Peter Grosser: "Es ist sich keiner der brisanten Lage bewusst"

Meisterlöwe Peter Grosser im AZ-Interview: Hier zieht er ein Fazit zur schwachen 1860-Hinrunde, erklärt, was falsch läuft, und warnt vor einem erneuten Abstiegskampf. „Es wird ganz schwierig“
| Sebastian Raviol
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1860-Legende Peter Grosser
Rauchensteiner/AK 1860-Legende Peter Grosser

München - Der 77-Jährige spielte auch für den FC Bayern und Austria Salzburg. 1966 holte er als Kapitän mit den Löwen den Meistertitel. Die Abendzeitung hat mit ihm über die aktuelle Lage bei den Löwen gesprochen.

AZ: Herr Grosser, die Halbserie ist vorbei, die Löwen haben die Hinrunde auf einem Abstiegsplatz beendet. Es sollte doch alles besser werden. Was ist schief gelaufen?

PETER GROSSER: Meiner Ansicht nach ist man in den Heimspielen nicht selbstbewusst genug aufgetreten und hat dadurch sehr viele Punkte liegenlassen. Wenn du zwei, drei Heimspiele mehr gewinnst, bist du im Mittelfeld.

War der Trainer-Wechsel von Fröhling zu Möhlmann aus Ihrer Sicht richtig?

Selbstverständlich. Der Trainer-Wechsel war überfällig. Die Mannschaft hatte zu wenige Punkte.

Zuletzt gab es eine starke Halbzeit gegen den FC St. Pauli, am Freitag beim 0:1 daheim gegen den FSV Frankfurt war es spielerisch wieder sehr ernüchternd. Was ist das wahre Gesicht der Löwen?

Das A und O bei den Sechzgern ist 90 Minuten Kampfbereitschaft. Gegen St. Pauli war ich auch nicht ganz zufrieden, weil sie uns eine Stunde lang beherrscht haben. Die Sechzger lassen sich von Siegen zu leicht blenden.

Auch vor dem Spiel gegen Frankfurt?

Ich bin sehr euphorisch ins Stadion gegangen – nach Spielschluss war ich sehr enttäuscht. Die Löwen haben nicht so gekämpft, wie es sich für eine Mannschaft im Abstiegskampf gehört. Der absolute Wille, Frankfurt niederzukämpfen, hat mir gefehlt.

Verbinden Sie mit der Rückkehr von Stahl, Vallori oder Hain Hoffnung im Abstiegskampf der Löwen?

Es wäre verkehrt, auf Langzeitverletzte zu setzen, denn die werden einige Zeit brauchen, bis sie wieder voll einsatzfähig sind. Man muss versuchen, im Winter drei neue Topspieler zu bekommen.

Auf welchen Positionen sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Es müsste insgesamt die Qualität verbessert werden. Es nutzt nichts, den Kader mit Neuen nur aufzufüllen. Man muss sich langfristig für zwei, drei Jahre verstärken. Aber solche Spieler kosten Geld. Da ist Investor Hasan Ismaik gefordert, die ein oder andere Million zur Verfügung zu stellen.

Neuzugänge gab es bei den Vereinsverantwortlichen mit Trainer Möhlmann, Sportdirektor Kreuzer und Präsident Cassalette schon – ein entscheidender Schritt?

Aus dem Abstiegskampf der vergangenen Saison hatte 1860 nicht die richtigen Lehren gezogen. Unter Möhlmann, Kreuzer und jetzt Cassalette ist jetzt endlich Ruhe eingekehrt.

Zuletzt wurde auch die Stadionfrage wieder diskutiert: Zurück ins Grünwalder oder ein neues Stadion?

Das Stadion spielt für mich im Moment überhaupt keine Rolle. Es wäre schön, wenn es irgendwann mal kommt. Mich verwunderte aber beim letzten Besuch von Ismaik, dass er das Stadion als erste Priorität bezeichnete. Lieber Herr Ismaik: Punkt eins ist, den Abstieg zu verhindern und Geld für neue Spieler zur Verfügung zu stellen. Ich glaube, Ismaik hat den Ernst der Lage noch nicht erkannt.

1860 und der Aufstieg in die Bundesliga: Das ist aktuell ein verbotener Traum, oder?

Freilich. Man muss eher die Dritte Liga in den Mund nehmen. Bei 1860 ist sich wahrscheinlich keiner der brisanten Lage bewusst. Bloß weil man vier Spiele nicht verloren hat. Das ist das große Problem, dann ist sofort wieder Euphorie da. Man muss aber auf dem Boden bleiben. Allein Christopher Schindler mahnt das immer wieder an.

Werden die Löwen den Klassenerhalt packen?

So, wie es jetzt im Moment ausschaut, wird es ganz schwierig. Wir stehen in der Tabelle noch schlechter da als in der letzten Saison zum gleichen Zeitpunkt. Jeder weiß, wie es da ausgegangen ist. Es gibt noch 17 Spiele. Mit mindestens drei Neuen und einer guten Vorbereitung auf die Rückrunde wird Benno Möhlmann den Klassenerhalt aber sicher schaffen.

Desillusionierte Löwen: Rennen statt reden

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