Der Sommer in Landshut gehört der Kultur

In den nächsten Wochen gibt es in Landshut so viele Veranstaltungen wie wohl nie zuvor.
| Claudia Hagn
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Im alten Franziskanerkloster wird es eine Veranstaltungsreihe geben - sie wird jedoch nicht gefördert vom Bund.
Im alten Franziskanerkloster wird es eine Veranstaltungsreihe geben - sie wird jedoch nicht gefördert vom Bund. © Marti

Landshut - So mau und ohne Publikum die vergangenen Monate in Sachen Kultur waren, so voll könnten die nächsten Wochen kulturell werden: Zusätzlich zu den bereits geplanten Konzerten, Kabarettabenden und Co. privater Veranstalter steht auch der "Landshuter Kultursommer" vor der Tür. Gefördert vom Bund sollen rund 40 Veranstaltungen bei freiem Eintritt dazukommen.

Diese große Menge an Terminen bringt für alle, die an der Organisation beteiligt sind, immense Herausforderungen mit sich. Und nicht alle sind mit all dem hundertprozentig glücklich. Denn die privaten Veranstalter sagen, bei allem Verständnis für das Förderprogramm des Bundes: Wie viel Kultur verträgt eine Stadt? Wie groß ist das Publikum in Landshut, um all diese Veranstaltungen abzudecken? Und inwiefern stehen die kostenlosen Veranstaltungen in Konkurrenz zu denen, bei denen Eintritt verlangt wird? Genau den Konzerten, die zum Teil vom Jahr 2020 in diesen Sommer verlegt werden mussten?

Beata Marti: "Das ist ungut gelaufen"

Von einem "Dilemma" spricht zum Beispiel Beata Marti, die gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard Hirtreiter auch in diesem Jahr eine Konzertreihe im Innenhof des Franziskanerklosters veranstalten wird. Was sie vor allem schade findet: Dass der Bund in seinen Förderrichtlinien bereits geplante Kulturveranstaltungen von der Förderung ausgenommen hat.

240.000 Euro bekommt Landshut vom Bund für neue Kulturveranstaltungen, 60.000 Euro muss die Stadt aus eigenen Mitteln aufbringen. "Es wäre schön gewesen, wenn man mit der Förderung auch die privaten Veranstalter bedacht hätte", sagt Marti. Schließlich stecke in der Organisation sehr viel Aufwand, der viel Zeit benötige - die ganzen Veranstaltungen stünden seit Monaten fest und würden jetzt aber nicht gefördert. "Das ist ungut gelaufen", sagt Marti.

Uta Spies, Kulturbeauftragte der Stadt, äußert Verständnis für die privaten Veranstalter, die teilweise unter der Last der zusätzlichen kostenlosen Konzerte und Veranstaltungen ächzen. Doch Spies sagt auch, das "Landshuter Kulturfestival" sei eine "einmalige Chance", so viel Kultur wie möglich an ein möglichst großes Publikum zu bringen.

Viele neue Veranstaltungen in kurzer Zeit

Dennoch gibt auch sie zu, dass die städtische Organisation der vielen neuen Veranstaltungen in der sehr kurzen Zeit eine Herausforderung sei. "Es ist alles extrem kurzfristig", gibt Spies zu. Das sei aber in allen 127 Kommunen und Landkreisen so, die eine Förderung des Bundes zugesagt bekommen hätten. Manche Stadt plane von Tag zu Tag ihre Veranstaltungen. Rund 30 Millionen Euro investiert der Bund heuer in Kultur - zusätzlich, um den Kulturbetrieb wieder anzukurbeln, wie Spies sagt.

Momentan werde bei der städtischen Verwaltung viel telefoniert, viel organisiert, viele Künstler angefragt, ob sie Zeit hätten. "Alles im Fluss" könnte man auch gerade wohl sagen: Jeden Tag ergäben sich neue Dinge, neue Termine. Dabei betont Spies, dass man sich mit örtlichen Veranstaltern abspreche - zu Terminen, zu der Art der Veranstaltungen. "Wir wollen auch explizit Sparten abdecken, die von den anderen nicht bedient werden", sagt Spies.

Die großen Konzerte des Kulturfestivals bei freiem Eintritt sollen so auch in den September gelegt werden, um nicht mit den großen Konzerten der örtlichen Veranstalter zu konkurrieren. Jedoch gebe es auch Termine in den Sommerferien: "Danach werden wir wissen, ob die Menschen auch in den Ferien Veranstaltungen besuchen", sagt Spies. Was sie auch hofft und sich wünscht: Dass Menschen kulturelle Experimente wagen, bei freiem Eintritt Sparten besuchen, die sonst nicht auf ihrem kulturellen Plan stünden.

"Künstler ist ein Beruf wie jeder andere"

Den Einwand von Beata Marti, dass der Bund ruhig bestehende Veranstaltungen der örtlichen Veranstalter in die Förderung aufnehmen hätte können, versteht Spies - jedoch sei die Stadt an die Fördervorgaben gebunden.

"Das Publikum in Landshut ist nicht unendlich", sagt Marti zudem - irgendwann sei eine Sättigung bei den Menschen erreicht, auch kulturell. "Nicht ganz durchdacht" nennt Marti die Initiative des Bundes; auch wenn sie natürlich schätze, dass so viel Geld für Kultur in die Hand genommen werde.

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"Aber eventuell ist es auch ein falsches Signal, Kultur bei freiem Eintritt zu ermöglichen", sagt sie. Kunst gebe es nicht umsonst, dieses Signal suggeriere, Künstler würden ohne große Probleme umsonst auftreten. "Aber Künstler ist ein Beruf wie jeder andere - man macht das nicht einfach nebenbei", sagt die Sängerin.

Man müsse nun schauen, ob man alle Veranstaltungen - die mit und die ohne Eintritt - in diesem Sommer unter einen Hut bekomme.

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