Interview

Bob Hanning: "Ich lasse nicht einen negativen Gedanken zu"

Für die deutschen Handballer stehen in Berlin die Qualifikationsspiele für die Olympischen Spiele an. In der AZ sagt Vizepräsident Bob Hanning über die große Aufgabe: "Ich bin entspannt".
| Thomas Becker
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Die große WM-Enttäuschung: Deutschlands Handballer belegen nur den schwachen zwölften Rang.
Die große WM-Enttäuschung: Deutschlands Handballer belegen nur den schwachen zwölften Rang. © Sascha Klahn/dpa

Der 53-jährige Bob Hanning, seit 2013 Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, hört im November beim DHB auf.

AZ: Herr Hanning, am Wochenende entscheidet sich in Berlin die nähere Zukunft des deutschen Handballs: Von Freitag bis Sonntag stehen die drei Qualifikationsspiele für Olympia an. Die Gegner heißen Schweden, Slowenien und Algerien. Nur zwei Teams dürfen nach Tokio. Wie gut schlafen Sie vor diesem Alles-oder-Nichts-Turnier?
BOB HANNING: Ich schlafe wie immer sehr gut und bin trotz der Bedeutung dieser drei Spiele entspannt.

Bob Hanning ist seit 2013 iVizepräsident des Deutschen Handballbundes.
Bob Hanning ist seit 2013 iVizepräsident des Deutschen Handballbundes. © Sascha Klahn/dpa

Die Handballer können mit dem Druck umgehen

Schon 2013 hatten Sie als Ziel Gold bei den Spielen in Tokio ausgerufen. Druck kann beflügeln - er kann auch hemmen. Mit Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek, Fabian Wiede und Finn Lemke kehren Spieler zurück, die im Handball alles erlebt haben. Ist das der Grund für Ihre Zuversicht? Das maue Abschneiden bei der jüngsten WM kann es ja nicht sein.
Es ist in der Tat so, dass alle genannten Spieler diese Drucksituationen seit vielen Jahren aus der Champions League kennen und das eher als etwas Positives empfinden. Bundestrainer Alfred Gislason wird das sicher eher als positiven Reiz sehen denn als unüberwindbare Hürde. Das sind ja Leistungssportler. Dafür haben die, die da auf der Platte stehen, auch im Verein schon zu viel gewonnen, und als Mannschaft haben wir ja auch schon was gewonnen, so ist es ja nicht. Von daher glaube ich, dass wir damit gut umgehen können.

Gesamte Konzentration auf Schweden gerichtet

Am Freitag geht es gegen Vize-Weltmeister Schweden, Samstag dann gegen die schwer auszurechnenden Slowenen und Sonntag noch Algerien - noch so eine Wundertüte.
Die gesamte Konzentration liegt erst mal auf der Partie gegen Schweden. Die Trainer beschäftigen sich natürlich auch mit den beiden anderen Gegnern, aber für die Mannschaft zählt jetzt nur ein Gegner, und das ist Schweden. Man kann sich nicht auf drei Spiele gleichzeitig vorbereiten, da gehen dann im Kopf die Informationen durcheinander. Außerdem schaut man sich die anderen Mannschaften natürlich nochmal an in Berlin, so wie auch die Trainingsspiele der Slowenen gegen Polen und das der Schweden gegen Montenegro vor ein paar Tagen.

Wenn es dumm läuft und die Qualifikation misslingt, könnten am Sonntagnachmittag so einige Nationalmannschaftskarrieren zu Ende gehen, korrekt?
Ich bin überhaupt nicht bereit, im Moment auch nur einen negativ gerichteten Gedanken zuzulassen. Wenn du zehn Prozent nach hinten gehst und den Gedanken machst, fehlen dir schon 20 Prozent nach vorne. Deswegen macht das keinen Sinn. Es macht nur Sinn, das positiv anzugehen, und ich traue das der Mannschaft zu.

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Die Kieler wurden zurückgeholt

Der Berlin-Kader hat mit der Mannschaft von der verkorksten WM in Ägypten nicht mehr viel gemein, oder?
Nein, Alfred hat ja bewusst die Kieler wieder zurückgeholt, um wieder mehr Stabilität ins Spiel zu bekommen, gerade im Abwehrverbund. Vorne haben wir es eigentlich gut gelöst.

Der Fokus liegt zwar auf dem Wochenende, aber lassen Sie uns kurz in die Glaskugel schauen: Wie optimistisch sind Sie, dass die Spiele in Tokio heuer tatsächlich stattfinden können?
Ich glaube, dass die Olympischen Spiele stattfinden werden. Aber es geht nicht nur darum, sich zu qualifizieren, sondern um viel mehr, letztlich um ein gesellschaftliches Thema: Unsere Sportart liegt jetzt seit über einem Jahr am Boden. Sieben Millionen Jugendliche unter 18 Jahren können grundsätzlich keinen Sport treiben - und das macht ja was mit denen! Wenn in einer Jugendmannschaft vier Spieler sagen "Wir spielen nicht mehr", und die dann nicht mehr genug sind: Da gehen ganze Mannschaften verloren. Deswegen ist das für unsere Sportart eine ganz wichtige Situation: Dass wir einfach auch stattfinden, unseren Sport vertreten können. Das gilt ja nicht für den Handball, sondern für alle Mannschaftssportarten. Ich habe noch nie so sehr die Daumen gedrückt, dass wir mit möglichst vielen Mannschaften an den Olympischen Spielen teilnehmen werden. Das ist gesellschaftlich einfach wichtig.

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