Herrmann gegen Söder: Es kann nur einen geben

Joachim Herrmann verschärft den Machtkampf in der CSU. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, will Bayerns aktueller Innenminister sich um die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl 2018 bewerben und Markus Söder zum Duell fordern.
| Natalie Kettinger
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Das Duell der Franken: Innenminister Joachim Herrmann (l.) möchte wie Finanzminister Markus Söder nächster bayerischer Ministerpräsident werden.
Tobias Hase/dpa Das Duell der Franken: Innenminister Joachim Herrmann (l.) möchte wie Finanzminister Markus Söder nächster bayerischer Ministerpräsident werden.

München – Paukenschlag im CSU-Machtkampf. Am Mittwochabend wird bekannt, dass auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Ministerpräsident des Freistaats werden möchte. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat Herrmann zugesagt, sich um die Spitzenkandidatur seiner Partei für die Landtagswahl 2018 zu bewerben. Damit kommt es wohl zu einer Kampfabstimmung zwischen Herrmann und Finanzminister Markus Söder.

Dem vorausgegangen war ein Kräftemessen zwischen Parteispitze und Landtagsfraktion. Laut übereinstimmenden Medienberichten hatte sich der "harte Kern" um Partei-Chef Horst Seehofer bereits am Montag in der Staatskanzlei versammelt: Innenminister Joachim Herrmann, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Europapolitiker Manfred Weber und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Sie alle eint ein Ziel – Markus Söder doch noch als Ministerpräsidenten zu verhindern. In dieser Runde soll Herrmann laut SZ bereits zugesagt haben, gegen den Finanzminister in die Schlacht zu ziehen.

Am Dienstagabend formierte sich dann das Söder-Lager in der Landtagsfraktion: Die 101 christsozialen Abgeordneten (von denen etwa ein Drittel treu hinter dem Finanzminister stehen soll) nahmen einen Antrag von Ernst Weidenbusch (München-Land) an, schnellstmöglich darüber abzustimmen, mit wem als Spitzenkandidat für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten die CSU-Landtagsfraktion in die Landtagswahl 2018 gehen wolle. Es sei "unerlässlich, dass wir dem vom Parteivorsitzenden eingesetzten Beratungsteam unsere Meinung mitteilen", heißt es darin.

Am Sonntag soll der Ältestenrat tagen

Seehofer hatte zur Zukunftsfindung einen Ältestenrat, bestehend aus den Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber und Theo Waigel sowie Landtagspräsidentin Barbara Stamm einberufen (AZ berichtete), der nach AZ-Informationen am Sonntag zusammentritt.
Die Landtagsfraktion will einen Tag später, am Montagmorgen, über ihren Wunsch-Kandidaten abstimmen. Zuvor will der seit dem schlechten CSU-Ergebnis bei der Bundestagswahl unter Druck stehende Seehofer in der Sitzung eine Erklärung abgeben.

Gestern wurde dann bekannt, was Seehofer aller Voraussicht nach verkünden wird: dass Joachim Herrmann bereit dazu ist, auf dem CSU-Parteitag am 15. und 16. Dezember in Nürnberg in einer Kampfkandidatur gegen Markus Söder anzutreten – das Duell der Franken.

Sowohl Herrmann als auch Söder hielten sich gestern bedeckt. Söder sagte staatsmännisch, aber wenig konkret im Landtag: "Wir werden am Montag versuchen, das alles zusammenzuführen." Herrmann sagte der SZ: "Meine Linie ist und bleibt: Ich werde nichts sagen, bis Horst Seehofer sich erklärt hat. Das ist eine Frage des Respekts und Anstands."

Fest steht: Am Ende des Tages kann es nur einen von beiden geben. Der Partei wäre es schlicht nicht zu vermitteln, dass sowohl der neue Partei-Chef als auch der zukünftige Ministerpräsident aus Franken kommen. Oberbayern, Schwaben und alle anderen wären düpiert. Insofern kann man Herrmanns Kandidatur durchaus als Seehofers letzten Versuch verstehen, seinen verhassten Dauerrivalen Söder doch noch zu verhindern.

Es bleibt spannend.

Lesen Sie hier: CSU-Machtkampf: Söders Chancen steigen

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