TSV 1860 München: So kämpfen die Löwen gegen den Abstieg

Die Löwen kämpfen am letzten Spieltag der Saison in Heidenheim gegen den Sturz in Liga 3 – und gegen die Relegation. "Ich bin verantwortlich, dass wir unser Leben für den Verein geben", sagt Trainer Pereira.
| Patrick Mayer
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Letztes Aufbäumen im Abstiegskampf: Lumor (l.) und Abdoulaye Ba wollen in Heidenheim jubeln, der verletzte Amilton (r.) kann nicht spielen.
sampics/Augenklick Letztes Aufbäumen im Abstiegskampf: Lumor (l.) und Abdoulaye Ba wollen in Heidenheim jubeln, der verletzte Amilton (r.) kann nicht spielen.

Bad Wörishofen - Eigentlich ist Vitor Pereira der Trainer des TSV 1860, doch am Freitagmittag gab er auch den Dramatiker: "Ich bin verantwortlich dafür, dass wir hier unser Leben für den Verein geben", sagte der Portugiese.

Ein letzter, ein allerletzter Appell an seine Spieler vor dem Showdown am Sonntag gegen Heidenheim (15:30 Uhr, Sky und AZ-Liveticker). Es ist eine Partie historischen Ausmaßes. Gelingt die Rettung – oder nicht? Ein Abstieg, ob direkt oder eventuell über die Relegation in die 3. Liga, könnte die Sechzger über Jahre zurückwerfen. Es wäre der Super-GAU, das Horror-Szenario, die Katastrophe schlechthin für den den Verein, der eigentlich an der Grünwalder Straße sein Zuhause hat.

Ausgangslage könnte schlechter sein

Doch nun soll es der Geist von Bad Wörishofen richten. Hier schottet sich die Mannschaft bis zur Abreise auf die Ostalb ab, trainierte eine Woche ungestört unter Ausschluss der Öffentlichkeit, fernab von München. Die Ausgangslage für das Spiel gegen Heidenheim könnte schlechter sein. Der TSV 1860 (36 Punkte) steht auf Relegationsrang 16, das punkt gleiche Arminia Bielefeld (15.) muss bei Dynamo Dresden ran. Der 1. FC Kaiserslautern (14./38 Punkte) taumelte zuletzt bedenklich, und auch Erzgebirge Aue (13./39 Punkte) ist wegen der schlechteren Tordifferenz in Schlagdistanz. Von einem Sieg der Würzburger Kickers (17./34 Punkte) beim VfB Stuttgart geht ohnehin kaum einer aus.

Doch einst gingen die Löwen 2004 beim Abstieg aus der Bundesliga auch nicht davon aus, dass sie über ein Jahrzehnt in der 2. Liga spielen würden. Ein Abstieg, von dem sich der Verein bislang nicht mehr erholen konnte. Und auch im Finale dieser Saison stehen wieder Jobs von Mitarbeitern, die Glaubwürdigkeit bei Sponsoren, die Unterstützung der Fans auf dem Spiel.

"Das ist ein schmerzhafter Weg", meinte Pereira auf der Spieltagspressekonferenz. "Ich erwarte, dass ich diese Herausforderung meistern werde, in einem Jahr von einem Champions-League-Spiel zu kommen und in der 2. Liga gegen den Abstieg zu spielen." Der kritische Beobachter rätselt, ob der 48-Jährige in seinem grenzenlosen Selbstbewusstsein wirklich verstanden hat, dass diese Stunde nun geschlagen hat.

"Kein verantwortungsloser Mensch"

Aus seinem Umfeld ist zu hören, dass Pereira relaxt bleibe, weil er glaube, dass Fußballer gerade in einer solchen Situation die besten Leistungen abrufen. Sein Trainerteam beschäftige sich dennoch mit dem Relegationsszenario, erzählte Pereira, "ich bin schließlich kein verantwortungsloser Mensch".

Konfrontiert mit der öffentlichen Kritik von Investor Hasan Ismaik, der "von der Mannschaft, aber auch vom Trainerteam im letzten Spiel in Heidenheim eine Trotzreaktion" forderte, sagte Pereira: "Wenn ihr mich fragt, ob ich der Verantwortliche bin, sage ich: Ich bin der Verantwortliche für diese Situation. Ich bin verantwortlich dafür, Entscheidungen zu treffen. Das ist das, was ein Leader tun muss. "Anspannung ist immer dabei in solchen Momenten. Das ist wichtig im Fußball. Wer keine Spannung hat, der spürt auch keine Verantwortung."

Es war im Januar, als Vitor Manuel de Oliveira Lopes Pereira in der Braustube eines Sponsors vor offiziell beim Löwen vorgestellt wurde – als "Mann, der uns in die Bundesliga führen soll", wie Vereinspräsident Peter Cassalette hunderten johlenden Fans entgegenrief. Es kam anders. Ganz anders.

Polizei bereitet sich "angemessen" vor

Auf die Unterstützung der Löwen-Fans kann sich Pereira immerhin verlassen. Wie der 1. FC Heidenheim erklärte, erwartet der Klub tausende Löwen-Anhänger in der 15 000 Zuschauer fassenden Voith-Arena. Die Landespolizei Baden-Württemberg bereitet sich indes auf einen "nicht reibungslosen" Ablauf vor, sollten die Sechzger verlieren oder sogar direkt absteigen. Man kenne die Brisanz, hieß es aus dem Polizeipräsidium Ulm auf Anfrage, und man werde "angemessen" vorbereitet sein.

Die Emotionen im Umfeld nehmen längst Überhand. "Wir schaffen das!", sagte Meisterlöwe Peter Grosser im AZ-Interview und forderte, keine Trainerdiskussion zu führen. Und Sechzig? Der Klub weist auf die Heimschwäche des kommenden Gegners hin, Heidenheim hat 2017 noch kein Heimspiel gewonnen. Allerdings: 1860 könnte von den bislang fünf Zweitligaspielen gegen Heidenheim keines gewinnen (zwei Remis, drei Niederlagen). In diesen Tagen klingt bei den Löwen vieles nach Trotz. "Manche Kritik kommt aus der Ignoranz. Ich akzeptiere Kritik, muss diese aber nicht annehmen", meinte Pereira zu Diskussionen, er sei nicht der richtige Mann für den Abstiegskampf. Er wirkt dafür, dass er schon am Montag seinen Job los sein könnte, sehr gefestigt. An einem Tag, an dem für die Löwen die wirklich neue Zeitrechnung beginnen könnte.

Lesen Sie hier: Buchmacher sicher - 1860 muss in die Relegation

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