Ex-Löwe Oliver Kreuzer lästert über Löwen-Inverstor: "Leider Gottes hat 1860 Ismaik immer noch an der Backe" - KSC-Sportdirektor im AZ-Interview

Der ehemalige Löwen-Sportdirektor Oliver Kreuzer trifft mit Karlsruhe auf seinen Ex-Klub. Hier spricht er über sein Aus bei 1860 München und Hasan Ismaik.
| Interview: Matthias Eicher
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Vergeblich: Peter Cassalette (li.) hatte auf einen Schulterschluss mit Löwen-Investor Hasan Ismaik hingearbeitet.
sampics/Augenklick Vergeblich: Peter Cassalette (li.) hatte auf einen Schulterschluss mit Löwen-Investor Hasan Ismaik hingearbeitet.

Der ehemalige Löwen-Sportdirektor Oliver Kreuzer trifft mit Karlsruhe auf seinen Ex-Klub. Hier spricht er über sein Aus bei 1860 München und Hasan Ismaik.

Der heute 53-Jährige spielte für den KSC, den FC Bayern und Basel. Anschließend arbeitete er als Sportdirektor, unter anderem beim TSV 1860 und seit Ende 2016 wieder beim KSC.

AZ: Herr Kreuzer, am Sonntag kommt es für Sie zu einem Wiedersehen: Der TSV 1860 kommt in den Wildpark.
OLIVER KREUZER: Ich freue mich drauf, obwohl es nicht mehr viele alte Bekannte gibt: Sascha Mölders habe ich vor drei Jahren geholt, Nico Karger habe ich einen Profivertrag gegeben. Das sind zwei gute Jungs, die ich auch gerne beim KSC in der Mannschaft hätte und mit meiner Zeit bei den Löwen verbinde. Und natürlich den Biero (Daniel Bierofka, d. Red.), mit dem wir damals den Klassenerhalt gefeiert haben. Eine schöne Zeit.
Anfangs auch eine erfolgreiche.
Als ich gekommen bin, war 1860 Letzter. Ich habe ganz gute Wintertransfers getätigt, denke ich – und am Ende die Liga gehalten. Trotz meiner Vergangenheit bei Bayern habe ich mich im Umfeld der Löwen ganz gut zurechtgefunden und sehr wohlgefühlt.

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Umso überraschender kam Ihre Demission im Sommer 2016.
Für mich auch, das können Sie mir glauben. Aus heiterem Himmel hieß es: Du musst gehen. Das war sehr enttäuschend. Aber die Zeit heilt die Wunden und ich blicke immer noch gerne auf mein Wirken dort zurück.
Warum mussten Sie wirklich gehen? Der Verein schwieg und im Umfeld hieß es, Sie hätten kein Konzept für die ambitionierten Aufstiegspläne von Investor Hasan Ismaik gehabt.
Da wurde viel Zeug erzählt über meine Person. Mir ist klar, dass die Entscheidung damals aus Abu Dhabi kam. In der Geschäftsstelle haben wir alle gut zusammengearbeitet. Es wäre schön gewesen, nach dem Nichtabstieg etwas aufzubauen – leider Gottes konnten wir das nicht und man sieht ja, wo die Löwen jetzt stehen.

Kreuzer: Leider hat 1860 Ismaik immer noch an der Backe

Vergeblich: Peter Cassalette (li.) hatte auf einen Schulterschluss mit Löwen-Investor Hasan Ismaik hingearbeitet.
Vergeblich: Peter Cassalette (li.) hatte auf einen Schulterschluss mit Löwen-Investor Hasan Ismaik hingearbeitet. © sampics/Augenklick

Sie hatten ein freundschaftliches Verhältnis zu Präsident Peter Cassalette. Ein umso schmerzlicherer Abschied?
Ich bin mit Peter damals mal nach Mallorca in den Urlaub geflogen, habe auch privat mit ihm über 1860 diskutiert. Ich weiß, dass es nicht seine Entscheidung war. Aber ich hätte mir mehr Rückgrat von ihm und seinen Mitstreitern gewünscht. Wenn sie nicht gewollt hätten, dass ich gehe, hätten sie sagen müssen: Hasan, stop! Das machen wir nicht mit. Das haben sie nicht getan. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, werden wir aber sicher mal wieder ein Bier trinken.
Das aktuelle Präsidium um Robert Reisinger verfolgt eine Politik ohne Darlehen von Ismaik.
Diesen Weg kann man, soweit ich es als Außenstehender beurteilen kann, nur unterstützen. Darlehen um Darlehen, alle verknüpft mit Forderungen: Das bringt doch nichts. Du musst dich loslösen aus dieser Abhängigkeit. Leider Gottes hat 1860 Ismaik immer noch an der Backe. Sechzig ist so ein großer Verein mit einer so großen Strahlkraft – und das in einer Metropole wie München. Da müsste man eine andere Lösung finden. Ich hatte öfter das Gefühl, als würden sich manche Leute gerne bei 1860 engagieren, haben es aber wegen der schlechten Außendarstellung und der Abhängigkeit nicht getan. Für mich wäre es ein erster Schritt, sich irgendwie von Ismaik loszulösen.

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Die Kehrseite der Medaille: Hochverschuldete Sechzger erwarten für das laufende Geschäftsjahr ein Millionen-Minus – und in der Stadionfrage können die Löwen nur davon träumen, was beim KSC mit dem Neubau Realität wird.
Da sind wir sicher einen Schritt voraus. Der alte Wildpark war nicht mehr zeitgemäß. Wir sind sehr froh, dass wir nach jahrelangem Hin und Her mit der Stadt eine Lösung gefunden haben. Ich weiß auch nicht, was wäre, wenn 1860 aufsteigen würde. Sie müssen auf eine Ausnahmegenehmigung hoffen und sehen, was im Grünwalder Stadion machbar ist. Der KSC ist zum Glück um einiges besser aufgestellt.
Sprechen wir über den Sport: Welche Mannschaft ist auf dem Rasen besser aufgestellt?
Wenn die Spiele nur 75 oder 80 Minuten dauern würden, wäre Sechzig ganz oben dabei. Sie haben definitiv das Zeug, um den Aufstieg mitzuspielen. Wir stehen als Dritter gut da, obwohl wir mit ein bisschen mehr Fortune Tabellenführer sein könnten. Wenn wir in die Zweite Liga wollen, werden wir einen langen Atem brauchen.
Und am Sonntag?
Das wird auch schwer, keine Frage. Es gilt ja schon für den Tabellenletzten: Wenn du denkst, das wird ein Spaziergang, hast du schon verloren. Gegen eine so gefährliche Mannschaft wie Sechzig gilt das umso mehr. Wir brauchen einen guten Tag, um Biero und seine Jungs zu schlagen.

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