Okotie: "1860 war eine harte Schule"

Rubin Okotie verlässt die Löwen. In der AZ spricht er zum Abschied über seine Zeit in München, seinen Lieblingstrainer und die Zukunft.
| Interview: Reinhard Franke
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„Es war eine extrem intensive und nervenaufreibende Zeit. Es war nie langweilig“, sagt Okotie über seine Zeit bei 1860.
dpa „Es war eine extrem intensive und nervenaufreibende Zeit. Es war nie langweilig“, sagt Okotie über seine Zeit bei 1860.

Rubin Okotie, der 28-jährige Löwen-Stürmer wechselte 2014 von Austria Wien zu 1860. Im Sommer verlässt Österreichs Nationalspieler die Löwen. In der AZ spricht er über seine Zukunft und seine Zeit in München.

AZ: Herr Okotie, Sie haben Ihren Vertrag beim TSV 1860 nicht verlängert. Warum?

RUBIN OKOTIE: Es waren zwei intensive Jahre bei den Löwen mit sehr viel Druck und regelmäßig Schwierigkeiten. Zum Glück gab es ein Happy End und wir konnten die Liga halten. Ich bin sehr froh, dass wir das Ziel erreicht haben. Es war dennoch eine beklemmende Zeit. Ich habe schon im Winter mit offenen Karten gespielt und gesagt, dass ich meinen Vertrag nicht verlängern werde. Als ich zu 1860 kam, war mein Ziel, dass wir aufsteigen, doch das haben wir nicht geschafft. Ich will 1. Liga spielen. Zwei Jahre Abstiegskampf waren heftig.

Wie schwer fiel der Abschied?

Abschied nehmen tut immer weh. Ich war zwei Jahre mit den Jungs, dem Betreuerstab, den Masseuren, Physiotherapeuten und Mitarbeitern zusammen. Doch das gehört im Fußball eben dazu. Ich werde den Verein aber in guter Erinnerung behalten, bereue es nicht, damals den Schritt gegangen zu sein.

Was nehmen Sie mit aus zwei Jahren Sechzig?

Ich bin dankbar, dass ich für diesen Traditionsverein spielen durfte. Es war eine extrem intensive und nervenaufreibende Zeit. Es war nie langweilig (lacht). Aber dafür ist 1860 ja auch bekannt. Es gab so viel Unruhe und immer wieder Rückschläge. Ich habe immer wieder versuchen müssen, das Drumherum auszublenden. Das war nicht leicht. Ich musste mich einfach auf das Fußballspielen konzentrieren und in solch einem Prozess kann man bei den Löwen sicher einiges lernen. 1860 war eine harte Schule. Sechs Trainer in zwei Jahren sprechen eine deutliche Sprache.

Auch Cassalette dementiert:

Gab es einen Lieblingstrainer?

Jetzt werden einige sich vielleicht wundern, warum er, aber als Typ war für mich Ricardo Moniz der Trainer, der mich am meisten beeindruckt hat. Von seiner Art her, wie er Fußball gelebt hat und wie er mit Herzblut dahinter stand, das war schon etwas Besonderes. Ihn möchte ich herausheben. Es war irgendwie spannend, mit ihm zu arbeiten. Seine Ansprachen haben mich gepackt. Schade, dass wir mit ihm so wenig Erfolg hatten, ich hätte mir eine längere Zusammenarbeit gewünscht.

Was war Ihr Highlight bei Sechzig – und welcher Moment war der traurigste?

Meine ersten beiden Tore gleich im ersten Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Es war gleich ein Doppelpack, das war schon großartig. Leider haben wir das Spiel dann 2:3 verloren. Der traurigste Augenblick? Das war ganz klar die Relegation gegen Holstein Kiel 2015 (0:0 im Hinspiel, 2:1 im Rückspiel, d. Red.). Das war alles andere als leicht für uns. Auch nervlich war das nicht einfach zu begreifen, als es nach der Saison nochmal zwei zusätzliche Spiele mit enorm großer Anspannung gab.

Traurig waren sicher auch Ihre Verletzungen.

Das hat mich aber auch extrem stärker gemacht. Verletzungen sind immer sehr bitter und daran hast du erst mal zu knabbern. Ich brauchte oft Geduld, doch ich konnte aus jeder Verletzung etwas mitnehmen, um gestärkt aus der jeweiligen Situation rauszukommen.

Sie sind ein guter Freund von Bayerns österreichischem Nationalspieler David Alaba. Werden Sie ihn vermissen?

Schon ein bisschen. Wir kennen uns schon ewig, haben uns leider nicht so oft gesehen, weil David mit Bayern viel unterwegs ist und ich mit meiner Familie eingespannt bin. Wenn wir uns gesehen haben, saßen wir ab und zu in Cafes am Gärtnerplatz zusammen. Wir kennen uns, seitdem er fünf Jahre alt war. Nein, noch länger. Wir hatten schon immer eine starke Bindung zueinander. Zum Glück sehen wir uns bei der Nationalmannschaft weiter. Ich erinnere mich noch an sein erstes Training bei der Austria. Er hat keinen einzigen Fehler gemacht. Man hat damals schon gesehen, dass aus ihm ein herausragender Spieler werden kann.

Sie treten im Sommer gemeinsam bei der EM für Österreich an. Was ist drin?

Ich bin jetzt seit zwei Jahren bei der Nationalmannschaft dabei und habe meinen Teil dazu beigetragen, dass wir bei der Europameisterschaft dabei sind. Wir wollen natürlich das Maximum erreichen, aber ohne ein großes Ziel auszugeben oder vom Titel zu sprechen. Ein Plus ist sicher, dass bei uns viele Spieler dabei sind, die in Deutschland Leistungsträger sind. Unser Trainer Marcel Koller ist unglaublich wichtig. Er hat die Mannschaft geformt und eine Einheit gebildet. Seit er da ist, geht es stetig bergauf.

„Es muss nicht die Bundesliga sein, das Ausland ist spannend“

Eine andere Trainer-Personalie: Mirko Slomka soll neuer Löwen-Coach werden. Wäre er der Richtige?

Ich kenne Mirko Slomka leider zu wenig, als dass ich das sagen könnte. Oliver Kreuzer (1860-Sportdirektor, d. Red.) macht einen sehr guten Job, ist mit ganzem Herzen dabei. Beide kennen sich schon aus der gemeinsamen Zeit beim Hamburger SV und ich denke, dass da schon etwas entstehen könnte. Man braucht Zeit, Kontinuität und einen konkreten Plan. Genug Potenzial ist doch vorhanden.

Das sagt Slomka über ein mögliches Löwen-Engagement

Wohin, glauben Sie, geht es mit 1860?

Man braucht Ruhe im Verein. Mit einem genauen Plan und dem Vertrauen in die handelnden Personen, ist bei Sechzig immer etwas möglich. Man muss mit einer neuen Euphorie in die neue Saison gehen, dann klappt es vielleicht.

Was wird mit Ihnen? Werder Bremen war interessiert.

Es ist noch nichts entschieden. Zu Bremen gibt es aktuell keinen Kontakt. Es gibt einige Vereine, die eine Option sind. Es muss nicht die Bundesliga sein, auch das Ausland ist sehr spannend. Deutschland ist schön, aber es gibt auch einige andere interessante Ligen. Ich will einfach den nächsten Schritt gehen.

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