics/Augenklick

Zu Saisonbeginn galt der Verteidiger als großer Hoffnungsträger der Löwen - doch Rodnei litt unter Beschwerden und ist auch gegen Ex-Klub Leipzig keine Option. Noch hofft er auf seine Chance.

 

München - "Gut Rodnei, sehr gut!" Benno Möhlmann klatschte energisch in die Hände. Der Trainer des TSV 1860 zwinkerte aufmunternd in Richtung Brasilianer. Der drehte vom Tor ab, ballte die Faust.

Training an der Grünwalderstraße. Und der 30-Jährige ist mittendrin. Nicht selbstverständlich.

Nach seiner Leisten-Operation drängt der Innenverteidiger ins Mannschaftstraining. Er will wieder den Wettkampf spüren, unter den Kollegen sein – und am liebsten mit zum Auswärtsspiel bei seinem Ex-Klub RB Leipzig (Sonntag, 13.30 Uhr/im AZ-Liveticker).

Fahrlässiger Übereifer?

"Vielleicht bekomme ich noch die Chance, um in diesem Spiel dabei zu sein", sagte Rodnei im Gespräch mit der AZ. Es dürfte ein frommer Wunsch bleiben.

Zweimal hat Rodnei voll mittrainiert. Anfang der Woche preschte er beim Trainer nach vorn. "Er hatte gefragt, ob er das Aufwärmen mitmachen kann, weil ihn das andere Training langsam langweilt. Wir haben ihn die ganze Einheit mitmachen lassen, müssen aber vorsichtig sein – er ist ja eigentlich noch im Reha-Training", schilderte Möhlmann.
 

Erst Ende des Monats soll er wieder gesundgeschrieben werden, heißt es. Möhlmann: "Ob das klappt, kann ich noch nicht sagen."

Geht es nach Rodnei, soll er viel früher zurückkehren. Er hängt sich rein im Training, geht jedem Ball nach. Es wirkt wie fahrlässiger Übereifer. Dabei folgt Rodnei einem logischen Kalkül.

57 Bundesliga-Einsätze

Die Karriere des Abwehrspielers droht in Giesing zu versanden. Hoch waren die Erwartungen an ihn, als er im Sommer aus Leipzig kam. Rodnei hatte 57 Einsätze in der Bundesliga für Hertha BSC und den 1. FC Kaiserslautern vorzuweisen.

Als eine seiner Stärken gilt die Spieleröffnung mit dem linken Fuß. Dazu ist er 1,90 Meter groß, von robuster Statur. Doch schnell folgte der Euphorie über diese namhafte Verpflichtung Ernüchterung. Rodnei war nicht fit.

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Er kam mit Beschwerden zu Sechzig, machte nur vier Spiele, lediglich zwei von Anfang an. Seit Ende Oktober stand er in keinem Pflichtspiel mehr auf dem Platz. Er sei beschwerdefrei, beteuerte er nun.

"Die Gefahr ist, dass ich zu früh dran bin. Aber es fühlt sich gut an“, erzählte er. „Wir sind in einer guten Phase, haben zuletzt drei Siege in drei Spielen geholt. Ich wünsche mir, dass diese Serie weitergeht."

Back-Up steht schon bereit

Eine Serie, die ihm zum Verhängnis werden könnte. Rodnei wird nicht mehr zwingend gebraucht. Winter-Transfer Jan Mauersberger schlug als neuer Organisator der Innenverteidigung prompt ein. Er und Kapitän Christopher Schindler erweisen sich als zuverlässiges Duo.

Der Spanier Guillermo Vallori setzte Anfang der Woche krank aus, ist bis zum Wochenende wieder fit.

Auch der 21-jährige Youngster Sertan Yegenoglu oder Kai Bülow, der allerdings zuletzt als Sechser aufgelaufen war, steht als Back-up für die Abwehrmitte bereit. Allesamt sind sie Alternativen, die derzeit bessere Karten als Rodnei haben. Und so machten sich in Giesing bereits Gerüchte breit, Rodnei könnte gar kein Spiel mehr für Sechzig machen. Er selbst gibt sich zuversichtlich.

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Über Ex-Klub Leipzig meinte er: "Sie stehen oben in der Tabelle. Ich hoffe, dass wir unser bestes Spiel abrufen können."

Dass er selber im WM-Stadion aufläuft, gehört wohl nicht zu diesen Möglichkeiten. Wer in den Verein hineinhorcht, stößt auf Skepsis, was ein baldiges Comeback des Brasilianers betrifft.

Rodnei bleibt in seinem Optimismus auf sich allein gestellt: "Mal schauen, was die Woche noch bringt."

 

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