Meisterlöwe Brunnenmeier: Höhepunkt und tiefer Fall

Er war einer der besten Löwen-Stürmer aller Zeiten und ist noch heute bester Bundesliga-Torjäger der Vereinsgeschichte. "Er war damals mit dem Radi der größte Star", sagt Meisterlöwe Rebele über seinen verstorbenen Kollegen Rudi Brunnenmeier. Fredi Heiß bedauert den Absturz eines Mannes, der zwei Gesichter zeigte
| Matthias Eicher
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München - "Rudi Brunnenmeier war einer der besten Stürmer, die es beim TSV 1860 je gab. Er war damals mit dem Radi (Petar Radenkovic, d. Red.) der größte Star. Und hinter Uwe Seeler die Nummer zwei in Deutschland“, sagt Hansi Rebele der AZ über den fünffachen Nationalspieler. Brunnenmeier, in der Spielzeit 1964/65 mit 24 Treffern Torschützenkönig und in der Meistersaison mit 15 Treffern, ist bis heute mit 66 Toren in 109 Spielen der beste Bundesliga-Torschütze der Vereinsgeschichte.

Rebele: Brunnenmeier war alles, nur kein Filigrantechniker

„Wenn ich an Rudi denke, war er in erster Linie ein unwahrscheinlich energievoller und effizienter Angreifer. Er staubte nicht nur ab, sondern haute die Dinger auch aus 16, 20 Metern rein. Nur ein Filigrantechniker war er nicht“, sagt Linksaußen Rebele.

An vorderster Front war es das Sturmduo Brunnenmeier und Timo Konietzka – Neuzugang aus Dortmund und mit 26 Treffern bester Schütze im Meisterjahr –, das die Löwen zur Schale schoss. Konietzka traf zwar öfter, doch die große Identifikationsfigur hieß Brunnenmeier. „Zu meinem zwölften Geburtstag habe ich mein erstes Löwen-Trikot bekommen. Meine Mutter hat hinten den Neuner drauf genäht. Wir liefen früher alle so rum: Alle wollten Brunnenmeier sein“, erzählt Allesfahrer Franz Hell der AZ und erklärt, dass der bullige Stoßstürmer nicht nur wegen seiner Fähigkeiten, sondern auch aus einem anderen Grund zum Idol wurde: Er kam aus München. Privat hatte Brunnenmeier allerdings zwei Gesichter. Das eine „bescheiden und freundlich“, wie Rebele weiß. Gemeinsam verbrachte man dessen ersten Auslands-Urlaub in Cesenatico/Italien. Peter Grosser erinnert sich daran, dass der frühere Kollege „mit seiner Art auch neben dem Platz gut ankam“.

Ein Starstürmer mit zwei Gesichtern

Doch Brunnenmeier konnte anders. In der „Zwicke“, wo die Erfolge gefeiert wurden feierte, ließ er es gerne krachen. Rebele: „Wenn er etwas getrunken hat, dann lernte man leider einen anderen Rudi kennen. Er wurde oft aggressiv.“ Er führt Brunnenmeiers Eskapaden darauf zurück, dass dessen Vater schon starb, als er 18 Jahre alt war, ihm eine Bezugsperson im Leben fehlte. Sportlich hochgefeiert und zum Idol erhoben, verlor er trotz weiterer Stationen als Spieler und Trainer den Halt. „Rudi kam in Kreise, in denen er versumpfte“, so Rebele, er habe seinen Namen als Geschäftsführer des einstigen Nachtlokals Pik Dame hergegeben. „Der ganze Rummel hat ihm sicherlich nicht gut getan.“

Für Fredi Heiß war Brunnenmeier ein trauriges Beispiel eines früher öfter dagewesenen Falles. „Wir waren früher als Profifußballer Versuchskaninchen. Da sind viele auf der Strecke geblieben, leider auch der Rudi.“ Nach sozialem Abstieg, Konflikten mit dem Gesetz und einem Leben in Armut verstarb Brunnenmeier 2003 mit 62. „Wäre schön, wenn er das Jubiläum auch mitbekommen hätte“, sagt Rebele, der die einstige Nummer neun noch heute am Grab besucht.

Teil 1 der Serie: Die Meisterlöwen im Porträt

Teil 2 der Serie: Fredi Heiß im AZ-Interview -

Teil 3 der Serie: Schleifer, Provokateur, Autokrat - Max Merkel im AZ-Porträt

Teil 4 der Serie: Präsident Cassalette im AZ-Interview über Meisterlöwen, Idole und Freunde

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