Vor Wiesn-Treffen mit 1860 spricht OB Krause von "Rückenwind" fürs Grünwalder
Dienstag, 18 Uhr, Hacker-Festzelt auf der Theresienwiese: Anpfiff zu einem Pflichttermin für Sechzig! Und damit ist nicht das bittersüße Konsumieren einer Frust-Maß nach der 1:3-Premieren-Pleite der Regionalliga-Löwen beim SV Wacker Burghausen gemeint. Nein, auf dem Oktoberfest steht das O’zapfa neuer Verbindungen an erster Stelle.
"Der traditionelle Wiesn-Besuch gehört seit vielen Jahren fest zum Terminkalender der Löwen und bietet Mannschaft, Verantwortlichen und Partnern die Gelegenheit, abseits des Fußballplatzes gemeinsam einen besonderen Abend zu verbringen", schreibt der TSV 1860 in der Einladung. Man werde "in geselliger Wiesn-Atmosphäre auf die langjährige Verbundenheit, die laufende Saison und hoffentlich viele weitere gemeinsame Erfolge angestoßen."
OK Krause will das Grünwalder "unabhängig von Olympia modernisieren"
Stichwort gemeinsame Erfolge: Für 1860 könnte wichtiger kaum sein, die Sanierungspläne für das Grünwalder Stadion nach der Machbarkeitsstudie des Architekturbüros "Powerhouse Company" (Erstligatauglichkeit, 27.000 Plätze, Logen) voranzutreiben. Seit Samstag ist München offiziell der deutsche Bewerber für die Olympischen Spiele 2032, 2036 oder 2040 – eine Grundvoraussetzung jeglicher Stadionträume. Nun gilt es, OB Dominik Krause (Grüne) auf der Wiesn ins Giesinger Grünwalder-Boot zu holen. Es wird also eine wegweisende Wiesn für 1860.
Und was sagt der neue OB? "Das Grünwalder Stadion ist als Wettkampfstätte für Fußball und Rugby in unserem Olympia-Konzept vorgesehen. Die Entscheidung pro München ist sicherlich Rückenwind auch für den Stadion-Ausbau", sagte Krause der AZ am Montag. Er wolle "keiner Entscheidung der Löwen oder des Stadtrats vorgreifen" und das Grünwalder "unabhängig von Olympia modernisieren", wobei es "an eine olympische Wettkampfstätte bestimmte Anforderungen" gebe, die man "erfüllen" wolle.

Der TSV-Tross muss zwar die Wacker-Watschn verdauen, will sich Krause aber von seiner besten Seite zeigen. "Ich bin gebürtiger Münchner. Es ist eine Ehre für mich, ihn zu treffen", sagte Coach Alper Kayabunar auf AZ-Nachfrage. Kapitän Dennis Dressel meinte: "Er ist ein cooler Typ, ein sehr sympathischer Mensch. Ich freue mich richtig darauf, mich mit ihm auszutauschen – sportlich und politisch."
Deutschlands Ja zu München finde Dressel "überragend" und befürworte einen Grünwalder-Ausbau: "Das ist noch weit entfernt, aber würde der Stadt und den Löwen natürlich guttun."

Oberlöwe Mang sieht für die bislang ungeklärte Finanzierung der dreistelligen Millionen-Summe nach AZ-Informationen eine Drittel-Lösung: ein Drittel Freistaat- oder Bundes-Förderung, ein Drittel von der Stadt und ein Drittel vom TSV. "Finanzierungsdetails müssen in den nächsten Wochen und Monaten konkretisiert werden", sagt Krause und gibt sich "zuversichtlich", denn: "Bund und Freistaat haben Finanzierungszusagen für unsere Olympia-Bewerbung abgegeben."
Stadionkommissions-Chef Lechner erwartet Beschleunigung
1860 will indes nach AZ-Infos im Oktober den Bauvorbescheid beantragen. Laut Walter Lechner, Chef der Stadionkommission, werde die Olympia-Bewerbung nun zu "einem echten Beschleuniger" für das Projekt: "Das wird jetzt auch die in der Vergangenheit teils etwas zähen Verhandlungen zum Erbpachtvertrag beschleunigen."
Und woher die eigenen Mittel nehmen, wenn nicht stehlen? Wie 1860 Investoren, Sponsoren, Gönner und Genossenschafts-Giesinger zusammentrommeln kann, bleibt fraglich.

OB und 1860? Zuletzt zwischen Ultimatum, Kritik und Versöhnung
Pikant: Im Jahr 2024 hatte der damalige OB Dieter Reiter (SPD) den Blauen ein Ultimatum gestellt: "Ich investiere keine zweistelligen Millionenbeträge in das Stadion, wenn sich die Löwen nicht committen und sagen, wir spielen auch ein paar Jahre dort." Er habe zu viele Personal-Rochaden erlebt: "Wenn du als Verantwortlicher für die Stadt Millionen-Ausgaben verantworten musst, brauchst du Kontinuität auf der anderen Seite. Daran hapert es bei den Sechzgern seit vielen Jahren."
Ein Jahr später schoss Reiter gegen Ex-Präsident Robert Reisinger: "Er war unzugänglich, unflätig und in überhaupt keiner Weise ein geeigneter Gesprächspartner, um darzustellen, dass man ein Anliegen hat." Nachfolger Gernot Mang erntete dagegen ein dickes Lob: "Nach fast 15 Jahren Debatte mit Sechzig war das das erste konstruktive Gespräch mit einem Löwen-Präsidenten." Ob Mang und Krause nun den Weg weisen?
