"In der KGaA steckt fast alles": Ist das die Alternative zur Insolvenz des TSV 1860 München?
Ob sich die Gesellschafter der Giesinger der Tatsache bewusst sind, wie sehr die treuen Fans der Löwen um die (sportliche) Existenz bangen? Selbst ein Herzinfarkt hat Allesfahrer Franz Hell nicht kleingekriegt, doch die Löwen, schimpft der 72-Jährige, "die schütten mir das Kraut aus!"
Hell in der AZ: "Ich mache mir größte Sorgen um Sechzig"
"Ich mache mir größte Sorgen um Sechzig", sagt Hell der AZ über den Machtkampf des TSV 1860, der einer weiß-blauen Zerreißprobe gleicht: Darlehenskündigung durch Investor Hasan Ismaik, Kooperationsvertrags-Kündigung durch die Vereinsbosse, Lizenzentzug – Hell fürchtet, dass die jüngste Eskalation die Blauen nicht nur spaltet, sondern endgültig sprengt.
"Jetzt streiten die Gesellschafter wie zwei sture Hunde, blockieren sich gegenseitig und es steht zu befürchten, dass dieser vermeintliche Masterplan der e. V.-Seite mit der Insolvenz wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt", sagt Hell frustriert, teilt aber gleichermaßen in beide Richtungen aus: "Aber auch die Ismaik-Seite muss erkennen, dass es jetzt nicht mehr um einzelne Interessen geht, sondern um die Existenz der Löwen – und eine Trennung inzwischen das Beste für Sechzig wäre, weil nach dieser Eskalation an eine künftige Zusammenarbeit nicht mehr zu denken ist."

Wie geht es mit dem TSV 1860 weiter?
Genau das ist die Kernfrage, die nach AZ-Informationen in den nächsten Tagen schnellstmöglich geklärt werden muss: Wie soll es weitergehen? Die AZ zeigt drei mögliche Szenarien:
Szenario 1 - Neustart des Muttervereins mit einer neuen Spielbetriebsgesellschaft: "Freiheit für Sechzig", wie der sehnsüchtige Ausruf der Fankurve lautet, keine Fremdbestimmung durch einen Investor.
Eine Insolvenz steht im Raum, es steht aber auch etwas anderes im Raum.
Mang: "Eine Insolvenz steht im Raum"
Dieses Szenario wäre eine Art Wunschvorstellung vieler Hardliner und Investorengegner. Es setzt allerdings die Insolvenz der KGaA voraus. "Eine Insolvenz steht im Raum, es steht aber auch etwas anderes im Raum", sagte Präsident Gernot Mang bei einem Fanklubbesuch im Bayerischen Wald, wie die "PN" berichtet. Dass der e. V. einen ausgeklügelten Masterplan verfolge, sei dagegen "Schwachsinn".
Martin Gräfer, Vorstandsmitglied des ausgestiegenen, aber wieder einstiegswilligen Hauptsponsors "die Bayerische", bringt in einem Beitrag bei Facebook auf den Punkt, wie kompliziert ein Neustart wäre: "In der KGaA steckt fast alles, was heute den Fußballbetrieb ausmacht: Spielerverträge, Mitarbeiterverträge, Ticketing, IT, Sponsorenverträge, Vermarktung, Markenrechte. Nichts davon geht automatisch auf den e. V. über." Auch nicht der Mietvertrag des Grünwalder Stadions oder die Nutzung des Trainingsgeländes.
Fortbestehen der KGaA mit alten und neuen Geldgebern
Die Komplexität dieses äußerst zeitkritischen Szenarios ist keinesfalls zu unterschätzen. Fazit: Je länger sich die Hängepartie zieht, desto schwieriger wird der e. V.-Neustart.
Szenario 2 - Fortbestehen der KGaA mit alten oder neuen Geldgebern: Folglich zeichnet sich dieser Weg immer stärker ab, wie etwa die kürzlich erfolgte, einstimmige Vertragsverlängerung von Geschäftsführer Manfred Paula zeigt. Auf AZ-Nachfrage, was Mang mit seiner Aussage einer Alternative zur Insolvenz konkret meinte, erklärte der 57-Jährige: "Es könnte natürlich auch frisches Geld in die KGaA kommen."

Star-Anwalt Gauweiler wirkt für Teile des e. V. abschreckend
Man fragt sich nur, wie sich die Beteiligten nach der Eskalation zusammenraufen wollen. Allein die Tatsache, dass Ismaik auf Star-Anwalt Peter Gauweiler setzt, wirkt auf Teile des e. V. abschreckend und dürfte auch die Überzeugung auf Vereinsseiten widerlegen, wonach Ismaik kein Geld mehr habe. Auch die kürzliche Umbesetzung seitens des Muttervereins im Aufsichtsrat, in dem Nicolai Walch künftig Thomas Probst ersetzt, hat einen Hintergrund: Ex-Verwaltungsrat Walch bringt als Rechtsanwalt juristische Kompetenzen ein, die angesichts des drohenden Rechtsstreits notwendig sind.
Mit Probst geht ein M&A-Fachmann, der einen Anteilsverkauf begleiten sollte, doch der ist nach AZ-Infos in den Hintergrund gerückt. Ob man den Einstieg eines dritten Geldgebers und einen Ismaik-Ausstieg auf Raten hinkriegt? Es dürfte an gesichtswahrenden Lösungen gefeilt werden.

Sportlicher Schaden wäre bei Totalabsturz immens
Szenario 3 - Totalabsturz bis in die Kreisliga: Diese Variante fürchtet Hell. Scheitert sowohl der Neustart des e. V. auf der größeren Bühne an Ismaiks Anwälten oder am Zeithorizont und gelingt auch keine viertklassige Weiter-So-Fortfühung der KGaA, bliebe noch eine dritte Möglichkeit, um das juristische Risiko zu minimieren: Das Startrecht der Dritten Mannschaft zu nutzen – in der Kreisliga. Die "ältesten" e. V.-Talente, die dafür infrage kommen, wären aus der U17.
Der sportliche wie wirtschaftliche Schaden wäre immens, die Stadionfrage auch in den Niederungen ebenso ungeklärt wie weitere von Gräfer aufgeführte Punkte. Für den Bayerischen Fußballverband (BFV) und die Dorfvereine wären Sechzigs Auswärts-„Invasionen“ kaum darstellbar. Also, Löwen, nicht nur Hell zuliebe: Wie wär’s mit Lösungen – wie auch immer!?



