Zwei Großchancen vergeben: Warum Nagelsmann trotzdem an Sané festhält
Bundestrainer Julian Nagelsmann versuchte alles, um die Leistung von Leroy Sané beim 7:1 gegen Curaçao zu verteidigen – doch nach der Partie waren sich die meisten Beobachter in den Katakomben des NRG Stadiums einig: Der Rechtsaußen von Galatasaray war der schwächste Spieler in einer insgesamt guten deutschen Mannschaft, Sané konnte die Erwartungen einmal mehr nicht erfüllen (AZ-Note 4). Und vor allem: seine Torchancen nicht nutzen.
Gleich zweimal stand der 30-Jährige allein vor Keeper Eloy Room, zweimal scheiterte er. In der 33. Minute vergab er nach Traumpass von Florian Wirtz, in der zweiten Halbzeit nach Jonathan Tahs Zuspiel (68.). Hinzu kamen Fehlpässe, Unkonzentriertheiten. Und trotzdem fiel Nagelsmanns Bewertung positiv aus.
"Ich finde, er war superfleißig heute", sagte der DFB-Coach. Sané habe "viel gearbeitet, viel nach hinten gearbeitet, auch viele Umschaltsituationen des Gegners weggenommen. Da kann man ihm heute ein Kompliment machen." Im Abschluss habe Sané einfach Pech gehabt mit einem versprungenen Ball, so Nagelsmann.
Vergebene Chancen & Fehlpässe: Leroy Sané enttäuscht trotz Sieg gegen Curaçao
Es sprach für ihn, dass er seinen Spieler öffentlich stärkte. Doch dahinter steckte freilich auch Kalkül: Nach dem verletzungsbedingten Aus von Lennart Karl hat Nagelsmann nicht mehr so viele gute Optionen für die Position vorne rechts. Vielleicht noch Jamie Leweling, vielleicht Youngster Assan Ouédrago, vielleicht Jamal Musiala, wenn der Trainer Deniz Undav als Zehner aufstellt. Doch am besten wäre es, wenn Sané seine Topform finden und konstant abrufen würde.
Was überraschend war: Sané blieb im Anschluss an die Partie in der Interview-Zone bei den Reportern stehen und sprach über das Spiel. Das hatte er in seiner Zeit beim FC Bayern fast nie gemacht – ob er zuvor nun gut oder nicht so gut gespielt hatte.
Nagelsmann wird gegen die Elfenbeinküste wieder auf Sané setzen
"Das erste Spiel ist immer wichtig, um gut reinzukommen", sagte er. "Die Stimmung bei uns allen ist top, wir verstehen uns alle, hängen zusammen ab, es macht Spaß." Sané ist im Team beliebt, wichtig für die Atmosphäre. Auch deshalb setzt Nagelsmann auf ihn.
Wegen der vergebenen Chancen mache er sich "keinen Stress", versicherte Sané, "ich hoffe, dass das erste Tor dann kommt." Schon am Samstag gegen die Elfenbeinküste? Viel spricht dafür, dass Nagelsmann erneut auf Sané setzen wird. Diese Chance muss er dann aber nutzen.

