Christian Ude: "Es hat sich Melancholie breit gemacht"

Exklusiv in der AZ: Christian Ude kritisiert das "Streithammel-Image" des TSV 1860. Er fordert Respekt und ein Ende der Besserwisserei.
| Das Interview führte Marc Merten
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Der 67-jährige SPD-Politiker war von 1993 bis 2014 Münchens Oberbürgermeister. Der Löwen-Fan saß bis zum Jahr 2009 13 Jahre lange im Aufsichtsrat des TSV 1860.
AZ-Montage | dpa Der 67-jährige SPD-Politiker war von 1993 bis 2014 Münchens Oberbürgermeister. Der Löwen-Fan saß bis zum Jahr 2009 13 Jahre lange im Aufsichtsrat des TSV 1860.

München - Ja, es ist nicht leicht dieser Tage sich eine positive Zukunft Sechzigs vorzustellen. Der ehemalige Aufsichtsrat der Löwen glaubt aber, dass der Klub aus der Negativspirale herauskommen kann. Dafür bedürfe es aber eines Sinneswandels.

AZ: Herr Ude, Sie saßen 13 Jahre lang im Aufsichtsrat des TSV 1860, sind aber seit 2009 nicht mehr mit dabei. Wie eng ist Ihr Verhältnis noch zu Sechzig?
CHRISTIAN UDE: Mit den aktuellen Führungspersonen habe ich leider keinen Kontakt, aber noch mit Ehemaligen wie Franz Maget und Hep Monatzeder. Auch mit einigen Leuten aus dem Aufsichtsrat treffe ich mich noch regelmäßig.

Und wie ist die Stimmung, wenn Sie mit den Herren über Sechzig sprechen?
Es hat sich eine gewisse Melancholie breit gemacht. Von Aufbruchsstimmung ist leider nicht wirklich etwas zu spüren. Das liegt aber auch daran, dass jeder weiß, dass ein Aufbruch erst dann möglich ist, wenn dem Verein keine Stöcke mehr zwischen die Beine geworfen werden.

Sie sprechen die schwierigen letzten Monate des Klubs an. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Der Verein fällt von einem Problem ins nächste. Das hat schon fast Tradition. Es müssen endlich einmal alle Differenzen beiseite gelegt werden, damit wir dieses Streithammel-Image loswerden. Politische Konflikte und sportliche Misserfolge sind ähnlich. Sie führen beide zu Rechtfertigungszwang. Und der führt zu Reibungsverlusten, die das Ansehen und die Strahlkraft des Klubs schaden. Das ist eine Negativspirale.

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Wie kann der Klub da rauskommen? Es gibt auch Leute, die diese Probleme nutzen, um weiter Stimmung zu machen.
Im Nachhinein Politik zu machen, wenn man selbst einmal im Amt war, aber nicht das erreicht hat, was man sich vorgestellt hat, gehört sich nicht. Hinterher als Besserwisser aufzutreten, kann jeder. Stattdessen sollte man den Menschen Respekt zollen, die ihre Zeit und Liebe in den Verein stecken.

Das heißt, Sie vertrauen den handelnden Personen und glauben an eine Trendwende?
Genauso, wie es Negativspiralen geben kann, kann es positive Spiralen geben. Und darauf hoffe ich. Man kann ja zum Beispiel auch nicht sagen, dass die sportliche Lage aussichtslos sei. Ich war zwar leider über zwei Jahre nicht mehr im Stadion, weil ich an den Wochenenden sehr häufig unterwegs bin. Aber ich schaue regelmäßig Spiele im Fernsehen. Und einzelne Spiele haben in mir schon die Hoffnung ausgelöst, dass es bald mal wieder bergauf gehen könnte.

Aber eben nur einzelne.
Ja, das stimmt. Deswegen sollte man die erste Liga vielleicht nicht aus den Augen verlieren, aber erst einmal nicht als Ziel ausgeben. Das führt nur zu noch mehr Frustration.

Das klingt, als erinnerten Sie sich an Ihre eigene Zeit als leidgeprüfter Löwen-Fan.
Ich habe als Schüler die Meisterschaft erlebt und dann 1994 den Aufstieg in die Bundesliga. Das waren die zwei großen Glücksmomente für mich als Sechzig-Fan. Aber leider sind Durststrecken der eigentlich typische Weg des Löwen. Den Löwen-Fans hängt eine Leidensfähigkeit an, die bewundernswert ist. Wir lassen uns nicht entmutigen und laufen dem Erfolg nicht hinterher.

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Ist Ihre Familie eigentlich auch Weiß-Blau oder eher Rot?
Meine Enkel sind überwiegend Löwen-Fans. Die älteren waren zwar mal Bayern-Fans, aber wir haben sie konvertiert. (lacht)

Wie das?
Der Grund war Benny Lauth. Erst haben sie seine Frisur toll gefunden, dann haben sie Löwen-Trikots von Benny Lauth bekommen. Damit war die Sache klar. Und mit denen werde ich sicher bald mal wieder ins Stadion gehen.

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