Giesinger Bräu gehört jetzt zu Bayerns Spitzenbetrieben

Wenn sich so viele Gastronomen an einem Ort in München tummeln, ist entweder Wiesn oder es gibt etwas anderes zu feiern. In diesem Fall Kulinarik made in Bavaria: Am Mittwoch hat die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) gemeinsam mit Dehoga-Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer im Spatenhaus an der Oper erneut die Qualitätssiegel "Ausgezeichnete Genussküche", "Ausgezeichnete Bierkultur" und "Ausgezeichnetes Festzelt" verliehen.
Über 50 Betriebe aus ganz Bayern nahmen ihre Urkunden entgegen – 29 sogenannte Genussküchen, sieben davon zusätzlich mit der Bierkultur-Auszeichnung geehrt, dazu 19 Festzelte. Vorausgegangen war jeweils die Prüfung durch eine unangemeldete Kommission.

Inselkammer sendet klare Forderungen an Politik
"Bodenständigkeit, Verlässlichkeit und Respekt vor Lebensmitteln und den Menschen, die sie erzeugen: Das sind die Werte, die eine gute Gastronomie ausmachen, die Bayern ausmachen", sagte Kaniber bei der Verleihung. "Wo regional eingekauft, ehrlich gekocht und herzlich bewirtet wird, bleibt Heimat lebendig. Diese Haltung wollen wir mit unseren Auszeichnungen sichtbar machen." Besonders freute sich die Ministerin, die auch für Tourismus zuständig ist, über den wachsenden Wunsch der Gäste nach regionalen Speisen und Getränken auf Bayerns Volksfesten.
Auch Dehoga-Präsidentin Inselkammer wurde bei der Übergabe emotional. Hinter jedem ausgezeichneten Betrieb stecke "eine ganz persönliche Geschichte: eine Geschichte von Herzblut, von Mut, von wirtschaftlichem Risiko und von unzähligen Arbeitsstunden". Die Betriebe arbeiteten "eng mit Erzeugern aus ihrer Umgebung zusammen“ und schafften damit "authentische Genusserlebnisse mit unverwechselbarem Charakter". Ihre Rede nutzte Inselkammer zudem für politische Forderungen an die Staatsregierung: mehr Flexibilität bei der Wochenarbeitszeit, keine neuen Belastungen durch eine Zucker- oder Alkoholsteuer und ein klares "Hände weg von den Minijobs".

Giesinger-Wirt (noch) ohne Wiesn-Zelt
Unter den Geehrten war auch Steffen Marx vom Giesinger Bräu – ausgezeichnet für die Bierkultur seiner Brauerei und für sein Festzelt beim Giesinger Starkbierfest. Auf der Wiesn selbst schenkt er bislang nicht aus: Traditionell dürfen das dort nur sechs Brauereien – Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Im Februar hatte Marx mit einem Bürgerbegehren für Aufsehen gesorgt, das den Ausschank von Giesinger-Bier auf dem Oktoberfest ab 2027 ermöglichen soll.
Von seiner Auszeichnung im Spatenhaus zeigt er sich begeistert: "Es ist schon ganz geil", sagt Marx im Gespräch mit der AZ. In München gebe es nur sieben Betriebe mit dieser Auszeichnung: "Von 30.000 Gastronomen werden 100 ausgezeichnet, und wir sind da mit dabei." Stolz sei er vor allem darauf, dass sein Team alles selbst aufbaue. Und so eine Auszeichnung macht sich freilich auch gut an den Türen der neun Giesinger-Stehausschänke in München. Erst im Mai hatte Marx der AZ berichtet, dass er neben Haar auch nach Augsburg expandieren will.

Gleich zweifach geehrt wurde auch Silja Steinberg, Wirtin von Hofbräukeller und Hofbräu-Festzelt: für die "Genussküche" ihres Hofbräukellers am Wiener Platz und – zum zweiten Mal in Folge – für ihr Hofbräu-Festzelt auf der Wiesn. An ihre erste Auszeichnung vor sechs Jahren erinnert sie sich noch genau: "Da standen wir zu fünft an der Bavaria. Es hat geschüttet und gestürmt. Ich erinnere mich noch genau, wie stolz ich war." Die Auszeichnung mache sichtbar, was dahinterstecke – etwa der Nachweis der Regionalität. Ihr nächstes Ziel: eine Auszeichnung für ihren Biergarten.

Auch Antje Haberl von der Ochsenbraterei wurde für ihr Festzelt geehrt. "Das ist ein wirklich schöner Preis, vor allem für das ganze Team", sagt Haberl der AZ. Die Auszeichnung zeige, "dass sich das ganze Team kümmert und wirklich die Region stützt".
Ebenfalls im Rampenlicht standen die Sieger des Publikumswettbewerbs "Lieblingsbiergarten 2026". Über 16.300 Gäste hatten online für ihren Lieblings-Biergarten abgestimmt. Unter den neun Gewinnern sind auch die unter Münchnern als "Wawi" bekannte Waldwirtschaft Großhesselohe, das Klosterbräustüberl Reutberg in Sachsenkam und das Ayinger Bräustüberl.