Fredi Heiß: "Die schönste Zeit meines Lebens"

In der AZ-Serie zum 50. Titeljubiläum spricht Meisterlöwe Heiß über seine Triumphe, wo er kicken lernte – und die wilde Zeit damals.
| Matthias Eicher
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Trug während seiner gesamten Karriere als Fußballer einzig das Trikot des TSV 1860: Fredi Heiß, rechter Außenstürmer der Meistermannschaft 1966.
imago Trug während seiner gesamten Karriere als Fußballer einzig das Trikot des TSV 1860: Fredi Heiß, rechter Außenstürmer der Meistermannschaft 1966.

München - Fredi Heiß. der heute 75-Jährige  gehört zu der legendären Löwen-Mannschaft, die 1966 die Meisterschaft holte. Im AZ-Interview spricht er über die Zeit damals

AZ: Herr Heiß, vor 50 Jahren sind Sie mit dem TSV 1860 Deutscher Meister geworden. Wie denken Sie nach so langer Zeit an den Titel zurück?

FREDI HEISS: Die positiven Dinge bleiben immer mehr im Gedächtnis als die negativen. Daher kann ich sagen: Es waren die schönsten Erlebnisse meines Lebens. Es war ein unbeschreibliches Gefühl: Wir haben ja über viele Jahre zusammen Fußball gespielt. Es war eine riesige Belohnung für mich, dass wir es zusammen geschafft haben.

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Sie selbst sind ja ein Dauerlöwe schlechthin, trugen nie ein anderes Trikot.

Für mich gab es nur Sechzig. Und das, obwohl mein Vater Bayern-Fan war. Mein Onkel hat dort sogar mal in einer Schülermannschaft gespielt. Hört sich blöd an, aber mir hat der Name einfach besser gefallen: die Löwen. Also bin ich als Bub ganz alleine hin und habe mich angemeldet.

Gut für die Sechzger.

Und für mich. Wenn man so will, ist der Stellenwert der Meisterschaft nur noch größer geworden – es hat ja danach keiner mehr geschafft. Es blieb also bei uns. Bei Bayern könnte man die Namen ja gar nicht mehr aufzählen. (lacht)

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Wie haben Sie damals das Fußballspielen gelernt?

In der Nähe meines Elternhauses. Das steht in Schwabing in der Barer Straße 74. Auf der großen Wiese vor der Pinakothek, wo heute die Studenten in der Sonne liegen, haben wir früher gekickt. Oder am Königsplatz. Jeden Tag. Egal, ob es gestürmt oder geschneit hat. Die klassische Straßenfußballer-Schule. Da hab ich fußballspielen gelernt. Kein Trainer der Welt konnte etwa Stan Libuda seine unnachahmlichen Haken beibringen. Entweder man hat es oder eben nicht. Ich hatte alle Grundtugenden, innerhalb von vier Wochen habe ich es in die erste von 18 Schülermannschaften geschafft. Wenn die anderen ins Ungerer Bad fuhren, bin ich mit dem Radl dreimal die Woche an die Grünwalder gefahren.

Sie können auf eine lange Karriere zurückblicken: Bis 1970 trugen Sie das 1860-Trikot. Was waren Ihre ganz persönlichen Höhepunkte?

Das waren schon die bekannten Triumphe: 1964 der Pokalsieg, ‘65 das Europapokal-Finale der Pokalsieger und die Meisterschaft ‘66. Für mich aber ganz entscheidend für unseren Erfolg: Wir hatten einen guten Schwung talentierter Münchner Spieler. Rudi Steiner, Manni Wagner, Hansi Reich, Hansi Rebele und später auch Rudi Brunnenmeier – wir haben alle den Sprung geschafft, waren ein verschworener Haufen. Die Neuzugänge wie der Radi (Petar Radenkovic, d. Red.), mussten sich einfügen. Und das machte er auch, obwohl er unser größter Star war. Wir können jetzt auf eine immerwährende Freundschaft und Kameradschaft zurückblicken. Die wird bis an unser Lebensende bestehen.

Die Kameradschaft, von der sie sprechen, wurde auch nach den Spielen gerne ausgelebt.

Freunde von Traurigkeit waren wir wahrlich nicht. Da ging öfter die Post ab, wenn wir gewonnen haben, und das haben wir oft. In der Zwickmühle, Ecke Theresienstraße/Barerstraße, haben wir uns immer getroffen, auch die einschlägigen Nachtlokale wie das Moulin Rouge besucht. Mit Kollegen wie Brunnenmeier und Bernd Patzke habe ich schon mal über die Stränge geschlagen, Wanni Wagner, Rudi Zeiser oder Rudi Steiner waren seltener furt. Wenn es ums Spiel ging und um den Erfolg, war jeder topfit. Aber ganz brav war ich nicht. In der „Zwicke“ habe ich meine Frau zum ersten Mal geküsst.

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Im Alter von 22 Jahren haben Sie geheiratet.

Ich kannte meine Frau erst zwei Jahre, wir sind 1963 in die Bundesliga aufgestiegen und hatten nur 14 Tage frei. Die Hochzeitsreise nach Cattolica haben wir vorgezogen und zu Saisonbeginn in der Ludwigskirche geheiratet – das ist unsere Familienkirche, dort hat schon mein Großvater geheiratet, meine Enkelin wurde dort getauft. Das war ein schönes Fest, die Schülermannschaft ist in Löwen-Dressen Spalier gestanden. Aber damals war ich mehr mit Trainer Max Merkel zusammen als mit ihr. (lacht)

Was hätten Sie damals noch gerne miterlebt?

Die Weltmeisterschaft 1966. Ich war ja vorher Nationalspieler, hatte aber Riesenärger mit Merkel. Es gab ja diese Aussage, dass wir nicht wegen, sondern trotz Merkel Meister wurden. Das hat er mir unterstellt und mich im vorletzten Spiel gegen Dortmund (2:0, r. Red.) draußen gelassen. Dann habe ich mir in einem Trainingsspiel, das ich sonst womöglich gar nicht gemacht hätte, einen Muskelbündelriss zugezogen. Damit hatte sich die WM erledigt.


Morgen lesen Sie: Der Meistertrainer Max Merkel

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