Nicht reden – handeln!

Der TSV 1860: Löwen-Kapitän Daniel Bierofka erklärt, wie Trainer Marco Kurz zu retten ist – und die Löwen doch noch auf der Wiesn feiern können.
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„Als Kapitän versuche ich, ein Vorbild zu sein“: Zuletzt ist Daniel Bierofka das gut gelungen.
dpa „Als Kapitän versuche ich, ein Vorbild zu sein“: Zuletzt ist Daniel Bierofka das gut gelungen.

Der TSV 1860: Löwen-Kapitän Daniel Bierofka erklärt, wie Trainer Marco Kurz zu retten ist – und die Löwen doch noch auf der Wiesn feiern können.

AZ: Herr Bierofka, wie fühlt es sich an, als gebürtiger Münchner die Wiesn nicht auskosten zu dürfen? Beim Besuch mit der Mannschaft waren Alkoholverbot und früher Zapfenstreich verordnet.

DANIEL BIEROFKA: Wir sind ja selber schuld. Für uns gibt es sicher bessere Zeitpunkte, auf die Wiesn zu gehen, als nach den Leistungen zuletzt. Aber das waren wir unseren Sponsoren schuldig. Manchmal ist es schon schade, wenn dich deine Freunde von der Wiesn anrufen und einen Tisch reserviert haben – und du ihnen absagen musst. Aber leider haben wir noch nicht die Ergebnisse, um das Oktoberfest richtig auszuleben.

Das lässt sich ja ändern – mit einem Sieg am Freitag beim Aufsteiger FSV Frankfurt.

Ja, das stimmt. Aber jetzt müssen wir uns erst der Situation stellen und in Frankfurt siegen, dann gehen wir eventuell am Samstag alle zusammen wieder hin.

Was ist für Sie typisch Wiesn?

Als Münchner gehört einfach die Lederhose in den Kleiderschrank, schon als Kind hatte ich meine eigene Lederhose. Und die Achterbahn sollte man schon mal gefahren sein. Einen großen Bogen mach’ ich um das Teufelsrad. Als Kind habe ich den Medizinball, der da fliegt, ins Gesicht bekommen. Das vergisst man nie.

Die Löwen-Leistungen erinnern in dieser Saison eher an die Geisterbahn: Platz 15 in der Zweiten Liga, nur ein Sieg aus sechs Spielen.

Natürlich machen wir uns Gedanken, aber wir hatten auch ein schweres Start-Programm: Erst Freiburg, dann Mainz, das sind Mannschaften, die den Aufstieg unter sich ausmachen. Beim 1:1 gegen Ingolstadt war schon ein deutlicher Aufwärtstrend zu sehen. Aber noch stehen wir im Keller.

Dabei gab Sportdirektor Stefan Reuter vor der Saison Platz drei bis acht als Saisonziel aus.

Jetzt vom Aufstieg zu reden, wäre totaler Quatsch. Ich schau jetzt nur noch von Spiel zu Spiel, wir müssen schauen, dass wir bis zur Winterpause viele Punkte sammeln. Ich schaue nicht nach oben, sondern ich sehe: Wir stehen einen Punkt vorm Relegationsplatz. Es ist schlimm genug, wenn man die Tabelle liest.

Als einer der wenigen im Team vermitteln Sie auf dem Platz unbändigen Willen.

Das war bei mir schon immer so, ich bin so erzogen worden. Mein Vater (Willi Bierofka, ehemaliger Löwen-Profi, d. Red.) hat mich schon als Jugendlicher streng rangenommen. Als Kapitän versuche ich, vor allem auch für die jungen Spieler ein Vorbild zu sein. Ich denke, dass man mit Worten nicht so viel erreicht wie mit Taten. Ich habe in Leverkusen Jens Nowotny als Kapitän erlebt, der hat auch nicht so viel geredet, dafür war er auf dem Platz der Chef. Solche Spieler gefallen mir besser als welche, die in der Kabine die Klappe aufreißen – und auf dem Platz kommt nur heiße Luft raus.

Trainer Marco Kurz steht weiter in der Kritik.

Marco Kurz ist der falsche Adressat für die Kritik. Eigentlich müssten wir die Kritik, die er einstecken muss, abbekommen. Der Trainer steht hundertprozentig hinter dem Verein, er lebt den Fußball. Marco hat auch eine tolle Ansprache an die jungen Spieler. Ich wäre glücklich gewesen, hätte ich als junger Spieler so einen Trainer gehabt. Er bringt uns wirklich weiter.

Was sich in der Tabelle allerdings nicht widerspiegelt.

Deswegen habe ich ja schon mal gesagt, wir können nicht immer reden, wir wollen mit dem Trainer zusammenarbeiten, wir müssen auch dafür was tun. Nur wir können Marco helfen – und zwar mit Siegen. Und eines darf man nicht vergessen: Ein Trainer-Wechsel ist keine Garantie für Erfolg. 1860 ist jetzt das fünfte Jahr in der 2. Liga - und was haben die ganzen Trainer-Wechsel gebracht? Nix. In Nürnberg haben sie Trainer Hans Meyer zum Teufel gejagt. Was ist passiert? Mit von Heesen ist der Club abgestiegen.

Interview: Oliver Griss

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