Babyboom durch Corona auch in Landshut

Ein positiver Nebeneffekt der Pandemie: Es kommen wieder mehr Kinder auf die Welt. Die Landshuter Zahlen bestätigen es.
| Kerstin Petri
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In Landshut kommen wieder mehr Babys zur Welt.
In Landshut kommen wieder mehr Babys zur Welt. © D. Ott - Fotolia

Landshut - Hat der coronabedingte Lockdown 2020 indirekt einen Babyboom zur Folge? Den Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) zufolge ließe sich durchaus darauf schließen. Demnach hatte Deutschland im März 2021 die höchste Geburtenzahl seit über 20 Jahren zu verzeichnen. Im Vergleich zum März des Jahres 2020 ist die Geburtenzahl um zehn Prozent angestiegen.

Destatis-Angaben zufolge steht der Anstieg in zeitlichem Zusammenhang mit dem Abflachen der ersten Welle der Corona-Pandemie in Deutschland und den Lockerungen ab Anfang Mai 2020. Ein Blick auf die Zahlen vom Jahresbeginn zeigt demnach, dass während des ersten Lockdowns offenbar nicht mehr Kinder gezeugt wurden als sonst: Im Januar 2021 lagen die Geburtenzahlen noch in etwa auf Vorjahresniveau.

61 Geburten in Landshut im Februar 2021

Wie sieht es in Landshut aus? Kann man auch hier von einem Babyboom sprechen? Die Statistik der Stadt Landshut zeigt, dass in den ersten Monaten dieses Jahres zum Teil deutlich mehr Babys als im Vorjahr geboren worden sind (siehe Diagramm). Der stärkste Monat war der Februar mit 61 Geburten.

Das Diagramm veranschaulicht die Geburtenentwicklung in der Stadt Landshut seit 2019. Gerade in den vergangenen drei Monaten sind die Geburtszahlen im Vergleich zu den beiden Vorjahren stark gestiegen.
Das Diagramm veranschaulicht die Geburtenentwicklung in der Stadt Landshut seit 2019. Gerade in den vergangenen drei Monaten sind die Geburtszahlen im Vergleich zu den beiden Vorjahren stark gestiegen. © AZ

Auch ein Blick auf die Zahlen im Klinikum Landshut zeigt, dass die Geburten zunehmen. Beispielsweise sind im Januar 2021 knapp 30 Babys mehr als im Jahr zuvor geboren worden. "Es kommen zur Zeit viele Babys bei uns zur Welt, Tendenz weiter steigend", sagt Julia Geschwindt, stellvertretende Hebammensprecherin in der Geburtshilfe. "Es haben sich viele Mütter zur Geburt vorgestellt - der Sommer wird knackig. Auch meine Hebammenkolleginnen haben vermehrten Zulauf, was die Vor- und Nachsorge betrifft. Wir sind teilweise über Monate ausgebucht."

Hebammensprecherin: "Der jetzige Anstieg ist schon sehr auffällig"

Ob man diesen "Boom" wirklich auf die Pandemie zurückführen kann, bleibe abzuwarten, meint Geschwindt. "So etwas lässt sich oft erst im Rückblick feststellen. Es gibt immer geburtenstärkere Jahre und Monate, solche Ausreißer sind nicht unbedingt etwas Besonderes. Aber der jetzige Anstieg ist schon sehr auffällig."

Am Krankenhaus Landshut-Achdorf erblickten in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 54 Babys mehr als im Vorjahr das Licht der Welt. Dazu sagt Dr. Lorenz Rieger, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Landshut-Achdorf: "Passend zum Trend in Deutschland werden auch am Krankenhaus Landshut-Achdorf deutlich mehr Kinder als im Vorjahr geboren. Besonders viele Geburten waren es in diesem Jahr im Monat Mai." 208 waren es an der Zahl.

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Nachfrage nach Schwangerschaftsberatung ist gestiegen

Eine Zunahme der Geburtenzahlen ist auch im Krankenhaus Vilsbiburg zu sehen, wo auch Frauen aus der Stadt Landshut entbinden. Die Hebammen-Sprecherinnen am Krankenhaus Vilsbiburg, Antonia von Soden und Sonja Danner, sagen: "Am Krankenhaus Vilsbiburg spüren wir in der ersten Hälfte des Jahres eine Steigerung der Geburtenzahlen im Vergleich zum Vorjahr: In unserem Kreißsaal kommen wieder deutlich mehr Babys zur Welt, als in den vergangenen Jahren. Mit aktuell 199 Geburten sind wir sehr zufrieden und freuen uns, dass so viele Frauen zu uns kommen."

Mit der Zunahme an Schwangerschaften ist auch die Nachfrage nach Schwangerenberatung gestiegen. Das kann Stefanie Löchli, Leiterin der Donum Vitae Beratungsstelle in Landshut, bestätigen: "Wir haben einen deutlichen Zuwachs an Beratungszahlen." Sie spricht von einer Steigerung von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch im gesamten Jahr 2020 gab es bereits eine Steigerung um fünf Prozent im Vergleich zu 2019, was die Erstberatungszahlen betrifft.

Der Hauptgrund, warum sich Schwangere an die allgemeine Schwangerenberatung von Donum Vitae wenden, sei momentan die Beratung zu finanzieller Hilfe. "Man merkt, der Bedarf an finanzieller Hilfe ist seit Corona größer geworden", sagt Löchli.

Am zweithäufigsten werde die psychosoziale Beratung in Anspruch genommen. "Es sind oft ganz viele Probleme durch Corona verstärkt worden, die vorher nicht so massiv waren", sagt die Leiterin.

Ein großes Thema bei der Beratungsstelle sei aber auch der Kinderwunsch - was dafür sprechen würde, dass der Babyboom in Landshut vermutlich nicht so schnell wieder abflauen wird.

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