Völlers Botschaft vor Paraguay: "Ich bin völlig beruhigt"

Dass die Wahl für den Gesprächspartner der Medien an diesem Samstag im DFB-Quartier von Winston-Salemauf Rudi Völler gefallen war, überraschte niemanden. Keine könnte Probleme und Sorgen besser wegmoderieren als der Sportdirektor. Uns Rudi als personifizierter Prellbox, als Mister Feelgood und Herr Wird-schon-alles-gut.
Und so sprach der 66-Jährige mit seiner tiefen, beruhigenden Erzählstimme über die Lage der Nationalelf, den Gegner Paraguay und das bevorstehende Duell im Sechzehntelfinale am Montag (22.30 Uhr, ARD & MagentaTV) in Foxborough bei Boston. "Ich bin völlig beruhigt und relaxt, am Montag wird die Mannschaft alles reinhauen", versprach Völler in seiner Funktion als Absorbierer und Blitzableiter. All die erschreckenden Erkenntnisse des letzten Gruppenspiels gegen Ecuador (1:2) sind für Völler nicht relevant.
Warum Völler die Kritik bremst
"Die Grundvoraussetzungen waren anders", betonte der DFB-Sportdirektor, "das war für Ecuador das Spiel der Spiele der letzten 20 oder 30 Jahre. Früher war das bei uns auch nicht viel besser, wenn man schon weiter war." Da wolle man "gerne gewinnen, aber dass ein paar Prozentpunkte fehlen, ist ganz normal". Dies werde am Montag "ganz anders sein. Da geht es ums Weiterkommen oder Nach-Hause-Fahren." Alles easy, alles im Lot. Rudi beruhigt die Seinen – und die Nation.
Was soll er auch anderes sagen. Aber auch die Spieler und der Trainerstab vernehmen, was Völler sagt, um die aufgekommene Sorgenstimmung wieder ins Positive zu drehen. Das ist sein Job – und den macht er gut. Völler glaubt mit jeder Faser daran und vermittelt das auch, in dem er betont, "dass wir gegen Paraguay alles rausholen, absolut ans Limit gehen, ein richtig gutes Spiel machen und in die nächste Runde einziehen."
Die Lehren aus der Gruppenphase
Wie einst 2002, als er selbst DFB-Teamchef war. Damals auch in der ersten K.o.-Runde der WM in Japan und Südkorea – diesmal ist es das Sechzehntelfinale. Im Jeju World Cup Stadium von Seogwipo in Südkorea erzielte Oliver Neuville in der 88. Minute den erlösenden Siegtreffer zum Weiterkommen – ein hart erkämpfter Arbeitssieg. Das würde Julian Nagelsmann sicher sofort unterschreiben, wenn es auch diesmal so käme gegen den 41. der Fifa-Weltrangliste. 2002 drang die deutsche Mannschaft dank Torhüter Oliver Kahn und Mittelfeldspieler Michael Ballack mit weiteren 1:0-Erfolgen über die USA und Südkorea bis ins Finale vor, unterlag dort im Finale von Yokohama gegen Brasilien (0:2).
Auch für die schwächelnden Offensiv-Stars um Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz, die allesamt ordentlich auftreten bei dieser WM, aber noch nicht so richtig durchstarten, hatte Völler beruhigende, ja salbungsvolle Worte übrig: "Wir wissen: Um die ganz großen Ziele zu erreichen, müssen diese Spieler liefern. Das wissen sie auch selbst. Auch da bin ich total optimistisch. Es fehlt nicht viel, damit sie zünden." Fragt sich nur wann. Ab jetzt gilt's.
Obwohl er noch nicht über den möglichen Achtelfinal-Gegner Frankreich sprechen wollte, sagte Völler generell, dass das DFB-Team eine Mannschaft sei, "die an richtig guten Tagen am Limit gegen jede Mannschaft gewinnen kann". Allerdings, und da sprach er plötzlich eine Mini-Warnung aus: „Wenn ein paar Prozent weniger da sind, können wir auch gegen einige verlieren, das ist bei ein, zwei, drei Nationen vielleicht anders.“ Bei den Franzosen etwa. Die wären auch mit ihrer B-Elf ein nur schwer zu besiegender Gegner.