TSV 1860 München vor der Insolvenz: Präsident Mang will "Fans nicht im Stich lassen"
Am heutigen Sonntag ist es wieder soweit: Seit 10 Uhr findet im Zenith die jährliche Mitgliederversammlung des TSV 1860 statt. Angesichts der turbulenten vergangenen Wochen ist mit einem hohen Fan-Andrang zu rechnen.
Wie geht es mit Investor Hasan Ismaik weiter, der seine Anteile nach AZ-Informationen an den e.V. zurückgeben könnte? Wie steht es um die womöglich neu zu gründende Spielbetriebsgesellschaft des Muttervereins? Und wie geht der Klub die neue Saison nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga an?
Die Abendzeitung ist bei der Mitgliederversammlung am Sonntag vor Ort.
Der Start in die Mitgliederversammlung verlief ruhig! Am Eingang war um 10 Uhr nichts los, drinnen war die Halle etwa halbvoll. 856 Mitglieder (Stand 10.25 Uhr) waren vor Ort. Die ersten Tagesordnungspunkte wurden abgehandelt. Neben den Totenehrungen (u.a. Karsten Wettberg) wurden aktive Löwen-Sportler geehrt.

KGaA muss Stand jetzt nächste Woche Insolvenz anmelden
Spannend wurde es dann, als Präsident Gernot Mang auf Bühne trat. "Ja, es ist eine schwere Zeit", begann Mang seine fast 40-minütige Rede. "Nach aktuellem Stand wird die KGaA in der kommenden Woche Insolvenz anmelden müssen." Dafür müsse man sich wappnen, der Weg der Löwen sei klar: "Wir verabschieden uns vom Investoren-Modell der letzten 15 Jahre."
Mang sei bewusst, dass es "womöglich rechtliche Auseinandersetzungen geben" werde, "das müssen wir wohl in Kauf nehmen und das nehmen wir in Kauf, denn unsere Rechtsposition ist sehr stark".

Mang bestätigt: Keine Einigung mit Hasan Ismaik in Sicht
Zudem sagt er, dass es bislang keine Einigung mit Hasan Ismaik gibt. Am Dienstag hatte der Verein ein Angebot für die Anteile an die HAM-Seite unterbreitet – Stichwort "Märchenlösung". "Wir haben noch einmal alles versucht", sagte Mang. "Auf dieses Angebot wurde bis heute nicht ernsthaft eingegangen", so der 57-Jährige. Mang sprach von einer mittleren siebenstelligen Summe und bestätigte damit einen Bericht der Abendzeitung.

"Ich habe das Gefühl, dass Ismaik seine Anteile lieber jemand anderem verkaufen will als dem e.V. ", erklärt Mang. Der Löwen-Präsident bestätigt das Angebot des e.V. und spricht von einem weiteren Angebot eines Anteilskäufers an Ismaik. "Eine schnelle und gütliche Einigung ist damit in weite Ferne gerückt. Die Zeit drängt."
Mang: "Die Fans, die diesem Verein vertrauen, werden wir nicht im Stich lassen"
Sollte es zur Insolvenz kommen, wird sich der TSV 1860 laut Mang schnellstmöglich mit dem Insolvenzberater zusammensetzen. Das betrifft zum einen die Markenrechte: "Diese Markenrechte gehören dem Verein, sie gehören uns" – zum anderen das Thema Dauerkarten: "Die Fans, die diesem Verein vertrauen, werden wir nicht im Stich lassen." Die aktive Fanszene des TSV 1860 hatte nach dem Zwangsabstieg zum Rückruf der bereits verkauften Dauerkarten aufgerufen. "Durch die Kündigung des Kooperationsvertrags verliert die KGaA die Lizenz, die Mannschaft für die kommende Saison in der Regionalliga zu stellen. Somit verlieren alle Jahreskarten, die von der KGaA ausgegeben werden sollten, ihren Wert", hieß es Anfang Juni in einem Statement. Mit der Rückgabe der Dauerkarten wollten die Löwen-Anhänger die drohende Insolvenz der KGaA weiter voranzutreiben.
Auch mit Spielern, die bei einem möglichen Neuanfang dabei sein werden, wolle der Löwen-Boss die Tage sprechen und eine "schlagfertige Mannschaft aufbauen". Ein weiterer Punkt in seiner Rede befasste sich mit dem Thema "Machbarkeitsstudie", die am Freitagabend an der Grünwalder Straße Nachbarn und Fans vorgestellt wurde. "Das neue Grünwalder Stadion "wird 27.000 Zuschauer fassen, unsere Westkurve – das Herz des Vereins – wird aus 13.000 wachsen. Das Ergebnis der Studie ist kein Wunschdenken, das haben Fachleute geprüft und bestätigt", erklärte Mang. "Wir werden es erleben, dass 27.000 in unserem Stadion brüllen, davon bin ich überzeugt."
Nicolai Walch teilt bei seiner Verabschiedung kräftig aus

Nicolai Walch, der zum Ende der Saison als Mitglied des Beirats des TSV 1860 zurückgetreten ist, teilte bei seiner Verabschiedung noch einmal kräftig aus – vor allem gegen die HAM-Seite: "Die Zeit nach der Darlehenskündigung war für uns die Hölle. Ich persönlich möchte diese Leute nie wieder bei uns sehen", sagte Walch und wurde von den Fans frenetisch gefeiert. Ob der Wunsch von Walch tatsächlich in Erfüllung geht, bleibt abzuwarten.
Der einstige Kult-AZ-Reporter Michael Graeter (85), zeichnete den Niedergang der Blauen der vergangenen Jahre nach und konterte Walch: "Sechzig muss wieder Sechzig werden, aber nicht mit solchen aufgeblasenen Vögeln." Unwürdig, aber erwartbar: Graeter wurde von den Ultras gnadenlos ausgepfiffen.
Nicht besser erging es Jürgen Pusch, Initiator der Vereinigung "Weiß und blaue für den TSV", der Kritik an der Kündigung des Kooperationsvertrags ohne Plan B übte - und ausgelacht wurde.
TSV 1860 beschließt die Gründung eine Spielbetriebsgesellschaft
Mit Spannung wurde TOP 13 erwartet, die Gründung einer Spielbetriebsgemeinschaft. Vizepräsident Peter Schaefer: "Damit der Fußball bei 1860 weiterleben kann, sicher weiterleben kann, brauchen wir eine Spielbetriebsgesellschaft. Wir brauchen euch jetzt und heute, damit wir weitermachen können. Ich bin mir völlig bewusst, wie spärlich diese Infos sind. Wir bitten euch um eure Zustimmung, eine GmbH zu gründen für den Fall, dass es mit der KGaA nicht weitergehen kann." Man plane, an dieser GmbH keine Anteile zu verkaufen.
Die Mitglieder (aktuell anwesend: 1.132 stimmberechtigte Mitglieder) haben mit 1.017 Stimmen und sechs Gegenstimmen ihre Zustimmung für die Gründung einer Spielbetriebsgesellschaft gegeben.
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