"Schwalbenwinkel": So funktioniert Vogelschutz in Landshut

Ein Schwalbennest kracht zu Boden: Durch Engagement können die Babys gerettet werden.
Carmen Merckenschlager
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Nach der Schwalbenrettung ziehen die Vögel in ihn neues Nest, den sogenannten Schwalbenwinkel. Dieses Bild ist nach der Rettungsaktion entstanden und zeigt die Vögel bereits kurz vor dem Ausfliegen.
Nach der Schwalbenrettung ziehen die Vögel in ihn neues Nest, den sogenannten Schwalbenwinkel. Dieses Bild ist nach der Rettungsaktion entstanden und zeigt die Vögel bereits kurz vor dem Ausfliegen. © privat

Landshut - Wohnraum in Landshut ist knapp - nicht nur für die Menschen. Auch die rund 80 Rauchschwalben-Pärchen in der Stadt haben es nicht immer leicht, geeigneten Wohnraum für sich zu beanspruchen.

Finden sie einen geeigneten Ort, bauen sie in mühevoller Kleinarbeit ihr Nest - dann beginnt das Brüten und schließlich das Großziehen der kleinen Vögel.

Auch im Hof der Neustadt 444 haben sich Schwalben ein Plätzchen gesucht, gebaut und gebrütet. Als die Babys schlüpfen, können die Anwohner das rege Treiben der Schwalben beobachten - und erfreuen sich daran.

Fünf kleine Schwalben lagen hilflos am Boden

Bis am Vormittag des 9. Juni die Schwalbeneltern nur noch verstört durch die Gegend fliegen: Das gebaute Nest ist zu Boden gestürzt. Die fünf kleinen Schwalben liegen hilflos auf dem Boden. Schnell herrscht auch bei den Bewohnern der Neustadt 444 helle Aufregung.

Eine Expertin organisierte den "Schwalbenwinkel"

"Die Nestlinge, wie die Vögel in diesem Stadium heißen, waren klein und vollkommen abhängig von den Eltern", erklärt Susanne Rieck, Gebäudebrüter-Expertin beim Landesbund für Vogelschutz.

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Eine Bewohnerin informiert an jenem Mittwoch umgehend die Hausverwaltung. Diese wiederum weiß, was zu tun ist: nämlich Susanne Rieck kontaktieren.

Die Expertin, die ehrenamtlich täglich Vogelnotrufe entgegennimmt, setzt die kleinen Vögel daraufhin in eine Kiste und organisiert ein alternatives Nest, einen so genannten "Schwalbenwinkel". Bis das neue Heim angebracht werden kann, setzt Rieck die Schwalbenkinder noch in ein vorhandenes Nest, rund drei Meter weiter, im selben Hof.

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"Wir hofften, dass die Eltern die Kleinen vielleicht auch dort finden und füttern. Aber das ist nicht passiert", erinnert sich Rieck. Der Hausmeister muss also zusehen, den Schwalbenwinkel exakt an der Stelle des alten Nestes anzubringen. Das klappt schließlich und die Babys können wieder an gewohnte Stelle in ihr neues Nest ziehen. Rieck: "Das war vielleicht aufregend - für uns und die Schwalben natürlich."

Auch die Eigentümerin des Hauses wurde über die Aktion und das Drama rund um die kleinen Schwalben informiert. "Das war eine Aufregung. Die armen Vogerl", sagt Jutta Gutbrod.

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"Gott sei Dank haben alle so schnell reagiert und durch den ehrenamtlichen Einsatz von Frau Rieck, der Hausverwaltung und meinem lieben Hausmeister, Herrn Kirschner, konnten wir die Schwalben retten", so die Eigentümerin weiter.

Für sie ist es selbstverständlich, sich für den Artenschutz und die Stadtnatur einzusetzen, wie sie sagt. "Natürlich kostet das Geld und Zeit - und Dreck machen sie auch -, aber es ist mir ein Anliegen, der Natur einen Platz zu geben."

Vornehmlich durch das Gebäudebrüter-Projekt, das Susanne Rieck betreute, habe man die nötigen Informationen bekommen, um zu wissen, wie man mit den Vögeln umzugehen habe.

Auch Kotbretter wurden ausgegeben

Auch Kotbretter wurden im Zuge des Projektes von der Stadt ausgegeben. "Das hat den Dreck etwas vermindert", heißt es von der Hausverwaltung. Insgesamt sei das eine wunderbare Sache.

Derweil fliegen die Schwalben wieder elegant durch den Hausgang in der Neustadt 444. Die Kleinen sitzen allerdings nicht mehr im Nest. Sie sind bereits selbst unterwegs und haben sich einen Platz im Innenhof gesucht.

Dort betteln sie noch ein wenig ihre Eltern an und stellen sich den Anwohnern zur Schau. "So schön, dass sie bei uns einen Platz haben", sagt Gutbrod noch und freut sich, dass die Rettungsaktion dank so viel Einsatz geklappt und Früchte beziehungsweise Vögel getragen hat.

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