Schneider spricht über Prügel im Fanblock

1860-Präsident Schneider diskutierte am Abend über die Sicherheit in Fußballstadien. Mit dabei war auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Hier gibt es die Diskussion zum Nachlesen.
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Löwen-Präsident Dieter Schneider
az Löwen-Präsident Dieter Schneider

1860-Präsident Schneider diskutierte am Abend im SV-Verlagsgebäude über die Sicherheit in Fußballstadien. Mit dabei war auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Hier gibt es die Diskussion zum Nachlesen.

München - Zuletzt wurde in Deutschland nach dem DFL-Vorschlag zu einem Sicherheitskonzept über den Umgang mit den Zuschauern in den Stadien viel über Fan-Problematik gesprochen. Am Dienstagabend nahm sich Löwen-Präsident Dieter Schneider dem Thema an. Der Dachauer Unternehmer war im Verlagsgebäude der "Süddeutschen Zeitung" zu Gast bei der Diskussionsrunde "Stadtforum", das Thema lautete: Fußball, Fans, Feuerwerk, Anpfiff zur Randale - was ist los in deutschen Stadien? 

Neben Schneider nahmen auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Radio-Legende Günther Koch an der Runde teil, die 1860-Fanbeauftragte Jutta Schnell musste ihre Teilnahme absagen. Die AZ berichtete live, hier gibt es das Wichtigste aus der Runde zum Nachlesen. 


21.15 Uhr: Ein Polizist stellt eine Frage aus dem Publikum und will von Schneider wissen, wieso es 1860 nicht hinbekommt, Pyrotechnik bei den Amateurderbys in der Regionalliga zu verhindern Der Fragesteller fühlt sich an Zustände "wie in Rom" erinnert. "Sie stellen uns als inaktiver dar, als wir es sind", sagt Schneider. "Was können wir selbst tun? Das, was wir an Möglichkeiten haben. Wenn es jemand reinschmuggelt, gibt es Strafverfahren, das ist richtig. Aber ich kann nicht nach jedem Wochenende sagen, dass wir gegen Bengalo sind. Das ist eh klar. Wir können nur die Dinge, die wir beeinflussen können, unternehmen. Gegen Bengalo können wir nur Kontrollen unternehmen, mehr ist nicht möglich."

21.08 Uhr: Herrmann fordert jetzt, dass künftig mehr Geld aus dem TV-Pool in Fanprojekte gesteckt wird. "Offensichtlich wird im Profifußball so viel Geld bewegt, dass mehr davon in Sozialarbeit investiert werden kann."

21.02 Uhr: Herrmann schimpft, bevor Fragen aus dem Publikum gestellt werden, über die Schickeria des FC Bayern, die laut ihm bei einer Zugreise nach Mainz vor drei Jahren mehrere Beamten krankenhausreif geschlagen hätten. Herrmann ruft: "Lebenslang! Da muss eine lebenslange Stadionsperre her!" Schneider beruhigt: "Das Thema ist wie eine heiße Kartoffel. Wir dürfen es nicht zu einem Verschiebebahnhof über die Finanzierung der Sicherheit werden lassen." Herrmann wütend: "Ich erwarte von den Vereinen, dass sie ein Konzept vorlegen, wie Stadien sicher gemacht werden können. Die Vereine müssen mehr Geld in Fanbetreuung investieren. Das erwarte ich von diesen ganzen großen und reichen Vereinen." Schneider kontert lässig: "Da gehören wir nicht dazu."

20.53 Uhr: Herrmann fordert: "Wir müssen uns von den gewaltbereiten Fans hart distanzieren, da darf es kein, "das ist doch einer von uns" geben. Ich halte auch lebenslange Stadionverbote für richtig. Ich bin nicht für Rundumschläge, sondern für individuelles bestrafen, und dann darf es auch kein Mitleid geben." 

20.51 Uhr: Schneider wird gefragt, ob die Vereine genug für die Fansicherheit machen. "Wir versuchen mit unseren Fans zu sprechen. Das sind zum Teil hochintelligente Leute, die sich ihre Gedanken machen. Man darf die Fans nicht in einen Topf werfen. Der normale Stehkurvenfan will sein Spiel sehen, mehr nicht. Vielleicht haben wir in Bayern einfach Glück, denn es konzentriert sich auf ein paar unbelehrbare Fans, denen man nur mit guter Technik und harten Sanktionen beikommen kann und muss. Das heißt aber nicht, dass wir ein 25-Seiten-Papier brauchen, um das Thema in den Griff zu kriegen."

20.43 Uhr: Heckel hebt hervor: "Der entscheidende Weg ist, nicht über die Fans zu sprechen. Sondern mit ihnen in den Dialog zu treten. Das hat sich in Fürth bewährt. Das muss auch anderswo funktionieren." Heckel weiter: "Man muss den Leuten die Dinge transportieren, aber auch ein Ohr für die Ängste und Sorgen der Fans haben."

20.37 Uhr: Schneider hakt ein: "Ich bin der lebende Beweis, dass man ein Spiel im Fanblock ohne Schaden überstehen kann." Doch er gibt Koch recht: Ich bin auch schon von Polizisten und Security-Leuten zur Seite geschickt worden, obwohl ich nur schlichten wollte. Ich habe tatsächlich auch die Beobachtungen gemacht, dass Sicherheitspersonal nur darauf wartet, jemandem im Stadion auf die Schnauze zu hauen. Wir sollten darauf achten, dass das Security-Personal nicht danach ausgewählt wird, dass es bilig ist und einen dicken Bizeps hat. Nein, wir brauchen keine Leute, die besser vor einem zweifelhaften Lokal als Türsteher aufgehoben wären. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich treibe mich da rum, wo es wehtut. Ich stehe nicht vor Promi-Eingängen. Deswegen weiß ich: Wir brauchen Qualifikationsmerkmale für die Deeskalationsfähigkeit von Sicherheitskräften. Wir dürfen nicht immer nur auf die Fans losgehen. Die andere Seite wartet auch manchmal nur darauf, mal richtig zuzulangen."

20.31 Uhr: Kilz legt mit einer recht überraschenden Aussage nach: Der Moderator behauptet, die Vorfälle in Lens bei der WM 1998 in Frankreich, als ein Polizist ins Koma geschlagen wurde, seien heute Alltag. Aus dem Publikum wird er nun beschimpft.

20.28 Uhr: Mitten in der Diskussion gesteht Moderator Hans Werner Kilz, dass er sich beim Stadionbesuch heutzutage nicht mehr sicher fühle. Heckel geht ihn in der Folge an und verteidigt die Düsseldorfer Fans, die nach dem Relegationssieg gegen Hertha BSC auf den Rasen gestürmt sind. Er sagt: "So etwas gab es doch schon immer."

20.25 Uhr: Koch über den FCN: "Der Graben zwischen denen, die für Ordnung sorgen und denen, die nur ins Stadion gehen wollen und keinen Unfrieden stiften, darf nicht immer größer werden. Ich bin aber oft genug wachen Auges vor und nach den Spielen in den Kurven und sehe, wenn unsere Polizei meiner Meinung nach überbesetzt einzelne Täter abführt. Ich habe es erlebt, dass sechs Polizisten einen Mann, der schlichten wollte, abführen müssen. Dann habe ich mal nachgefragt, was das soll, da haben sie mich weggeschickt." Koch weiter: "Wo kommen wir denn hin, wenn Fans kilometerweit vor dem Stadion abgeholt werden und ins Stadion geführt werden, nicht mehr wie Menschen behandelt werden?"

20.20 Uhr: Herrmann betont: "Ich fordere kein Stehplatzverbot, das halte ich für überzogen. Aber eine Videokontrolle befürworte ich, um Schuldige zur Rechenschaft zu ziehen. Natürlich sind 99 Prozent keine Gewalttäter. Aber wie es zum Beispiel in Nürnberg gemacht wird, wo besoffene Zuschauer nicht mehr ins Stadion kommen, das ist richtig so. Denn so was spricht sich rum zwischen den Fans. Und der Sinn solcher Maßnahmen ist es, dass sich die Leute dann eben doch nicht mehr schon vorher volllaufen lassen. Wir wollen Freude und Stimmung im Stadion, aber im gesunden Maße auf problematische Entiwcklungen einzugehen, das muss schon sein."

20.16 Uhr: Heckel lobt derweil die Ultra-Szene in Fürth und beschreibt die Personen als junge und intelligente Fans. "Teile der Ultras sind für Pyrotechnik. Aber es gibt generel eine sehr gute Kommunikation, 99,9% der Fans erreiche ich. Wir hatten in den ersten Heimspielen 106.000 Zuschauer und dabei 37 Anzeigen, drei gingen gegen Fürther. Ich kann dabei schon fast gar nicht mehr von Gewalt in Stadien reden. Da passiert ja auf jedem Dorfplatz mehr."

20.13 Uhr: Nun ist wieder Schneider dran. Der Dachauer hakt in die hitzige Debatte ein: "Das Hausrecht des Vereins ist unbestritten. Wir stilisieren das Thema mit den Zelten beim FC Bayern aber viel zu sehr hoch. Es ist unmöglich, 69 000 Menschen durch Zelte zu schleusen. Es war ein Experiment, das der FC Bayern versucht hat, ich glaube nicht, dass es Zukunft hat. Dass bei besonders brisanten Spielen besondere Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssen, ist nachvollziehbar. Wir sollten ein bisschen runterkommen, wir haben Verbesserungen zu bringen. Aber wir sollten uns keine überperfekten Maßnahmen vornehmen, die nicht praktikabel sind. Wir sollten uns mehr auf sachlicher Ebene bewegen."

20.06 Uhr: Herrmann fordert: "Ich will, dass jede Familie, auch mit Kindern, ohne Angst vor Gewalt Fußballspiele besuchen kann." Gleichermaßen verteidigt der Innenminister immer wieder die strengen Kontrollen des FC Bayern beim letzten Heimspiel gegen Frankfurt. Löwen-Präse Schneider lauscht aufmerksam.  

19.58 Uhr: Günther Koch warnt vor dem Sicherheitskonzept der DFL: "Wir sind auch gegen Pyrotechnik, keine Frage. Wir bekennen uns, wie dass wir gegen Diskriminierung und Rassismus sind. Aber, wenn wir Fans auf einmal wahrlos kontrollieren und ihnen etwas unterstellen, davon bin ich dann doch sehr überrascht. Wir brauchen viel Augenmaß bei dem Thema. Ich bedauere es, wenn wir so weit sind, dass den Fans etwas unterstellt werden muss." Koch weiter: "Wenn in einem Stadion von Tausenden von Leuten ein paar Messer gefunden werden, finde ich das nicht so dramatisch. Mich würde eher interessieren: Was wurde in den Zelten gefunden??"

19.52 Uhr: Jetzt spricht Schneider. Er wird gefragt, wie man ein Stadion sicher machen kann. "Pyrotechnik wird immer kleiner, man kann sie immer näher am Körper verstecken. Eine 100-prozentige Garantie können wir nie erreichen. Was ich aber sagen will: Wir haben in Zusammenarbeit mit der DFL eine gemeinsame Willenserklärung über alle Erst- und Zweitligavereine unterschrieben, nach der wir Pyrotechnik im Stadion ablehnen." Schneider weiter: "Nicht jeder Ultra ist eine Randaleverdächtiger. Selbst bei Pyrotechnick gilt, ohne dass ich dabei für eine Seite Partei ergreifen will: Wir haben einmal die Leute, die aus Trotz zündeln, weil sie es einfach wollen und sich nichts verbieten lassen wollen. Dann gibt es aber auch die andere Gruppe der gewaltbereiten Chaoten, die brennende Pyrotechnik fahrlässig durchs Stadion werfen. Wir müssen differenzieren. An die gewaltbereiten Randaletypen werden wir nie herankommen, die kann man nur mit härtesten Maßnahmen sanktionieren." 

19.48 Uhr: Herrmann meint: "Die Problemwahrnehmung hat zugenommen. Es gibt mehr Verletzte, mehr Randale und auch eine stärkere Aufmerksamkeit. Aber es wird auch gehandelt. Ich glaube, dass es in Bayern nicht ganz so schlimm ist, hier versucht die Fanbetreuung besser. Aber wir müssen noch intensiver werden. Vor allem beim Thema Pyrotechnik, das immer noch unterschätzt wird. Wir reden von Materialen mit 1000 Grad Hitze, das ist hochgefährlich." Herrmann: "Es geht um lebensgefährliche Vorgänge im Stadion. Auf engstem Raum, da könnten Menschen gar nicht mehr ausweichen." Und weiter: "Bis vor drei, vier Jahren gab es bei den Vereinen ein ziemliches Rumgeiere. Aber jetzt haben wir eine klare Positionierung, die Vereine sagen, Pyrotechnik haben im Stadion nichts zu suchen. Nachdem es bei den Bayern Befürchtungen gab, dass die Frankfurter was hereinbringen. Die Bayern haben im Sinne ihres Hausrechts kontrolliert. Jeder ist für seine Sicherheit zuständig."

19.45 Uhr: Zunächst berichtet Heckel über seine Erfahrungen mit Gewalt im Fußball. "Was sich geändert hat, ist, dass es keine Rücksicht mehr gibt. Jeder will sich ausleben. Außerdem hat sich die Berichterstattung darüber geändert. Es wird viel intensiver berichtet." 

19.40 Uhr: Die Runde ist übrigens fest in fränkischer Hand. Zunächst erzählt Innenminister Herrmann erst mal, dass er Mitglied bei der SpVgg Erlangen ist und seine beiden Söhne dort aktiv kicken. Daneben ist auch Radiolegende Günther Koch aus Nürnberg anwesend. Koch sitzt auch im Aufsichrsrat des FCN. Neben Löwen-Präsident Dieter Schneider und SZ-Redakteur Thomas Kistner nimmt auch Nicolas Heckel, der Fanbeauftragte von Greuther Fürth, an der Runde teil.

19.38 Uhr: Die Gäste nehmen Platz. Die Fanbeauftragte der Löwen, Jutta Schnell, hat den Termin am Sonntag abgesagt. 

19.33 Uhr: Servus an diesem Dienstagabend. Willkomen aus dem Verlagsgebäude der SZ. In ein paar Minuten nimmt hier 1860-Präsident Dieter Schneider Platz und diskutiert in einer hochkarätig besetzten Podiumsdebatte über den Umgang mit Fans in den Bundesligen. Noch aber ist der Raum über der Cafeteria nur halb besetzt. Rund 70 Zuhörer sind gekommen.

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