Bayerns bürgerliche Regierung: Gut und Böse

AZ-Landtagskorrespondent Ralf Müller kommentiert die Koalitionsverhandlungen für eine neue Regierung in Bayern.
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Ministerpräsident Markus Söder (l., CSU) und Verhandlungspartner Hubert Aiwanger.
Matthias Balk/dpa/AZ Ministerpräsident Markus Söder (l., CSU) und Verhandlungspartner Hubert Aiwanger.

Dem Himmel sei Dank: Bayern bekommt eine "bürgerliche Regierung". Dieser Stoßseufzer ist dieser Tage aus CSU- und ihr nahestehenden Kreisen zu vernehmen. Die "Bürgerlichkeit" hat im Laufe des Landtagswahlkampfs eine Renaissance erlebt.

Doch was ist eigentlich "bürgerlich"? SPD, Grüne und Linke, so suggeriert es der CSU-Sprachgebrauch, sind es nicht. Obwohl sogar mancher Linken-Wähler einen Schrebergarten mit Gartenzwerg sein Eigen nennen soll. Was an den führenden Repräsentanten von SPD und Grünen "unbürgerlich" sein soll, erschließt sich schon gar nicht. Sogar auf ihre roten Ballonmützen verzichten die Sozialdemokraten seit vielen Jahrzehnten.

AfD "bürgerlich", SPD nicht?

Auf bis zu 65 Prozent haben in den letzten Tagen etliche CSU-Politiker das Potenzial des "bürgerlichen Lagers" in der Politik geschätzt. Eine interessante Rechnung: Bezieht man sich auf die bayerischen Verhältnisse, so müsste man zu den Ergebnissen von CSU (37,2 Prozent), Freien Wählern (11,6 Prozent) und FDP (5,1 Prozent) wohl auch noch einen Teil der AfD (10,2 Prozent) hinzuzählen.

AfD also "bürgerlich", SPD aber nicht? Dahinter kann doch nur sinistre Wahlkampfstrategie stecken, sonst würde man seriöse Begriffe wie "zivilgesellschaftlich" oder "demokratisch" wählen, um die unzweifelhaft demokratischen politischen Kräfte von den Extremisten zu unterscheiden. Stattdessen wird suggeriert: Hier sind die braven Bürgerlichen, dort die anarchistischen Steinewerfer. Gemäß dieser Begrifflichkeit spaltet die CSU die Wähler des Freistaats in fleißige Bürger und gewissenlose Umstürzler. Dass sich ein Drittel der Wahlberechtigten im Freistaat diesen Schuh anziehen will, muss bezweifelt werden.

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