Genie, Mutter Courage & Greta Garbo

Zum zehnjährigen Jubiläum schreibt AZ-Kolumnist Gunther Beth über seine Wimbledon-Lieblinge.
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Zum zehnjährigen  Jubiläum schreibt AZ-Kolumnist Gunther Beth über seine Wimbledon-Lieblinge.

München -  Bye-bye München, die Leidenschaft ruft: Morgen fliege ich wieder nach London zu meiner Zwei-Wochen-Geliebten – als Kolumnist für die AZ, nun schon das zehnten Mal! Zu diesem Jubiläum möchte ich meine Lieblinge Revue passieren lassen – genau zehn an der Zahl in alphabetischer Reihenfolge:


Claus Biederstaedt: Er hat noch nie einen Schläger in der Hand gehabt, aber kein anderer kann den Tennis-Zirkus derart perfekt parodieren: die Ladies und Gentlemen in der Loge, Boris Becker, Gottfried von Cramm und Maria Sharapova als „grottengeilen Vogel” – sensationell!

Roger Federer: Das Wort „verlieren” kannte er jahrelang nur vom Hörensagen – bis Nadal und Djokovic kamen. In Wimbledon tritt er als Titelverteidiger an, und ich traue ihm zu, dass er es packt – dieser eleganteste aller Tennisspieler, der wie alle Genies auch aus Versehen meist das Richtige macht.
Steffi Graf Die „Mutter Courage” des deutschen Tennis. Vom Wunderkind zur Nummer 1 – bienenfleißig, zielgerichtet. Hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gab – auch das Herz von Andre Agassi. Ihre Ehe ist, wie er sagt, „ganz großes Tennis”. Spiel – Satz – und Steffi!

Die Herzogin von Kent: 31 Jahre lang zelebrierte sie mit ihrem unnachahmlich warmherzigen Lächeln die Siegerehrung. Dann trennte sie sich nicht nur von ihrem Herrn Gemahl, sondern gleich vom gesamten Königshaus. Jetzt fährt sie Bus, steht am Geldautomaten und geht allein ins Theater, wo ich sie in einer Vorstellung von „Les Miserables” traf. Nomen est omen?

Martina Navratilova: Die erfolgreichste Spielerin aller Zeiten. Spätestens seit ich weiß, dass wir beide am 18.Oktober geboren sind, gehöre ich zu ihren Hardcore-Fans. Vor zehn Jahren habe ich sie gefragt, ob sie sich schon wie 47 fühle? „Warum sollte ich?” lachte sie, „die Bälle haben doch keine Ahnung, wie alt ich bin...”

Gerd Günter Reinhard: Um sich als Jüngster unter drei Geschwistern zu emanzipieren, braucht man schon einen Märchenprinzen. Meiner sah auch noch genau so aus. Im LTSV Hamburg bot er mir an – ich war 12, er 17 – gemeinsam im Junioren-Doppel anzutreten. Wir gewannen das Turnier – und zum ersten Mal spürte ich das süße Gift des Siegens... Gerdi, das vergess’ ich dir nie!

Pete Sampras: Die Greta Garbo des Tennis, weil auch er es geschafft hat, auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft die Karriere zu beenden. „Pistol-Pete” jedoch gewann am 2. August 2002 mit den US Open noch einmal ein Grand-Slam-Turnier – und noch am selben Abend sagte er „Good bye”.

Maria Sharapova: 17 Jahr, blondes Haar – so eroberte sie 2004 Wimbledon und verzauberte den Centre Court. Inzwischen hat sie bei allen vier Grand-Slam-Turnieren triumphiert. Ganz nebenbei: Als Werbe-Ikone sind ihre Einnahmen doppelt so hoch wie die von Heidi Klum und Victoria Beckham zusammen.

Michael Stich: Laufen mochte er nicht gern, höchstens mal Gassi mit dem Hund. Aber er war „der Genialste auf der Tour” (John McEnroe). Konnte jeden besiegen, hörte viel zu früh auf. Heute ist er ein echter „Vater Courage”, zeigt Kante bei seinen Stiftungen und rettet als Turnierdirektor die German Open am Hamburger Rothenbaum.

Peter Ustinov: Ich bin sehr froh, dass ich ihn noch kennenlernen durfte. Ein Tennisverrückter, der Juni für Juni nach Wimbledon pilgerte. „Ich glaube, nirgendwo war ich je glücklicher. Hier komme ich mir immer so aufgeregt wie ein Schuljunge vor, mit all diesen Schmetterlingen der Erwartung im Bauch”. That’s it!

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