Jetzt raucht’s aber richtig!

Politiker knicken ein, die Wirte jubeln, Nichtraucher gehen auf die Barrikaden, Ärzte sind entsetzt - die Reaktionen auf die Kehrtwende beim Rauchverbot.
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Auf der Wiesn wid weiter geraucht werden.
Martha Schlüter Auf der Wiesn wid weiter geraucht werden.

MÜNCHEN - Politiker knicken ein, die Wirte jubeln, Nichtraucher gehen auf die Barrikaden, Ärzte sind entsetzt - die Reaktionen auf die Kehrtwende beim Rauchverbot.

Einen Tag nach der Kehrtwende beim Raucherschutz raucht’s jetzt in Bayern gewaltig! „Das ist genau das Prinzip von leben und leben lassen, das wir uns immer erhofft hatten“, freute sich der Münchner Oktoberfestwirte-Sprecher Toni Roiderer und versprach, dass die Gastronomen nun alles unternehmen würden, um die Luftqualität in den Bierzelten schnellstmöglich zu verbessern.

Dr. Helmut Weber vom „Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit“ sprach nach dem Gipfeltreffen dagegen von einem „gesundheitspolitischen Desaster“.

Wie berichtet, hatten die Wiesn-Wirte am Donnerstag Verbraucherschutzminister Otmar Bernhard und Innenminister Joachim Herrmann beim Krisengipfel im Gesundheitsministerium davon überzeugt, dass es derzeit keine praktikable Lösung gebe, das Rauchverbot noch in diesem Jahr auf der Wiesn durchzusetzen. Frühestens 2009 müssen Raucher in allen Bier-, Wein- sowie Festzelten in ganz Bayern (also auch auf dem Straubinger Gäubodenfest oder dem Rosenheimer Herbstfest) deshalb mit Bußgeldern rechnen, wenn sie im Zelt rauchen. Zudem soll es Wirten kleiner Lokale leichter gemacht werden, ihre Gaststätten in Zukunft als Raucherclub zu deklarieren.

"Gesundheitspolitisches Armutszeugnis"

Weber kann diese Kehrtwende der Politiker nicht verstehen: „Die Rücknahme des Rauchverbots ist für die Staatsregierung ein gesundheitspolitisches Armutszeugnis, das die Glaubwürdigkeit der Regierung untergräbt“, haderte der Facharzt für Arbeitsmedizin, der der CSU am Freitag vorwarf, vor der lautstarken Raucherlobby eingeknickt zu sein: „Unglaublich, dass die Partei auf den Zug der Tabakindustrie aufspringt.“

Ernst-Günther Krause von der Nichtraucher-Initiative München gewinnt der neuen Regelung, über die das Kabinett bereits am kommenden Dienstag beraten will, zumindest noch etwas Positives ab: „Es ist wichtig, dass die Staatsregierung das Rauchverbot nicht grundsätzlich gekippt hat“, sagte er. Mit einer zeitlichen Verzögerung von einem Jahr könne er dagegen leben: „Auch wenn uns das natürlich nicht wirklich gefällt.“

Ins Fäustchen lachte sich am Freitag vor allem die Opposition: „Die CSU sollte die Lockerung des Rauchverbots im Transrapid beschließen. Dann kann sie weiterhin viel Rauch um nichts machen, weil sie den Transrapid bald beerdigen muss“, frotzelte Bayerns SPD-Landesgruppenchef im Bundestag Florian Pronold.

Auf Tauchstation

SPD-Bayern- Chef Franz Maget sorgte sich dagegen in erster Linie um den geistigen Vater des Rauchverbots: „Für Georg Schmid ist das eine Riesenblamage!“ Wohl auch deshalb ging der Fraktionsvorsitzende erst mal auf Tauchstation. Schmid wollte sich am Freitag nur mit seiner Fraktion über die geplante Gesetzesänderung beraten, bevor er wieder für Anfragen zur Verfügung stand. Hört sich so an, als ob der Streit ums Rauchverbot in Bayern noch lange nicht ad acta gelegt ist.

Daniel Aschoff

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