Markus Söders neue Grünen-"Bromance"

Jahrelang waren die Grünen Markus Söders Lieblingsfeind. Das hat sich etwas geändert. Ist eine gemeinsame Achterbahnfahrt Zeichen einer neuen Männerfreundschaft? Oder was steckt dahinter?
von  Christoph Trost und Marco Hadem, dpa
So viel Nähe war zuletzt selten zwischen einem Schwarzen und einem Grünen.
So viel Nähe war zuletzt selten zwischen einem Schwarzen und einem Grünen. © Sven Hoppe/dpa

Was für Bilder. Markus Söder Seit' an Seit' mit einem Grünen. Der CSU-Chef und der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause, nebeneinander in einem kleinen Achterbahn-Schlitten, beide klammern sich an die Stange vor ihnen. Die Haare jeweils vom Fahrtwind nach hinten geföhnt. Und beide scheinen nach 1.250 Metern und fünf Loopings ähnlich erleichtert, als der Ritt zu Ende ist und sie das enge Gefährt verlassen können.

So viel Nähe ist dieser Tage selten zwischen Schwarz und Grün. Aber was hat dieses offenbar enge Verhältnis zwischen Söder und einem prominenten Grünen zu bedeuten? Eine "Bromance", eine neue, innige Männerfreundschaft, wie es in sozialen Medien heißt? Oder wenigstens ein Zeichen einer sich anbahnenden Entspannung und Entkrampfung des Verhältnisses zwischen den beiden Parteien nach Jahren des erbitterten Grünen-Bashings der CSU – mit teilweise ebenso harten Gegenattacken der Grünen auf die Christsozialen?

Achterbahnfahrt statt Grünen-Bashing

So einfach ist es nicht. Schließlich hat das – man kann es so nennen – Bündnis zwischen Söder und Krause, der seit einem halben Jahr Münchner Oberbürgermeister ist, einen ganz einfachen Grund: Die beiden wollen die Olympischen Spiele nach München holen. Monatelang hatten sie auf die nationale Bewerber-Kür am vergangenen Samstag hingearbeitet und hingefiebert. Im Kurhaus in Baden-Baden, wo die Entscheidung verkündet wurde, zitterten sie gemeinsam und feierten dann gemeinsam. Und lösten nun ihr Versprechen einer Fahrt im "Olympia Looping" auf dem Oktoberfest ein.

Manch einer reibt sich möglicherweise dennoch verwundert die Augen, auf welcher gemeinsamen Wellenlänge die beiden unterwegs sind. Ist das derselbe Söder, der in den vergangenen Jahren quasi kein Bierzelt ausließ, um auf die Grünen zu schimpfen? Und speziell auf dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, mit dem Söder bekanntlich eine innige Feindschaft verband. Andere CSU-Spitzenpolitiker taten es Söder gleich und stimmten fröhlich und regelmäßig in die lauten Verbalattacken ein.

Langer Anti-Grünen-Kurs

Zur Erinnerung: Das ging selbst manchen in der CSU zu weit. Die ehemaligen Parteivorsitzenden Horst Seehofer und Erwin Huber beispielsweise kritisierten den langen und harten Anti-Grünen-Kurs wiederholt mit deutlichen Worten. Huber trat, sozusagen als demonstratives Zeichen, sogar einmal als Gast auf einer Klausur der Landtags-Grünen auf. Und warum? Weil er das beständige Grünen-Bashing von Söder & Co. für falsch gehalten habe, erklärte er später.

In den vergangenen Monaten haben Söders Attacken auf die Grünen indes abgenommen – auch weil der gemeinsame Gegner AfD nun doch mehr zusammenschweißt? Oder weil die CSU nach der Berlin-Wahl neben der AfD die Linkspartei als entscheidenderen Gegner ausgemacht hat?

In manchen Bundesländern sind Union und Grüne zum Regieren ja auch aufeinander angewiesen – und wer weiß schon, was nach den nächsten Bundestagswahlen sein wird. Da könnte es sinnvoll sein, die angerissenen Tischtücher nicht komplett zu zerschneiden. Zumal den Grünen über den Bundesrat schon jetzt wachsende Bedeutung zukommen könnte.

Im Landtag fliegen manchmal die Fetzen

In Bayern freilich schenken sich CSU und Grüne bislang noch nichts. Da fliegen beispielsweise im Landtag zwischen CSU und Grünen immer wieder die Fetzen. Viele CSU-Politiker bekommen schon Schnappatmung, wenn Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze ans Rednerpult tritt. Oder – aus CSU-Sicht noch schlimmer – der niederbayerische Abgeordnete Toni Schuberl.

Und dennoch kann Söder offenbar gut mit dem neuen Münchner OB. Das zeigte sich schon bei einem gemeinsamen Kicker-Spiel kurz nach Krauses Wahlsieg. Das ist ja an sich nicht ungewöhnlich – der Freistaat und die Landeshauptstadt brauchen sich schließlich gegenseitig. Egal, ob bei der Olympia-Bewerbung, in der Verkehrs- oder Wirtschaftspolitik, in Fragen von Flughafen oder S-Bahn-Stammstrecke. Auch mit Krauses Vorgänger, dem langjährigen SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter, pflegte Söder ein weithin gutes Verhältnis.

Und irgendwann ein Olympia-Tattoo?

Und gleiches gilt auch auf Länderebene: Mit dem früheren baden-württembergischen Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann kam Söder, bei allen politischen Gegensätzen, sehr gut zurecht. Ähnlich pragmatisch läuft es auch mit dessen Nachfolger Cem Özdemir (ebenfalls Grüne) – nicht nur, wenn es um eine gute Zukunft für die Autoindustrie in beiden Ländern geht. Gemeinsame Interessen, Anliegen und Ziele schweißen eben zusammen.

Klar ist, vor und nach der Fahrt mit dem "Olympia Looping": Söder und Krause werden in den kommenden Jahren eng zusammenarbeiten müssen. Nicht nur in Sachen Olympia, wo beide darauf hoffen, dass die bayerische Landeshauptstadt auch international das Rennen macht und die Olympischen Spiele nach 1972 wieder einmal nach München kommen. "Also wenn es dann richtig klappt, dann müssen wir fünfmal fahren oder möglicherweise ein Olympia-Tattoo machen", schlug Söder sogleich vor.

Der Münchner Sender Radio Arabella schenkte Söder und Krause im Übrigen nach der Achterbahnfahrt zwei ganz spezielle Wiesn-Lebkuchenherzen mit der Aufschrift "Bro-lympia" und mit einem Foto der beiden ungleichen Partner. Was die frühere Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang sogleich zu einem Instagram-Post samt Herzchen veranlasste: "Die Bromance zwischen Markus Söder und Dominik Krause stand nicht auf meiner Bingo-Karte für 2026."

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