Zukunft des Grünwalder Stadions: Wie 1860 bei der Stadt für den Stadionausbau wirbt
Anwohnern des Grünwalder Stadions könnte in den vergangenen Wochen ein ungewöhnliches Schauspiel aufgefallen sein. Regelmäßig vorfahrende große Autos – aus denen Menschen für ein Foto vor den alten Kassenhäuschen stiegen.
Denn ganz so, als hätte sich die Politik nicht jahrzehntelang erst für einen Abriss und dann überhaupt nicht mehr besonders für die Zukunft des alten Kastens interessiert, fuhren ständig Wahlkämpfer vor, um sich ablichten zu lassen – und anschließend in sozialen Medien mit wortreichen Bekenntnissen zum Ausbau um die Löwenfans zu werben.
Viel Besuch am Grünwalder Stadion im Wahlkampf
Ob Ex-Bunte-Chefin Patricia Riekel von der FDP, Michael Piazolo von den Freien Wählern, Clemens Baumgärtner von der CSU oder mehrere Grüne - alle waren sie da. Die Löwen haben ganz offensichtlich so engagiert und parteiübergreifend genetzwerkt wie nie. Das könnte noch ein kluger Schachzug gewesen sein, zumindest macht es ein einfaches „Nein“ zu Löwen-Ausbau-Plänen komplizierter, wenn diese tatsächlich heuer in den Stadtrat kommen sollten.
SPD-Sportbürgermeisterin Verena Dietl wirbt wie ihr Chef Dieter Reiter um einen Ausbau in Erbpacht. Heißt: Man hat das Stadion dem TSV 1860 angeboten, der es 1937 an die Stadt verkauft hatte.
Noch in diesem Kalenderjahr soll final über die Zukunft des Stadions entschieden werden, in das aktuell gerade einmal 15.000 Zuschauer dürfen und das mit teils fehlender Überdachung und völlig veralteter Infrastruktur längst nicht mehr auf dem Stand moderner Stadien ist (nicht mal im Vergleich zu anderen Zweit- und Drittligastandorten).
Im Hintergrund auf jeden Fall werkelt die löweneigene Stadionkommission geräuschlos an den nächsten Fortschritten und bereitet, wie berichtet, eine Machbarkeitsstudie vor. In der AZ spricht der Vorsitzende der Stadionkommission, Walter Lechner, das allererste Mal überhaupt öffentlich über die Lage - und seine Wünsche an die Stadt.
Was der Leiter der vereinseigenen Stadionkommission zur Lage sagt
Man arbeite mit der Stadt gut zusammen, betont auch Lechner. „Wir sind im Zeitplan. Im nächsten Schritt werden wir am Erbpachtvertrag arbeiten.“ Die Vorstellungen der Sechzger lägen der Stadt bereits vor, betont er.

OB Dieter Reiter (SPD) hatte Anfang Dezember in der AZ von 40 Millionen Euro gesprochen, die die Stadt auch dann in die Hand nehmen müsse, wenn sie sich nicht mit Sechzig einig wird - für Sanierung und Erhalt des Amateurstadions im heutigen Status quo. „Wenn die Erbpacht zu verhandeln sein sollte“, sagt er da, „dann können wir auch gut verhandeln.“ Die Stadt könne sich so schließlich auch „den ein oder anderen Euro an Investitionen sparen“.
Dieses Argument greift Lechner recht offensiv auf. „Die seit Jahren überfällige Sanierung würden wir im Zuge des Umbaus auf Bundesligatauglichkeit selbst übernehmen“, betont er im Gespräch mit der AZ. „Der Oberbürgermeister selbst hat diesen Betrag auf 40 Millionen beziffert.“ Sechzig werde „diese Summe von der Stadt fordern, wenn wir die Sanierung übernehmen“, sagte Lechner. „Wenn die Stadt selbst saniert, bekommt sie für dieses Geld nur ein saniertes Drittligastadion; wenn sie es uns gibt, erhält sie von uns ein Erstligastadion.“
So argumentieren die Löwen im Rathaus
Im Gespräch wird auch deutlich, wie Lechner gegenüber der Stadt darum wirbt, in dem Stadion mehr zu sehen als nur einen Ort, in dem halt die Löwen kicken. „Die Stadt muss den Anspruch haben, mit europäischen Städten gleichzuziehen, die zwei große Vereine in den Topligen haben“, sagt er. „Ein erfolgreicher Fußballklub bringt Aufmerksamkeit, Image, Tourismus und Steuereinnahmen.“
Hierzu müssten jedoch auch „die Voraussetzungen von der Stadt geschaffen werden“. Zuschüsse für den Stadionumbau auf 25.000 Zuschauer seien doch „ein Investment in die Attraktivität der Stadt insgesamt“, so sieht Lechner es. „Wenn wir an der Stadtspitze Leute haben, die auch etwas unternehmerisch denken, verstehen sie das.“

