Von Ahlen: „Sporen verdienen – das ist eine Arbeiter-Liga“

Markus von Ahlen im AZ-Interview: Hier spricht er über seine Beförderung zum 1860-Cheftrainer, mangelnde Prominenz, die Entwicklung der Mannschaft und enttäuschte Profis
| Marc Merten
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Erste Einheit mit Markus von Ahlen als neuem Chef-Trainer. Die Bilder.
dpa Erste Einheit mit Markus von Ahlen als neuem Chef-Trainer. Die Bilder.

Markus von Ahlen im AZ-Interview: Hier spricht er über seine Beförderung zum 1860-Cheftrainer, mangelnde Prominenz, die Entwicklung der Mannschaft und enttäuschte Profis.

AZ: Herr von Ahlen, Sie wurden seit Ihrer Beförderung zum Cheftrainer des TSV 1860 skeptisch betrachtet. Wie haben Sie die Diskussion um Ihre eigene Person erlebt?

MARKUS VON AHLEN: Ich habe gemerkt, dass es mir negativ auslegt wurde, nicht sofort „Ja“ gesagt zu haben. So denke ich einfach nicht. Ich hasche nicht nach Posten. So war ich nicht als U21-Trainer. So war ich nicht als Co-Trainer. Und so war ich nicht als Interims-Trainer. Mir geht es darum, in meinen Job, den mir der Klub aufträgt, der Beste zu sein.

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Der Verein hat mich gescannt, wie ich ticke als Mensch, als Profi, als Trainer. Und als mir Gerhard Poschner gesagt hat, der Verein hätte sich die Entscheidung gut überlegt, habe ich „Ja“ gesagt. Aber erst dann. Denn zu so einer Entscheidung gehören zwei.

Jetzt sind Sie aber schon einige Wochen im Amt, und noch immer wird über Sie diskutiert. Haben Sie denn das Gefühl, dass Ihnen die Akzeptanz fehlt?

Dem stelle ich mich. Ich weiß, dass ich nicht die Bekanntheit habe, nicht die Spieler-Vita. Aber ich weiß, dass ich auf zwölf Jahre Trainererfahrung zurückgreifen kann. Schauen Sie sich die Trainer in der Zweiten Liga an: Frank Schmidt, Markus Kauczinski, Dirk Schuster, Oliver Reck.

Das sind alles Arbeitstrainer. Diese Liga ist eine Arbeiter-Liga. Da musst du dir deine Sporen verdienen, über harte Arbeit, über Erfolg. Dazu bin ich bereit. Und dafür ist Sechzig die richtige Herausforderung. Es geht natürlich auch um die Verpackung. Aber vor allem geht es darum, was drin ist. Ich weiß, dass der Inhalt stimmt. An der Verpackung arbeite ich noch (lacht).

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Der TSV 1860 hat zuletzt in Bochum endlich mal wieder gewonnen. Was hat der Sieg verändert?

Der Sieg war für unsere mentale Stabilität natürlich enorm wichtig. So ein Erfolgserlebnis tut gut. Jetzt sind wir gefragt, eine solche Leistung öfter und konstanter abzurufen, um auch mal zwei Siege in Folge einzufahren.

Sie sprechen gerne von der „Entwicklung“, die Ihr Team durchmacht. An welchem Punkt dieser Entwicklung stehen Sie?

Für mich habe ich die Phase bis zum Düsseldorf-Spiel, bis zur Länderspiel-Pause, als eine Art Vorbereitung unter Wettkampfbedingungen definiert. Wir haben personell Anker geworfen. Fast alle Spieler bekamen eine reelle Chance. Dazu haben wir einfache, taktische Maßnahmen getroffen. Du kannst die Spielweise nicht radikal verändern, sonst riskierst du, dass der Schuss nach hinten losgeht. Dazu gibt es keine andere Alternative. Jetzt geht es darum, die Ergebnisse einzufahren, die dich befreien und ein Stück weit beflügeln.

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Sie sagen, alle Spieler haben reelle Chancen bekommen. Gui Vallori musste lange darauf warten. Was hat den Ex-Kapitän wieder in die Startelf gespült?

Gui hat sich das verdient. Er war nie abgeschrieben. Er hat sich immer professionell verhalten, sich nie anmerken lassen, dass er mit seiner persönlichen Situation unzufrieden war. Gegen Bochum hat er seine Leistung gebracht. Deswegen ist es gut möglich, dass er auch gegen Düsseldorf wieder spielt.

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Der Leidtragende ist Gary Kagelmacher, der keinen glücklichen Eindruck macht.

Das zeigt doch nur, dass er mit dem Herzen dabei ist. Kein Spieler ist bei mir außen vor, aber wir haben eben einen breiten Kader. Das weiß auch Gary. Damit muss jeder Spieler umgehen. Aber nach meinen Regeln. Ich erwarte, dass alle Spieler die Entscheidungen, die ich treffe, zu 100 Prozent respektieren und unterstützen. Anders werden wir nie Erfolg haben.

Heißt das im Umkehrschluss, dass Markus Steinhöfer und Bobby Wood sich nicht an Ihre Regeln gehalten haben? Schließlich sind die beiden Spieler die einzigen, die aktuell nicht einmal mehr mit der Mannschaft trainieren können.

Es gibt gewisse Anforderungen, die ich an meine Spieler stelle. Sie wissen, was sie zu tun haben. Im Moment werden sie diesen Anforderungen eben nicht gerecht.

Bei Leonardo, ein anderer Sonderfall, ist das anders?

Ein Stück weit, ja.

Das heißt?

Er hat die Konsequenzen gespürt, dann aber eine sehr positive Reaktion gezeigt. Ich erwarte eine Entwicklung und den Blick nach vorne. Und das zeigt Leo.

Sind seine defensiven Defizite das Problem?

Die Frage ist: Wie viel Offensive verträgt eine Mannschaft? Wir haben viele Gegentore bekommen haben, und das ist nicht einfach das Problem der Abwehr. Das ist ein mannschaftliches Problem. Leo ist jemand, der offensive Qualität entwickeln kann, auf der Kehrseite aber defensive Defizite hat. In der jetzigen Situation sind wir nicht in der Lage, Leo diese Freiheiten in der Startelf einzuräumen. Dann würde die Balance nicht stimmen.

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