Interview

TSV 1860: Nach langer Leidenszeit – Rückkehrer Marius Willsch fordert jetzt Siege!

Marius Willsch steht vor seinem Comeback bei Sechzig. In der AZ spricht er über seine Verletzung ("ich bin unfreiwilliger Schambein-Experte"), die lange Leidenszeit und die Situation bei den Löwen.
| Matthias Eicher
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"Fakt ist eines: Diese Tabellenregionen sind nicht unser Anspruch", sagt Marius Willsch über seine Löwen, die im Moment auf Platz 15 der Dritten Liga herumdümpeln.
"Fakt ist eines: Diese Tabellenregionen sind nicht unser Anspruch", sagt Marius Willsch über seine Löwen, die im Moment auf Platz 15 der Dritten Liga herumdümpeln. © sampics/Augenklick

München - Marius Willsch im AZ-Interview: Der jetzt 30-Jährige spielte schon von 2007 bis 2012 beim TSV 1860 und kehrte 2018 zu den Löwen zurück. Nach langer Verletzungspause steht er vor seinem Comeback.

AZ: Herr Willsch, beim vereinsinternen Testspiel der Löwen am Samstag standen Sie erstmals seit fast einem halben Jahr wieder auf dem Rasen. Selten so über eine 1:6-Klatsche gefreut, oder?
MARIUS WILLSCH: Stimmt! Das Ergebnis war absolut zweitrangig, wobei ich betonen möchte: Ich hab' ja nur in den ersten 30 Minuten gespielt und am Anfang hat man kaum einen Unterschied bemerkt, bevor nach ein paar Toren der A-Elf die Luft etwas raus war. (lacht) Die Absage des Mannheim-Spiels war für mich persönlich nicht das Schlechteste, um Spielpraxis zu sammeln.

Was bleibt hängen von diesem Wochenende, an dem Sechzig eigentlich gegen die Waldhöfer gekickt hätte?
Man hat auch in diesem Spiel unsere Qualität gesehen. Wie schon in der zweiten Halbzeit gegen Viktoria Berlin und den TSV Buchbach. Ich denke, die Ergebnisse kommen automatisch, wenn wir so weiterspielen - und trainieren. Bei mir selbst bleibt hängen: Die 30 Minuten Vollgas habe ich komplett schmerzfrei überstanden. Das steht nach so einer Verletzung über allem.

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Willsch: "Keine Angst mehr" 

Sie haben Ihre Schambeinentzündung zur schlimmsten Verletzung Ihrer Karriere erklärt. Können Sie das ein bisschen konkretisieren?
Das Schlimme daran ist: Die Spanne reicht von einem Monat bis zum Karriereende. Ich habe lange mit meinem Leidensgenossen Aiges (Ex-Löwe Stefan Aigner, d. Red.) telefoniert. Er meinte: "Bei mir macht's keinen Sinn mehr" und hat aufgehört. Ich bin in den ersten zwei Monaten daheim gehockt, hab nix gemacht und es ist kein Tag besser geworden. Erst eine Reha mit Muskelaufbau und vielen Behandlungen hat angeschlagen. Seit zwei Monaten bin ich wieder laufen und habe keine Schmerzen mehr, seit zwei Wochen bin ich im Training. Jetzt habe ich keine Angst mehr. Ich möchte mich bei meiner Frau und meiner Familie bedanken, sie haben mir durch diese schwere Zeit geholfen. Ich habe mich auch viel eingelesen und bin unfreiwillig zum Schambein-Experten geworden. Ich kann jedem sagen: Macht euch keine große Hoffnung, dass ihr nach drei, vier Wochen wieder spielen könnt. Wenn Sie jemanden kennen: Der kann mich gerne anrufen, vielleicht kann ich ein paar Tipps geben.

Werden wir uns gleich mal merken. Lassen Sie uns über Ihre Comeback-Hoffnungen sprechen: Wie sehr juckt es in den Beinen?
Es bringt nichts, eine Prognose zu stellen. Ich wär' gerne schon im Pokalfight in Buchbach dabei gewesen. Der Kracher im DFB-Pokal gegen Schalke wär' natürlich geil! Aber am Ende muss es der Trainer wissen und ich bin in einem Alter, wo man nicht auf Teufel komm raus spielen muss und auch ein, zwei Wochen länger warten kann.

Rückkehr in Startelf trotz Konkurrenz angepeilt

Vor Ihrer Verletzung waren Sie als Leistungsträger unumstritten. Jetzt stehen mit Yannick Deichmann und Kevin Goden gleich zwei Neuzugänge auf der Matte.
Erstens freut es mich, dass es der Yannick auf ungewohnter Position gut gemacht hat. Aber mein Anspruch ist schon: Wenn ich wieder fit bin, darf er seine Stärken gerne im Offensivbereich ausspielen.

Zur sportlichen Lage: Sechzig liegt mit 13 Punkten nur auf Rang 15. Wie fällt Ihre Analyse als Tribünengast und TV-Zuschauer aus: Wieso steht Topfavorit 1860 nicht an der Tabellenspitze?
Puh, große Frage. Wenn ich das wüsste, hätte ich es den Jungs gesagt. Ich denke, dafür gibt es viele Gründe. Es liegt an Kleinigkeiten. Wir haben ja auch erst zwei Mal verloren. So ein 30-Meter-Knaller wie in Verl (1:1, d. Red.) müsste bei uns auch mal reingehen. Oder in unseren vielen Druckphasen irgendein Tor und wenn es aus dem Gestocher heraus ist. Fakt ist eines: Diese Tabellenregionen sind nicht unser Anspruch.

Muss sich der TSV 1860 langsam aber sicher vor dem Abstiegsgespenst fürchten?
Es soll nicht arrogant klingen, aber ich denke: Dafür haben wir zu viel Qualität. Mit diesem Thema befassen wir uns nicht. Klar weiß man, wie schnell es gehen kann, dafür gibt es einige Beispiele. Aber wir brauchen jetzt einfach Siege und keine Rechnungen nach oben oder unten.

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"Köllner der perfekte Trainer für Sechzig"

Im Fußball zeigen sich oft gewisse Reflexe, bei 1860 haben die Gesellschafter Trainer Michael Köllner gestützt. Gut zu wissen, dass in einer Ergebnis-Krise nicht gleich alles auseinanderbricht?
Das ist extrem wichtig. Michael Köllner ist für mich der perfekte Trainer für Sechzig. Er ist tagtäglich mit viel Herzblut dabei. Er ist ein Menschenfänger, der sauviel Ahnung vom Fußball hat. Als Spieler ist es wichtig, dass du mitkriegst, dass der Trainer nicht gleich zur Disposition steht. Uns fehlen nur die Ergebnisse.

Sechzig muss am Samstag nach Saarbrücken (14 Uhr, BR/Magenta Sport und im AZ-Liveticker). Bevor wir auf das Spiel eingehen: Der TSV trifft dabei auf Ihren einstigen Mitspieler Dennis Erdmann, der aktuell durch einen Rassismus-Eklat ins Rampenlicht gerückt ist.
Ich kann dazu nur sagen: Erdmann war zwei Jahre lang mein Kabinennachbar, auf dem Feld mein Nebenmann. Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten, aber so etwas habe ich von ihm nie mitgekriegt. Was da genau für Worte gefallen sind, wissen nur Dennis und die Magdeburger Spieler. Am gescheitesten wäre, es würden einfach alle wieder Fußball spielen.

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Als Sechzig 2017/18 in der Aufstiegsrelegation in Saarbrücken gespielt und mit 3:2 gesiegt hat, dürften Sie ein großer Sechzger-Fan gewesen sein. . .
Damals war ich der größte Sechzger-Fan überhaupt. (lacht) Ich hatte schon bei den Löwen unterschrieben und damals von Mallorca aus dem Urlaub die Daumen gedrückt. Ich bin ein schlechter Fernsehzuschauer und sehr nervös, das hat meine Frau damals genauso gemerkt wie in den letzten Monaten. Zum Glück hat es geklappt!

Wie klappt es auch jetzt wieder mit einem Löwen-Sieg - und einem Befreiungsschlag?
Wir sind im Aufwärtstrend und brauchen uns dort überhaupt nicht zu verstecken. Aber vielleicht schadet es nicht, dass wir nicht mehr so in der Favoritenrolle stecken wie zu Saisonbeginn. Wir müssen einfach alles raushauen. Jetzt müssen Siege her. Mal schauen, vielleicht nimmt mich der Trainer ja auch mit. . .

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