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Messerattacke von Würzburg: Motiv weiter unklar

Ein Kaufhaus, eine Bank, mitten auf der Straße: Mitten in Würzburg sticht ein Mann auf ihm unbekannte Menschen ein. Die Ermittler haben viel Arbeit vor sich. War es ein islamistischer Anschlag? Oder war der Mann geistig verwirrt?
| AZ/dpa
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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) während der Pressekonferenz zur Messerattacke in der Würzburger Innenstadt im Polizeipräsidium Unterfranken.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) während der Pressekonferenz zur Messerattacke in der Würzburger Innenstadt im Polizeipräsidium Unterfranken. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Würzburg - Die Frage nach dem Motiv für die tödliche Messerattacke eines Mannes in Würzburg steht am Tag danach im Mittelpunkt.

Herrmann: Motiv für Messerangriff muss noch geklärt werden

Es müsse jetzt ermittelt werden, inwiefern die Psyche des 24 Jahre alten Somaliers eine Rolle gespielt habe und inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen hätten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Samstag bei einer Pressekonferenz in Würzburg. Die Ermittler gingen weiter davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.

Von den mindestens fünf Schwerverletzten des Messerangriffs kämpfen nach Herrmanns Angaben immer noch mehrere Menschen um ihr Leben. Er hoffe und bete, dass diejenigen, die in Lebensgefahr seien, wieder genesen könnten.

Messerattacke in Würzburg: Söder spricht von Amoklauf

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Bluttat am Samstag als Amoklauf. Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) wollte einen islamistischen Anschlag nicht ausschließen. Aber auch der Geisteszustand des mutmaßlichen Täters spielt eine Rolle: War der 24-Jährige aus Somalia bei dem Angriff am Freitagnachmittag geistig verwirrt oder ist er gar psychisch krank?

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußert sich zur Messerattacke in der Würzburger Innenstadt.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußert sich zur Messerattacke in der Würzburger Innenstadt. © Daniel Karmann/dpa

Aus Sicherheitskreisen hieß es am Samstag, der junge Mann habe bei seiner Vernehmung eine Äußerung gemacht, die auf religiösen Fanatismus schließen lasse. Hinweise auf Kontakte zu militanten Salafisten gibt es dem Vernehmen nach bisher jedoch nicht. Der Angreifer soll 1997 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren sein.

Polizeipräsident Kallert: Im Kaufhaus in Würzburg starben drei Frauen

Bei der Messerattacke von Würzburg wurden drei Frauen in einem Kaufhaus getötet. Das sagte Unterfrankens Polizeipräsident Gerhard Kallert am Samstag in Würzburg.

Gerhard Gerhard Kallert, Polizeipräsident Unterfranken. (Archivbild)
Gerhard Gerhard Kallert, Polizeipräsident Unterfranken. (Archivbild) © imago images/Heiko Becker

Der Verdächtige habe sich unmittelbar vor der Attacke in dem Geschäft nach Messern erkundigt, sich eines aus einer Auslage geschnappt, sofort auf eine Verkäuferin eingestochen und sie tödlich verletzt. Anschließend tötete der Mann nach bisherigen Erkenntnissen dort zwei weitere Frauen. Danach griff er weitere Menschen in einer Bank und auf der Straße an.

"Ich habe Verletzte gesehen, ich habe Tote gesehen", sagte Kallert. Er bedankte sich unter anderem bei Bürgern, die durch das Verbrechen in eine Extremsituation geraten seien und mitgeholfen hätten, den Täter in eine Gasse zu treiben. Bislang ist unklar, ob der zuvor psychisch auffällige Somalier aus islamistischen Motiven handelte oder während der Bluttat verwirrt war.

LKA übernimmt Ermittlungen zu Angriffen in Würzburg

Das bayerische Landeskriminalamt übernimmt in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zu den Hintergründen der Messerattacke von Würzburg. Das kündigte Armin Kühnert, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Würzburg, am Samstag an.

Gegen den Mann sei inzwischen Haftbefehl wegen Mordes in drei Fällen sowie versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall ergangen. Er sei in eine Justizvollzugsanstalt gebracht worden, sagte der leitende Oberstaatsanwaltschaft Frank Gosselke.

Kerzen und Blumen liegen vor einem geschlossenen und abgesperrten Geschäft in der Innenstadt.
Kerzen und Blumen liegen vor einem geschlossenen und abgesperrten Geschäft in der Innenstadt. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ermittler finden Hassbotschaften in Unterkunft des Würzburger Täters

Laut Kühnert fanden Ermittler fanden Hassbotschaften im Obdachlosenheim, in dem der mutmaßliche Messerangreifer zuletzt lebte. Das Material sei sichergestellt, aber noch nicht ausgewertet worden. Auch Nachrichten auf einem entdeckten Handy müssten noch untersucht werden, was wegen der dabei genutzten Fremdsprache etwas dauere.

Der Somalier hält sich den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge im Zuge eines Asylverfahrens legal in Deutschland auf. Er kam demnach im Mai 2015 nach Deutschland.

Verdächtiger im Januar in Streit verwickelt: Mit Messer

Im Januar soll der Mann bei einem Streit in einer Obdachlosenunterkunft zu einem Messer gegriffen und es bedrohlich in der Hand gehalten haben. Das sagte Wolfgang Gründler von der Generalstaatsanwalt Bamberg am Samstag in Würzburg.

Worum es bei der Auseinandersetzung im Januar mit Mitbewohnern und Verwaltern ging, sagte Gründler nicht. Verletzt worden sei niemand. Die Polizei leitete aber ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Beleidigung ein, der Somalier kam vorübergehend in eine Psychiatrie.

Im Juni soll der 24-Jährige zudem einen Verkehrsteilnehmer in der Würzburger Innenstadt belästigt haben. "Da hat der Beschuldigte ein verstörtes Verhalten mit psychischen Auffälligkeiten gezeigt." Der Mann sei erneut in eine Psychiatrie gekommen, aber nach einem Tag wegen fehlenden Behandlungsbedarfes entlassen worden.

Innenminister Seehofer zeigt sich "tief erschüttert"

"Ich bin von dieser unfassbar brutalen Tat tief erschüttert", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Eine abschließende Bewertung des Tatmotivs sei aber noch nicht möglich.

Anzeige für den Anbieter Twitter über den Consent-Anbieter verweigert

Fest steht: Der Täter tötete mindestens drei ihm offensichtlich unbekannte Menschen und verletzte fünf schwer - zwei davon lebensbedrohlich. Zudem gab es zwei Leichtverletzte, die laut Polizei nicht mehr im Krankenhaus sind. Ob der Mann weitere Menschen verletzte und welche Identität alle Opfer haben, wurde bisher nicht bekannt.

Nach Messerattacke in Würzburg: Trauerbeflaggung in Bayern

Der Somalier wurde nach dem Verbrechen in einem Kaufhaus, einer Bank und auf der Straße von der Polizei angeschossen und festgenommen. Am Samstagnachmittag wollten die Ermittler weitere Erkenntnisse präsentieren.

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Ministerpräsident Söder kündigte für Bayern Trauerbeflaggung an. "Die Ereignisse sind unfassbar und schockierend", sagte er in Nürnberg. Bayern trauere um die Opfer. "Wir bangen, beten und hoffen mit den Verletzten und den Angehörigen." Besonders dankte Söder den Bürgern, die am Freitag versucht hätten, den Täter zu stellen und in Schach zu halten: "Das war ein ganz beeindruckendes Engagement."

Bundespräsident Steinmeier: "Der Täter hat mit äußerster Brutalität gehandelt"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte sich "erschüttert" über die Ereignisse. "Der Täter hat mit äußerster Brutalität gehandelt. Für diese menschenverachtende Tat wird er durch den Rechtsstaat zur Verantwortung gezogen." Ganz Deutschland trauere mit den Angehörigen der Opfer. "Ich bin in Gedanken bei denen, die ihre Nächsten verloren haben. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung." Zudem drückten Vertreter verschiedener Parteien vor allem per Twitter ihr Mitgefühl aus.

Die Polizei war in der Nacht zu Samstag nach eigenen Angaben mit zahlreichen Einsatzkräften in der bayerischen Universitätsstadt am Main unterwegs, um die Hintergründe und den Ablauf der Tat zu klären. Der 24-Jährige soll seit etwa fünf Jahren in Deutschland leben und zuletzt in Würzburg in einer Obdachlosenunterkunft gewohnt haben. Er war bereits vor der Attacke polizeibekannt, allerdings nicht wegen islamistischer Umtriebe. Herrmann zufolge war der Mann nach gewalttätigen Übergriffen zwangsweise in psychiatrischer Behandlung.

Kerzen und Blumen nahe des Tatorts in der Innenstadt. In Würzburg hat ein Mann wahllos Menschen mit einem Messer attackiert.
Kerzen und Blumen nahe des Tatorts in der Innenstadt. In Würzburg hat ein Mann wahllos Menschen mit einem Messer attackiert. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Mann kam nach einem Schuss aus einer Polizeiwaffe am Freitagabend verletzt in ein Krankenhaus. Dort machte er laut Polizei auch Angaben; was genau er sagte, wollten die Ermittler zunächst nicht verraten. Unklar ist etwa, ob dem Verdächtigen bereits ein Haftbefehl eröffnet wurde und ob er in ein Gefängnis verlegt werden kann.

Messerattacke: Trauer und Entsetzen in Würzburg

In der Universitätsstadt herrschte auch am Tag danach Entsetzen. Menschen stellten in der Nähe des Tatorts brennende Kerzen in Gedenken an die Opfer auf. In den Blickpunkt gerieten auch die couragierten Bürger, die sich dem Angreifer in den Weg stellten. Dank kam unter anderem von vielen Politikern, die offensichtlich die kurzen Videoclips in sozialen Netzwerken gesehen hatten, in den Passanten den Somalier attackierten.

Bei der Einordnung der Bluttat schloss CSU-Politiker Herrmann einen islamistischen Anschlag nicht aus: "Es gibt jedenfalls Indizien dafür, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handeln könnte", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ein Zeuge gab ihm zufolge an, der Verdächtige habe bei der Tat "Allahu Akbar" (deutsch: Gott ist groß) gerufen.

Messerattacke in Würzburg: Erinnerungen an 2016 werden wach

Welchen Aufenthaltstitel der Migrant in Deutschland hat, war am Samstag noch unbekannt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge darf sich nach Aussagen eines Sprechers aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zu Einzelfällen im Asylverfahren äußern.

Die Tat erinnert an einen islamistischen Anschlag vor knapp fünf Jahren in Würzburg. Am 18. Juli 2016 waren in einem Zug vier Menschen schwer verletzt worden. Ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling hatte mit einer Axt und einem Messer in einem Regionalzug auf dem Weg nach Würzburg die Reisenden angegriffen. Anschließend flüchtete er zu Fuß, attackierte eine Spaziergängerin und wurde schließlich von Polizisten erschossen.

Woolworth kooperiert mit Behörden nach Messerangriff

Die Einzelhandelskette Woolworth geht davon aus, dass ihre Würzburger Filiale zufällig zum Schauplatz einer tödlichen Messerattacke wurde. Das Unternehmen erklärte am Samstag weiter, man arbeite eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen, um zur Aufklärung dieser Tat beizutragen. "Wir alle sind heute zutiefst betroffen von dem schrecklichen Vorfall in Würzburg", heißt es in der Stellungnahme.

"Gestern hat ein Mann in unserer Filiale mit einem Messer drei Menschen getötet und weitere verletz", betonte Woolworth. Unter den Verletzten sei auch eine Kollegin. Zudem sei der Sicherheitsmitarbeiter leicht verletzt worden. Weitere Angaben zum Tathergang machte das Unternehmen nicht.


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