Bayerns Gastgewerbe boomt: aber Azubis fehlen

Städte- und Wellnesstourismus bringen Hotels Geld in die Kasse, Catering-Events sind gefragt, die Branche meldet Rekordumsätze. Auf der anderen Seite fehlt der Nachwuchs, das Wirtshaussterben auf dem Land weiter.
| dpa
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München - Das Gastgewerbe in Bayern entwickelt sich insgesamt weiterhin gut - aber es gibt immer weniger Auszubildende und zu viele Kleinbetriebe am Rande des Existenzminimums. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (DWIF), die am Dienstag in München vorgestellt wurde.

"Die Rekordjagd im Gastgewerbe geht weiter. Seit 2010 wurden immer neue Bestwerte in Bezug auf Nachfrage, Umsatz und Beschäftigung erzielt", sagte Studienautor Joachim Maschke. Der Umsatz der Branche im Freistaat sei im vergangen Jahr auf fast 19 Milliarden Euro gestiegen. Mit gut 21 Prozent des bundesweiten Branchenumsatzes habe sie ihre Spitzenposition ausgebaut. Mit 440 000 Beschäftigten sei das bayerische Gastgewerbe auch ein wichtiger Arbeitgeber.

Allerdings seien inzwischen mehr als 60 Prozent aller Arbeitskräfte im bayerischen Gastgewerbe Teilzeitkräfte, Aushilfen oder im Nebenjob geringfügig entlohnte Beschäftigte. Besorgniserregend sei der starke Rückgang der Azubis auf nur noch 9200 im Jahr 2018. "Von den kleinen und mittelgroßen Teilnehmern am Vergleich wurden so gut wie keine Auszubildende mehr gemeldet", erklärten die Tourismusforscher. Qualifizierte Fachkräfte seien gesucht.

Der durchschnittliche Umsatz der einzelnen Gaststätte sei auf 367 000 Euro gestiegen. Gewinner in diesem Segment seien die Event-Caterer.

Auf der anderen Seite seien seit der Jahrtausendwende mehr als 3000 Gastbetriebe verloren gegangen. Die Zahl der selbstständigen Hoteliers und Gastronomen schrumpfe kontinuierlich. Viele kleine Familienbetriebe "haben einen Stundenlohn, der nicht annähernd an den Mindestlohn rankommt", sagte Studienautor Bernhard Harrer. Vor allem auf dem Land sei eine weitere Ausdünnung des gastronomischen Angebotes absehbar.

Die bayerischen Hotels meldeten erneut mehr Übernachtungen, "und zwar unabhängig vom Standort, da sowohl der Städtetourismus als auch der Gesundheits-/Wellnesstourismus weiterhin zu den Wachstumssegmenten zu zählen sind. Hier setzt sich ein seit langer Zeit zu beobachtender Trend ungebremst fort." Die ermäßigte Mehrwertsteuer auf Übernachtungen habe Hotels auch für Investoren interessant gemacht, sagten die Wirtschaftsforscher. Doch "den bemerkenswerten Nachfragezuwächsen im Bereich der Hotellerie stehen Marktanteilsverluste bei den Gasthöfen, Pensionen, Ferien- und Erholungsheimen gegenüber, und auch die Zahl der Anbieter in diesem Segment ist weiter rückläufig".

Branchenverbands-Präsidentin Angela Inselkammer sagte: "Obwohl die Umsätze steigen, sinkt in vielen Betrieben der Ertrag". Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sagte mit Blick auf SPD und CDU im Bund, der ermäßigte "Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für die gesamte Branche wäre dringend nötig". Außerdem seien die Arbeitszeitvorschriften überzogen.

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