TSV 1860: So sieht Kabarettist Michael Altinger die Lage der Löwen

Kabarettist Michael Altinger über den TSV 1860, Humor in der Krise – und Träume von der Champions League.
| Matthias Eicher
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Augenklick/sampics / Stefan Matzke

München - Der 49-jährige Michael Altinger ist Kabarettist und seit vielen Jahren glühender Löwen-Fan.

AZ: Herr Altinger, Sie haben kürzlich bei der Fan-Aktion des TSV 1860  mitgemacht. Warum muss sich der Löwen-Fan ein Geisterticket kaufen?
MICHAEL ALTINGER: Ganz einfach: Weil er damit seinen Verein in schweren Zeiten unterstützt. Wenn ich etwas dazu beitragen kann, dass die Leute Sechzig die Stange halten, bin ich gerne dabei. Ist es schon durch, dass man ab Mitte Mai wieder spielen kann?

Offiziell noch nicht.
Aber es sieht ganz danach aus. Ich bin ja schon gespannt, ob die Spieler dann einen Mundschutz tragen müssen – und ob das Design zum Trikot passt. Ich hab’ es im Supermarkt vorsorglich schon mal ausprobiert, eine schnellere Aktion mit Mundschutz zu tätigen. Das erschnaufst du nicht! Ich lag bewusstlos in den Nudeln. Da bin ich gespannt, wie das unsere Löwen auf dem Platz hinkriegen werden.

Mitte November kündigten Sie im Rahmen eines Benefiz-Abends der Löwen an: "Mit dem Köllner steing ma auf in die Zweite Liga, dann in die Erste Liga. Danach spui ma Champions League – und dann hoi ma den Biero zruck." Jetzt ist die Corona-Krise dazwischen gekommen.
Eine Frechheit! Sonst wäre Sechzig schon fast aufgestiegen. Wenn der Michael Köllner so weitermacht, verliert er seinen Job: Er hat ja seitdem noch keine einzige Niederlage auf dem Konto. Aber er weiß ganz genau, dass er nach dem Aufstieg in die Bundesliga aufpassen muss. Vielleicht coacht er dann ein bisschen schlechter, dass er seinen Job nicht wieder an den Biero verliert. (lacht)

Altinger hält sich zu Ismaik oder Reisinger zurück

Und Investor Hasan Ismaik baut noch einen neuen Löwen-Käfig.
Es darf sich gerne alles bewahrheiten, aber über den Herrn Ismaik oder Präsident Robert Reisinger sage ich besser nichts, bevor ich Aggressionen schüre: Es ist unglaublich, wie man da mit einer Aussage polarisieren kann. Darauf habe ich keinen Bock. Da möchte ich lieber – früher oder später – wieder ungestört ins Stadion gehen.

Sprechen wir doch über Ihr Programm "Schlaglicht", das derzeit pausieren muss. Haben Sie auch hier über Geistertickets nachgedacht?
Ich habe ein ganz anderes Problem: Die Termine sind alle in die zweite Jahreshälfte geschoben. Da wird es leider schwierig, zu den Löwen-Heimspielen zu gehen: Im Oktober habe ich so viele Auftritte wie noch nie in meiner ganzen Karriere. Vielleicht können Sie Trainer Köllner ausrichten, dass er mir einen Trainingsplan schickt – sonst stehe ich das alles gar nicht durch.

Wird erledigt. Wie gehen Sie als Kabarettist sonst mit der Corona-Krise um? Einerseits müssen derzeit viele Menschen leiden, über 4500 Infizierte sind bereits gestorben, andererseits hilft Humor gerade auch in Krisenzeiten.
Es ist wie bei Sechzig: Manche Dinge lassen sich nur mit Ironie ertragen. Aber es gibt – gerade auf der Bühne oder im Fernsehen – klare Grenzen. Wenn ich zurückdenke, als Corona losgegangen ist: Im „Schlachthof“ hab ich Sprüche rausgehauen, das würde ich jetzt nicht mehr machen. Ich habe die Hysterie mancher Leute für übertrieben gehalten. Jetzt stürze ich mich lieber auf die Verschwörungstheoretiker, die uns erzählen wollen, dass Virologen keinen Plan haben.

Die Corona-Pandemie dürfte auch Auswirkungen auf Ihr Wirken haben. Können Sie uns einen Vorgeschmack geben?
Der "Schlachthof" läuft weiter, da können wir den Leuten weiter Kabarett bieten. Die letzte Sendung haben wir bei mir im Speicher gedreht, da hätten dir die Leute vor Corona den Vogel gezeigt. Jetzt sind sie dankbar für aktuelle Themen. Was meine Tour betrifft, hatte ich die Themen Quarantäne, Schutz und Sicherheit sogar schon vor Corona im Programm. Die sind jetzt – leider – brandaktuell. Ab dieser Woche werde ich auf Youtube Ausschnitte aus meinem Programm zeigen, die im Herbst so nicht mehr zu sehen sein werden. Außerdem starte ich ab Samstag einen eigenen Podcast.

Altinger: "Wäre bereit für den Durchmarsch in die Champions League"

Worum geht es darin?
Das Ding heißt "Rampensau mit Ausgangssperre" und ist eine Art Tagebuch darüber, wie ich mit Bühnenentzug durch den Tag gehe: Da macht der Altinger im Schlafzimmer den Vorhang auf und im Garten sitzt das Publikum und klatscht im Rhythmus. Ich beginne zu halluzinieren und sehe plötzlich überall ein Publikum, das ich sofort unterhalten will.

Klingt danach, als hätte der Altinger zur Ablenkung auch ein paar Löwen-Spiele bitter nötig.
Absolut. Ich wäre bereit für den Durchmarsch in die Champions League. Und dann darf der Köllner von mir aus auch weiterhin Trainer bleiben.

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