Pannen-Software Mebis : Schule per Post und Telefon ?

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo spielt die Rolle der Pannen-Software Mebis für den Distanzunterricht herunter. Derweil beantragt die Opposition eine Sondersitzung des Bildungsausschusses.
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Michael Piazolo, Kultusminister von Bayern.
Michael Piazolo, Kultusminister von Bayern. © Matthias Balk/dpa

München - Einen "guten Distanzunterricht" hat Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) für den Schulstart nach der Weihnachtspause am Montag angekündigt. Das werde nach seiner "festen Überzeugung" der Fall sein, sagte der Minister gestern.

Die Landtagsopposition ist vom Gegenteil überzeugt. Grüne, SPD und FDP beantragten eine Sondersitzung des Schulausschusses des Landtagsparlaments. In der Bildungspolitik laufe es "absolut unrund", erklärte der Sprecher der Grünen für digitale Bildung Max Deisenhofer.

Mebis sei nie als "Grundarchitektur" gedacht gewesen

Piazolo bemühte sich, die Rolle der Lernplattform Mebis für den bis mindestens 29. Januar anstehenden Distanzunterricht zu relativieren. Mebis sei nie als "Grundarchitektur" für den Distanzunterricht gedacht gewesen und eigne sich überhaupt nicht dafür, zeitgleich zu kommunizieren. Der "entscheidende" Kontakt mit den Schülern lasse sich über Mebis nicht halten.

Piazolo ist freilich trotz der zwischenzeitlich vorgenommenen enormen Aufrüstung der Speicherkapazitäten des Systems vorsichtig geworden und schließt weiteres Ruckeln nicht aus. Es werde auch in den kommenden drei Wochen Distanzunterricht "mal was nicht funktionieren", so der Minister: "Das ist normal". In den vergangenen Tagen hatte das Kultusministerium in Schreiben an die Schulen einen zeitlich gestaffelten Einstieg in das Mebis-System angeordnet. Der Hinweis, dass die Lehrer auch das Telefon als Kommunikationsmittel benutzen könnten, hatte Piazolo den Vorwurf eingebracht, er empfehle vordigitale Kommunikationsformen, weil der von der Politik versprochene "Digitalturbo" versage.

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Vier Tage vor dem Schulneustart ging Piazolo in die Offensive: An Telefonkontakten zwischen Lehrern und Schülern sei "nichts Schlechtes". Das bezog der Minister auch auf den "Postversand" von analogen Lernmaterialien, der den 150 .000 Lehrern im Freistaat neben einer ganzen Reihe anderer Lern- und Kommunikationswerkzeuge für die nächsten drei Wochen von seinem Ministerium empfohlen wird. In der Mehrzahl der anderen Bundesländer gebe es ebenfalls Probleme mit dem Distanzunterricht.

"Vollumfänglich Lehrpläne zu erfüllen steht im Augenblick nicht im Vordergrund"

Wie man erfolgreich Distanzunterricht ganz ohne Mebis betreiben kann, ließ Piazolo gestern von der Gymnasiums-Direktorin Andrea Hafner demonstrieren. Am Erdinger Korbinian-Aigner-Gymnasium wird bei Videokonferenzen vor allem mit Microsoft (MS) Teams gearbeitet. "Vollumfänglich Lehrpläne zu erfüllen steht im Augenblick nicht im Vordergrund", sagte sie.

Einige Schulen im Freistaat setzen nach AZ-Informationen auf das Programm MS Teams. Dabei gebe es aber immer wieder Probleme mit Eltern, die dem aus Datenschutzgründen nicht zustimmen.

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Zwischenzeugnisse erst am 5. März statt 12. Februar

Weitere Umplanungen: Zwischenzeugnisse gibt es am 5. März statt am 12. Februar, und auch der Termin für das Übertrittszeugnis verschiebt sich um eine Woche, so Piazolo. Leistungsprüfungen würden in allen Schularten verschoben, so der Kultusminister.

Den bildungspolitischen Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Matthias Fischbach kann Piazolo nicht mehr überzeugen. Die FDP hatte bereits den Rücktritt des Ministers gefordert: Piazolo wirke "mehr als überfordert. Der Landtag muss daher unverzüglich eingreifen". Es hake an allen Ecken und Enden, so die SPD-Bildungspolitikerin Simone Strohmayr.

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