Interview

Kickboxerin Marie Lang: "Corona bestimmt nicht, wann ich aufhöre"

Kickbox-Queen Marie Lang hat zwei Infektionen mit Corona überstanden, nun verteidigt sie ihre WM-Titel. In der AZ spricht sie über das nahende Karriereende, den Hass im Internet - und eigenwillige Anfragen.
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"Ich bin eigentlich eher schüchtern, bin nicht die, die dauernd im Mittelpunkt stehen muss - und will", sagt Münchens Kickbox-Queen Marie Lang, die auch immer wieder als Model arbeitet.
"Ich bin eigentlich eher schüchtern, bin nicht die, die dauernd im Mittelpunkt stehen muss - und will", sagt Münchens Kickbox-Queen Marie Lang, die auch immer wieder als Model arbeitet. © Michael Wilfling/ho

München - Die Münchner Kickbox-Queen verteidigt am heutigen Samstag ihre WM-Titel gegen die Erfurterin Michaela Michl (wird kostenpflichtig auf YouTube live übertragen und am Sonntag ab 22 Uhr auf Sport1 ausgestrahlt).

Marie Lang fühlt sich nach zweifacher Corona-Infektion topfit

AZ: Frau Lang, sind Sie jetzt Miss 80-Prozent oder hat sich Ihr Lungenvolumen nach Ihren beiden Corona-Infektionen wieder verbessert, sodass Sie Ihre Titelverteidigung gegen Michaela Michl mit voller Kraft antreten können?
MARIE LANG: Ich fühle mich topfit, hatte eine tolle Vorbereitung. Ich war nicht einmal erkältet, nicht einmal verletzt, hat tolle Sparrings, das kommt selten vor, dass ich das sagen kann. In der gesamten Zeit wurde ich von einem Lungenfachmann begleitet, der mich überwacht hat. Kommende Woche werden noch mal ausgiebige Tests vorgenommen, aber gefühlt würde ich sagen: Ich bin wieder die Alte.

Beim Alter drängt sich gleich eine Frage auf - wie lange wollen Sie sich noch im Ring Füße und Fäuste um die Ohren fliegen lassen? Sie sind jetzt immerhin 34 Jahre alt.
Das werde ich zuletzt häufiger gefragt, man will mir wohl durch die Blume sagen, dass man mich nicht mehr sehen kann (lacht). Aber Spaß beiseite, es ist klar, dass ich das hier nicht mehr ewig mache. Ich werde sicher noch dieses Jahr aktiv sein, danach schaue ich weiter. Aber das mache ich jedes Jahr.

Die Kickbox-Queen bei der Arbeit: Marie Lang (rechts) gegen Athina Evmorfiadi.
Die Kickbox-Queen bei der Arbeit: Marie Lang (rechts) gegen Athina Evmorfiadi. © Rauchensteiner/Augenklick

"Das Virus wird nicht bestimmen, wann und wie ich meine Karriere beende!"

Nach der Einschränkung Ihres Lungenvolumens aufgrund der Infektionen haben Sie an ein Karriereende gedacht.
Das stimmt. Aber dann kam die Kämpferin in mir durch. Das Virus wird nicht bestimmen, wann und wie ich meine Karriere beende! Ganz sicher nicht! Ich will auf jeden Fall wieder vor Zuschauern fighten, ich will einen echten Abschiedskampf. Ich bestimme, wann es das war. Nicht Corona!

Und dann? Haben Sie schon echte Pläne?
Ich beschäftige mich schon länger damit. Das muss man auch, sonst fällt man danach in ein Loch. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ich in den Bereich Medien, etwa Fernsehen gehe, moderiere. Das würde mir gefallen. Aber die Grundsatzentscheidung ist natürlich, will man sich danach weiter in der Öffentlichkeit bewegen oder danach ins Privatleben zurückziehen, einfach Marie Lang sein.

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Kickbox-Queen Lang versteht den Hass im Internet nicht

Und?
Viele, die mich nicht so gut kennen, können es kaum glauben, aber ich bin eigentlich eher schüchtern, bin nicht die, die dauernd im Mittelpunkt stehen muss - und will. Wie gesagt, es ist noch keine Entscheidung gefallen. Es bringt ja keineswegs nur Vorteile, in der Öffentlichkeit zu stehen. Man wird angefeindet, das muss man auch erstmal alles verkraften und wegstecken.

Treffen Sie Kommentare etwa in den Sozialen Medien immer noch?
Man bekommt schon ein dickeres Fell, aber es gibt immer wieder Momente, wo man halt den inneren Schutzschirm nicht hochgezogen hat. Und wenn unter einem Foto 100 gute Kommentare stehen und ein fieser, dann erinnert man sich leider oft vor allem an den einen und nicht die vielen anderen. Ich verstehe diesen Hass einfach nicht, der im Internet teilweise herrscht. Die Leute sagen immer, das ist die Redefreiheit und sie lassen sich nicht einschränken. Aber Redefreiheit hat eben auch Grenzen. Wenn etwa der Tatbestand der Beleidigung erfüllt ist, dann gilt das eben auch im Internet, das ist kein rechtsfreier Raum. Ich habe im realen Leben auch noch nie erlebt, dass einer in der Fußgänger zu jemand anders hingeht und sagt: "Bist du fett." Oder "Bist du hässlich, du siehst scheiße aus." Oder "warum posierst du so freizügig, hast du das nötig?"

Lang bekommt online Anfragen nach getragenen Schuhen

Es gibt Überlegungen, Regeln für das Internet einzuführen, sodass die Personen leichter verfolgbar wären.
Ich fände das gut. Jeder soll seine Meinung haben, aber er soll auch dazu stehen und nicht in der Anonymität des Internets andere mobben oder beleidigen.

Haben Sie eigentlich auch Probleme mit Stalkern?
Nicht im größeren Rahmen, also, sie stehen nicht bei mir daheim vor der Tür, aber man erlebt schon so manches, wenn man ein bisschen in der Öffentlichkeit steht.

Etwa?
Ich bekomme immer wieder Anfragen, ob ich meine getragenen Schuhe oder Kleider verkaufen würde. Diese Leute sind aber dabei immer sehr nett und höflich, anders als die Hater im Internet. Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden, aber ich lehne all diese Fragen grundsätzlich ab.

Anfragen vom Playboy: Lang will nichts bereuen

Wie sieht es mit den Anfragen vom Playboy aus? Bisher haben Sie die auch immer abgelehnt.
Die haben schon länger nicht mehr angefragt, ich bin ihnen jetzt wohl zu alt (lacht). Ich habe ja nie gesagt, dass ich es nicht machen würde, aber es muss halt alles passen. Denn man muss sich halt auch sehr bewusst sein, dass die Fotos, die man heutzutage macht, auf ewig bleiben. Im Internet kann man die nicht löschen, was gemacht ist, bleibt bestehen, das war früher anders. Wenn das Heft nicht mehr aktuell war, war es halt auch wieder fast vergessen. Man muss sich also sehr genau überlegen, ob man will, dass irgendwann die Kinder, die Enkel diese Bilder dann auch noch immer im Internet finden könnten. Ich lehne es nicht kategorisch ab, ich finde die Bilder, die der Playboy macht, ästhetisch, aber es ist auch nichts, was ich mein Leben lang bereuen werden, wenn ich es nicht mache.

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