Interview

Schmidbauer und sein "Gipfeltreffen": Der lange Atem

In der Jubiläumsendung seines "Gipfeltreffens" lässt sich Gastgeber Werner Schmidbauer ausnahmsweise selbst auf einem Berg interviewen.
| Thomas Becker
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Ursula Heller und Werner Schmidbauer bei einer Brotzeit auf dem Brünnstein (1.634 Meter) bei Kiefersfelden im Inntal.
Ursula Heller und Werner Schmidbauer bei einer Brotzeit auf dem Brünnstein (1.634 Meter) bei Kiefersfelden im Inntal. © BR Foto

München - Zum 100. Mal seit 2003 lädt Werner Schmidbauer am Samstag um 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen zum "Gipfeltreffen".

Bei der Jubiläums-Tour auf seinen Lieblingsberg, den Brünnstein am Sudelfeld, erzählt der Moderator und Liedermacher seiner Kollegin Ursula Heller auch mal von seinem Leben. Ein Gespräch über Knie-Prothesen, Föhnstürme, Gipfelzigaretten und über 1.400 Höhenmeter mit einer Doppel-Olympiasiegerin.

AZ: Herr Schmidbauer, dass es mal 100 Folgen Ihres Wander-Talks geben würde, hätten Sie sich nicht träumen lassen, oder?
WERNER SCHMIDBAUER: Als ich das dem BR-Unterhaltungschef Thomas Jansing vorgeschlagen habe, dachte ich, es geht um eine bis maximal sechs Folgen. Ich fand die Idee lustig und hätte es auch cool gefunden, wenn wir das nur einmal gemacht hätten. Ich hätte auch nicht gedacht, dass man so viele Berge für ein Gespräch nutzen kann. Dass es jetzt so ein Langläufer geworden ist, ist schon atemberaubend.

Es ging ja auch spektakulär los: Bei der Premiere im November 2002 sind Sie mit Elmar Wepper in einen handfesten Sturm geraten...
Das war Wahnsinn! Man sieht das leider nicht in der Kamera, aber dem hat's oben tatsächlich die Wurst von der Semmel geblasen. Die hing dann 20 Meter weiter im Gebüsch. Das war damals dieser legendäre Sturm, der am Sudelfeld mehrere Tausend Bäume geknickt hat. Zum Glück war es ein warmer Föhnsturm mit fast 20 Grad im November.

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Der Tonmann ist wahrscheinlich verzweifelt.
Mit den Ansteckmikros ging gar nichts mehr, er musste immer mit seinem Haustier, diesem langen Stabmikro, rumhantieren. Letztlich war es vogelwild. Aber über die Jahre hat sich ein irrsinniges Wetterglück etabliert. Im Kamerateam gibt es das geflügelte Wort vom Schmidbauer-Wetter: vorher schlecht, nachher schlecht, aber aus irgendeinem Grund ging es am Drehtag dann doch oft. Ein paar Sendungen mussten wir schieben, manche mehrfach, aber so ist das bei einem Outdoor-Format.

Im November loszulaufen war ja auch mutig...
Das war eine Zwangsmaßnahme. Elmar Wepper war mein Wunschgast für die erste Folge, und der wäre danach weg gewesen. Eigentlich laufen wir von Ende April bis Ende Oktober.

Wer sucht die Berge aus?
Die suche ich aus - was übrigens ein ganz angenehmer Aspekt der Arbeit ist. 40.000 bis 50.000 Höhenmeter bin ich während der Sendungen gelaufen - aber dieselbe Strecke bin ich ja nochmal gelaufen, um mir vorab die Berge anzuschauen.

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Mit Bischof Marx auf 110 Höhenmeter

Aber der Berg ist schon auf den Interviewgast zugeschnitten. Mit Wolfgang Ambros mussten Sie auf den Watzmann!
Da war ich auch überrascht, dass er es echt geschafft hat. Das war ja weit - auch für das Team und den Steadycam-Mann, der da 27 Kilo schleppt. Obwohl die Kameras ein bissl leichter geworden sind. Aber der geht halt manchmal zehn, 15 Minuten im "On" neben uns her! Das ist am Watzmann in diesem Felslabyrinth da oben schon schwierig gewesen.

Gab es ansonsten Beschwerden über Ihre Gipfelauswahl?
Der Bischof Marx, mittlerweile Kardinal, sagte, er würde gern mitgehen, sei aber nie in den Bergen und nicht gerade der Fitteste, und so haben wir einen Berg mit gerade mal 110 Höhenmetern gewählt - was der Sendung nicht schadete.

110 Höhenmeter? Wo war das denn?
Am Herzogstand. Mit der Bahn hoch, und dann ist es ja nicht mehr weit zum Gipfel. Das war auch das einzige Mal, dass wir einen öffentlich-rechtlichen Bierbankträger dabei hatten.

Schmidbauer und Heller im "Freundesgespräch" auf dem Berg

Wieso das?
Der Bischof wusste nichts davon, und ich wollte so einen auf Jesus machen: "Schauen S' mal, was der Herrgott uns da hergestellt hat!" Am Herzogstandgipfel ist ja nur Erdboden, und man kann einen Bischof ja nicht einfach auf den Boden setzen. Wobei er der Einzige war, der mich durchschaut hat. Ich hab' ihm ein Bier aufgemacht, wir saßen da so, und er meinte: "Jetzt weiß ich, warum Sie diese Sendung erfunden haben: nicht wegen der Zuschauer, sondern für sich. Sie gehen einfach gern in die Berge und machen da gern Brotzeit."

In der Jubiläums-Folge lassen Sie Ihre BR-Kollegin Ursula Heller den Spieß umdrehen und sich von ihr interviewen.
Nur zur Hälfte umgedreht. Es ist kein typisches Interview, wir haben uns vielmehr gegenseitig befragt. Wir sind so gute Freunde geworden, haben aber festgestellt, dass wir von unseren persönlichen Geschichten relativ wenig wissen: Ihre Mama ist früh gestorben, wie meine Eltern. Letztlich kam ein Freundesgespräch raus.

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Ihr Vater ist damals in den Bergen gestorben...
Er hat mich in die Berge gebracht, ich war mit ihm zu Tiefschnee-Wochen in den Dolomiten. Bei einer dieser Touren ist er abgestürzt, in einer Null-Sicht-Situation, wo er nur rüber zum Lift fahren wollte, aber die Orientierung verlor und über eine Felswand runterstürzte. Da war er jünger als ich: Mit 55 ist er gestorben.

Werner Schmidbauer und die Herausforderung Rosi Mittermeier

Ihrer Liebe zu den Bergen hat das keinen Abbruch getan?
Ganz im Gegenteil. Ich denke sehr oft an meinen Vater, wenn ich in den Bergen bin, nehme ihn sozusagen auf den letzten Metern mit. Darüber gibt's auch ein Lied von mir. Es ist einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass er dann immer noch da ist und sich freut, dass ich noch in die Berge gehe.

Wer von Ihren 100 Gästen war der anstrengendste Mit-Wanderer?
Im langsamen Sinn war das der Willy Michl, der alte Stadt-Indianer. Der wiegt 130 Kilo und hat sich so schwergetan mit dem Gehen. Wir sind dann so langsam gegangen, weil er so schnaufen musste. Das hat so ewig gedauert, dass wir den letzten Lift runter verpasst haben und irgendjemand in der Dämmerung noch ein Auto hochfahren und in Garmisch die Fahrgenehmigung besorgen musste.

Und im sportlichen Sinn?
Mit Sicherheit die Rosi Mittermeier. Die Frau geht einfach immer noch sehr leicht und wahnsinnig schnell. Ich musste dauern sagen: "Rosi, langsamer! Wir kommen nicht mit." Da sind wir 1.400 Höhenmeter gelaufen, zum Frauenalpl oberhalb vom Schachen im Wetterstein. Das war brutal weit, da waren wir am Abend richtig fertig. Die Rosi nicht. Die fand das super.

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Wer hat am meisten geschwitzt?
Einer, der sehr geschwitzt hat, war der Andreas Giebel. An dem Tag hatte es 35 Grad, und er hatte eine krachlederne Hose, einen Janker an und einen Hut auf. Aber er hat sich durchgekämpft, oben auf dem Gipfel erst mal eine Zigarette geraucht - was übrigens manche tun. Veronika Fitz hat sich auch erst mal eine Camel angezündet und sich ein Weißbier einschenken lassen.

Schmidbauer: "Was jetzt kommt, sind wundervolle Zugaben"

Das ist das Einmalige: Sie fragen, was die Leute trinken wollen und tragen das dann für sie hoch.
Das skurrilste Getränk war ein wirklich guter Champagner. Den wollte die Monika Gruber haben. Da habe ich mich ziemlich eingeschleimt bei ihr. Sie meinte, das sei ja fast eine Liebeserklärung.

Klingt so, als würden nicht viele absagen, wenn Sie fragen, ob jemand mit auf den Berg will.
Es ist im Gegenteil manchmal sogar so, dass ich Anrufe kriege mit der Frage "Magst mich nicht auch mal mitnehmen?" Aber auch bei den Menschen, die man am Berg trifft, genießt das "Gipfeltreffen" einen gewissen Ruf.

Und wie ist Ihr Plan? Wie viele Folgen peilen Sie noch an? 250 wäre doch wieder ein schönes Jubiläum.
Da wir nur sechs, sieben Folgen pro Jahr machen, müsste ich dazu ziemlich alt werden. Um ehrlich zu sein, war das Ziel die 100. Alles, was jetzt kommt, sind wunderbare Zugaben. Ich fühle mich noch wahnsinnig fit, wurde vor drei Jahren mal am Knie operiert und habe eine Knie-Prothese bekommen.

Sie rennen mit künstlichem Knie auf den Berg?
Nach sieben OPs war das Knie verschlissen, weil ich früher viel Sport gemacht habe. Da wusste ich dann echt nicht, ob das nochmal geht. Aber nach vier Monaten Reha habe ich mit Hilde Gerg wieder die erste Sendung gemacht und gemerkt: "Ich kann noch laufen." Es ging sogar besser als zuvor, als das Knie so kaputt war, als ich mit Schmerzen gelaufen bin. Alle haben immer gedacht, ich bin der megafitte Typ. Bergauf ging's auch ganz gut. Wenn man redet, geht man eh langsam. Aber runter musste ich mit zwei Skistöcken gehen. Und jetzt sogar ohne Schmerzen: Es ist großartig!

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"Gipfeltreffen: Werner Schmidbauer trifft Ursula Heller" am Samstag, 3. Oktober, ab 19 Uhr im BR Fernsehen. Um 23.30 Uhr beginnt der BR eine lange Gipfeltreffen-Nacht.

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