150 Jahre Münchner Sozialdemokraten SPD-Ausstellung: Von Frauenspersonen und Rotzdeandl

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Links ein historisches Plakat-Motiv der SPD aus dem Jahr 1932. Rechts: Für Frauen war es bis 1908 strikt verboten, sich politisch zu engagieren. Foto: SPD München

Eine Ausstellung zur Geschichte der Sozialdemokraten legt einen Schwerpunkt auf Frauenkämpfe – und blickt auf die Ära der roten Oberbürgermeister in München.

 

München - Noch sieben Wochen bis zur Kommunalwahl – und der Konkurrenzkampf nimmt Fahrt auf. Dass da schon mal Schimpfwörter fallen, gehört dazu. Meist richten die sich aber nicht gegen Kollegen aus den eigenen Reihen.

Roland Fischer, Vize-Chef der München-SPD, nennt einen Fall aus dem Jahr 1973, bei dem das anders war. Bei einem parteiinternen Gerichtsverfahren ging es um das gegenseitige Überkleben von Kommunalwahlplakaten – unter SPD-Kandidaten! Eine Genossin hatte das beobachtet und wurde von einem der Ertappten als "Rotzdeandl" bezeichnet. Das parteiinterne Gericht urteilte: "Die Benutzung des Schimpfwortes Rotzdeandl wird nicht als grober Verstoß gegen Parteigrundsätze, sondern nur als unter Genossen tunlichst zu vermeidende Bezeichnung persönlicher Abneigung gewertet."

Mit der Revolution 1918 kommt das Wahlrecht für Frauen 

Bis zum 13. März, also bis zwei Tage vor der Kommunalwahl, führt eine Ausstellung zu 150 Jahren Münchner SPD im Bürgerbüro in Pasing (Alte Allee 2, Montag bis Donnerstag 10 bis 16 Uhr, Freitag 10 bis 12 Uhr) durch die Geschichte der Partei in München.

Angefangen hat alles am 1. März 1869, als Arbeiter einen Münchner Ableger des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" gründeten. Für "Frauens personen" war es damals aufgrund des bayerischen Vereinsgesetzes übrigens strikt verboten, sich politisch zu engagieren. Erst 1908 erhielten Frauen die volle Versammlungs- und Vereinsfreiheit und konnten somit auch ein SPD-Mitglied werden.

Mit der Revolution 1918 kam das Wahlrecht für Frauen, aber Gleichberechtigung herrschte noch nicht. Dafür kämpften die ersten SPD-Stadträtinnen Hedwig Kämpfer und Auguste Halbmeier. 1990 wurde die Stadtratsliste paritätisch aufgestellt, es kandidierten erstmals ebenso viele Frauen wie Männer.

1993: SPD-Frauen besetzen in München erstmals Spitzenämter

1993 besetzten SPD-Frauen erstmals Spitzenämter: Elisabeth Weiß-Söllner als SPD-Referentin und Gertraud Burkert als Bürgermeisterin. Die fast ununterbrochene Ära der roten Oberbürgermeister begann früher – mit Thomas Wimmer 1948. Damals erhielt die SPD 27,5 Prozent der Stimmen, die CSU 18,5, die KPD 11 und die Bayernpartei 24.

1960 folgte Hans-Jochen Vogel. Er erzielte mit dem Slogan "München von morgen" 64 Prozent. 1966 erreichte die SPD mit 58,4 Prozent der Stimmen ein Wahlergebnis, von dem sie heute nur träumen kann. Apropos historisch: 1990 begann ein neues Kapitel im Rathaus: 24 Jahre rot-grüne Koalition.

Die SPD war mit dem Slogan "Wir planen unsere Stadt für Kinder nicht für Autos" in den Wahlkampf gezogen. Ein Satz, der sich bei OB Dieter Reiter wohl als erfolgversprechend eingeprägt hat. Er appelliert jetzt: "Die Stadt muss für die Menschen da sein, weniger für Autos." Zumindest für Georg Kronawitter hat der Slogan 1990 funktioniert. Er erzielte bei der Wiederwahl zum OB 62,1 Prozent.

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