TSV 1860: Wie sich Dennis Erdmann seiner größten Stärke beraubt

Neuzugang Dennis Erdmann vom TSV 1860 glänzt mit markigen Sprüchen - auf dem Platz tut er sich aber noch schwer. "Ich sehe nicht, dass er ein Leader ist", meint Meister-Löwe Bernd Patzke.
| Bernhard Lackner
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München - Ein Typ ist er schon, dieser Dennis Erdmann. Derb, echt, unverfälscht. Ein bärtiger Macho im immer steriler werdenden Hochglanz-Business Fußball. Zur Not foule er auch den Papst, hat er einmal gesagt. Nach seinen ersten Wochen an der Grünwalder Straße muss man feststellen: Ja, das wäre ihm tatsächlich zuzutrauen.

Zumindest in Sachen Härte lässt der 28-Jährige seinen Worten bislang Taten folgen. Zum Saison-Auftakt gegen Preußen Münster (1:1) ergrätschte er sich seine erste Gelbe Karte, da war die neue Spielzeit gerade einmal drei Minuten alt. Am Samstag gegen Eintracht Braunschweig (1:2) hielt der 28-Jährige immerhin 15 Minuten ohne Verwarnung durch, schlug dann allerdings bei einer Rudelbildung über die Stränge.

Erdmanns Bemühen, mit Einsatz voranzugehen, lässt sich nicht abstreiten. Nach seinen Verwarnungen musste er sich in den Zweikämpfen allerdings zurücknehmen - und beraubte sich so einer seiner größten Stärken.

TSV 1860: Dennis Erdmann tut sich noch schwer

Seine teils überharte Spielweise wird auch unter Beobachtern durchaus kritisch gesehen. "Ich sehe es als dämlich, in den ersten Minuten so hinzugehen. Darauf wartet jeder Schiedsrichter", meint Bernd Patzke, Meister-Löwe von 1966 und selbst ehemaliger Verteidiger, im Gespräch mit der AZ: "Das war bisher nicht so berauschend. Ich sehe nicht, dass er ein Leader ist, aber das kann sich noch entwickeln."

Dabei werden die Löwen Erdmanns Leader-Qualitäten bei der schwierigen Mission Klassenerhalt dringend brauchen. "Er wird sicherlich ein absoluter Leistungsträger sein und dazu beitragen, dass wir das Ding hinten stabilisieren können", freute sich Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel bei der Verpflichtung des Abwehr-Hünen.

Noch tut sich Erdmann allerdings schwer in der Leader-Rolle. Vor allem am ersten Spieltag gegen Preußen Münster erwischte der Neuzugang keinen guten Tag. Der Routinier strahlte kaum Sicherheit aus, leistete sich immer wieder Stellungsfehler und machte auch beim Gegentor einen unglücklichen Eindruck, als er einen Schuss von Julian Schauerte unhaltbar für Hendrik Bonmann ins eigene Tor abfälschte.

Bilder: Das sind die Spieler des TSV 1860 München

Gegen Braunschweig machte der Routinier über weite Strecken bereits einen besseren Eindruck, stand allerdings bei beiden Gegentreffern zu weit weg vom Gegenspieler.

Weber gesperrt: Erdmann ist gegen Zwickau gefordert

Unter dem Strich steht für die Löwen trotz spielerisch teils sehr guter Phasen lediglich ein Punkt und Tabellenplatz 16. Freilich ist das Tableau zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison nur bedingt aussagekräftig, um einen Fehlstart in die neue Saison zu verhindern, sollte beim Heimspiel gegen den FSV Zwickau am Mittwoch (19 Uhr/Magenta Sport und im AZ-Liveticker) aber ein Dreier her. Nicht umsonst gab Trainer Daniel Bierofka noch vergangene Woche als erstes Saisonziel aus, "möglichst schnell Punkte sammeln, uns am besten gleich ein Polster sichern, um nicht von Beginn an hinten drin zu hängen".

Auch dabei wird Erdmann wieder in den Fokus rücken. Aufgrund der Sperre von Felix Weber, der gegen Braunschweig Gelb-Rot sah, wird das Raubein mit den markigen Sprüchen die Rolle des Abwehrchefs übernehmen und versuchen, an der Seite von Rückkehrer Aaron Berzel die Defensive zu stabilisieren.

Patzke sieht den 28-Jährigen in den kommenden Spielen in der Pflicht. "Jeder kann sagen, was er will, aber die Leistung muss stimmen", so der ehemalige Verteidiger, der warnt: "Wenn das nicht der Fall ist, dann kann das schnell nach hinten losgehen."

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