Interview

Ex-Löwe Rieder im AZ-Interview: "Die drei Punkte können wir ihnen nicht überlassen"

Der Lautern-Profi Tim Rieder spricht vor dem Duell mit seinem Ex-Klub im AZ-Interview über die schwierige Saison des FCK, Rückkehrgedanken, Aufstiegschancen - und warum man im Fußball nichts bereuen sollte.
| Matthias Eicher
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Tim Rieder spielt aktuell beim 1. FC Kaiserslautern
Tim Rieder spielt aktuell beim 1. FC Kaiserslautern © imago images/Eibner

München - Tim Rieder (27) ist Ex-Löwe  und kämpft gerade mit dem 1. FC Kaiserslautern um den Klassenverbleib in Liga drei.

AZ: Guten Tag, Herr Rieder, schön, dass wir Sie erreichen. Am Dienstag sind Sie in München und treten mit den Roten Teufeln gegen den TSV 1860 an (19 Uhr, d. Red). Sicher ein ganz besonders Gefühl für einen Ex-Löwen.
TIM RIEDER: Servus! Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen! Ich war vergangene Woche sogar in München und habe zwei schöne freie Tage dort verbracht. Im Laufe der Saison war ich ja schon öfter da, wir haben schon gegen Haching und Türkgücü gespielt. Vor allem gegen Türkgücü war da ein Bauchkribbeln und ein komisches Gefühl, weil ich im Grünwalder in die Gästekabine musste.

Vor der Saison galt der FCK als Aufstiegsfavorit. Jetzt kämpfen Sie um den Klassenerhalt, die Löwen können es dagegen in die Zweite Liga schaffen.
Das hätte vor der Saison auf beiden Seiten wohl keiner gedacht. Aktuell sind beide Mannschaften sehr formstark. Von daher wird es ein spannendes Duell. Bei aller Liebe zu Sechzig, aber die drei Punkte können wir ihnen nicht überlassen. Ich wünsche ihnen den maximalen Erfolg und würden ihnen den Aufstieg gönnen, keine Frage. Aber ich stehe bei Lautern unter Vertrag und wir brauchen die Punkte da unten dringend - da wird nix hergeschenkt.

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Bei den Löwen waren Sie einer der Garanten für eine starke Rückrunde. Wie haben Sie Ihr bisheriges Wirken bei den Pfälzern erlebt?
Am Anfang bist du mit einer hohen Erwartung hergekommen, das muss man schon sagen. Leider lief es in eine andere Richtung. Der Betzenberg ragt hier über der ganzen Stadt auf, die für den Fußball lebt. Ich wohne direkt am Stadion mit Blick auf den Betze. Es ist nicht nur eine Floskel, dass er gefürchtet ist und brennt - obwohl ich es leider nur in zwei Spielen vor ein paar tausend Fans erleben durfte. Wie in Giesing gibt es viele kleine Lokale drumherum. Nach den Derby-Siegen gegen Mannheim oder Saarbrücken hast du gespürt, welche Wucht dahinter steckt. Ich selbst habe sofort gespielt, konnte schnell eine Rolle in der Mannschaft einnehmen. Wenn der Trainer nicht zufrieden wäre, würde ich wahrscheinlich auf der Bank sitzen. Aber leider haben wir es als Team nicht geschafft, konstant gute Leistungen zu bringen.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Hätten Sie gewusst, wie sich die Lage bei beiden Klubs entwickelt, wären Sie bei Sechzig geblieben?
Darüber sollte ich besser nicht nachdenken. (lacht) Es war ja nicht so, dass ich damals vertragslos war. Der FC Augsburg war ja auch im Spiel, von daher hat sich das eben so entwickelt. Bei 1860 wusste man nicht, wie es weitergeht, dann habe ich den Schritt gewagt, nach Lautern zu gehen. Man darf im Fußball auch nichts bereuen.

Immer noch in Kontakt: Rieder mit Sascha Mölders (l.).
Immer noch in Kontakt: Rieder mit Sascha Mölders (l.). © sampics/AK

Das klingt aber nicht, als hätten Sie mit Sechzig schon abgeschlossen. Können Sie uns verraten, was an den Gerüchten im vergangenen Winter über Ihre mögliche Rückkehr an die Isar dran war?
Jeder weiß, dass ich mich bei den Löwen und in meiner Heimat sehr wohlgefühlt habe. Ich habe noch Kontakt zu Vino, Semi oder Erde (Wein, Belkahia und Erdmann, d. Red.), dem Sascha Mölders habe ich zum Geburtstag und dem ein oder anderen schönen Tor gratuliert - wobei man da in der letzten Zeit nicht mehr fertig wird. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich könnte mir das nicht vorstellen, irgendwann wieder für Sechzig aufzulaufen. Aber jetzt ist absolut nicht der Zeitpunkt, um sich darüber Gedanken zu machen.

Eine Sache würde uns dabei noch interessieren: Gilt Ihr Vertrag beim FCK auch für die Regionalliga?
Nein.

Lassen Sie uns über die Serien beider Klubs sprechen: Was macht Lautern aktuell so stark, dass Sie in den letzten sechs Spielen zwölf Punkte holen konnten?
Ich denke, wir sind gerade in einem richtigen Flow. Fast jeder in der Liga hat uns schon abgeschrieben. Was haben die Leute drauf gehauen: Mario Basler hat seinen Senf dazu gegeben, und wie sie sonst noch alle heißen. Es hat viel gescheppert, es war brutal viel Druck auf dem Kessel. Wir waren schon sieben Punkte unter dem Strich. Aber wir sind noch da und werden sicher nicht aufgeben. Jetzt spüren wir wieder Selbstvertrauen und wissen: Wir können jeden Rückschlag wegstecken.

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Sechzig ist sogar schon seit acht Partien unbesiegt. Glauben Sie, Ihre Ex-Kollegen packen den Aufstieg?
Bei den Löwen ist es ähnlich: Sie waren schon weg im Aufstiegskampf und haben sich zurückgemeldet. Im Sommer haben sie es geschafft, fast den kompletten Kern zusammenzuhalten, dazu ein paar starke Neuzugänge geholt. Sascha ragt nochmal heraus und führt die Truppe an. Meines Erachtens haben sie seit Saisonbeginn bis jetzt mit am konstantesten gespielt. Dresden, Ingolstadt und Rostock hatten alle schwache Phasen. Bei 1860 hast du das Gefühl: Die brechen nicht mehr ein. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie es schaffen - am besten ohne einen Sieg gegen uns.

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