Interview

Waldi Hartmann im AZ-Interview: "Riester-Rente? Ich habe die Rudi-Rente"

TV-Journalist Waldemar Hartmann spricht in der AZ über das legendäre Interview mit Ex-Bundestrainer Rudi Völler 2003 in Island. "Das sitzt bei ihm tief. Jeder hat etwas, das er lieber nicht gemacht hätte."
| Julian Buhl
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Legendäres TV-Interview: Waldemar Hartmann (l.) im Jahr 2003 in Island mit dem erbosten Bundestrainer Rudi Völler.
Legendäres TV-Interview: Waldemar Hartmann (l.) im Jahr 2003 in Island mit dem erbosten Bundestrainer Rudi Völler. © ARD/NDR/dpa

München - AZ-Interview mit Waldemar Hartmann. Als kennzeichnend für den Sportreporter und Fernsehmoderator (73) gilt sein jovialer Interviewstil. Weil er seine Gesprächspartner häufig duzte, bezeichnete sich Hartmann vor vielen Jahren selbst einmal als "Duz-Maschine". Am 6. September 2003 erreichte sein Interview mit Rudi Völler große Bekanntheit. "Waldi" wurde zum Ziel eines unvergessenen Wutausbruchs des damaligen Teamchefs.

AZ: Hallo Herr Hartmann...
WALDEMAR HARTMANN: Jesses, meine Frau hat grade schon gesagt: "Geh' nicht ans Telefon. Es ist Jahrestag, und sie spielen auch noch gegen Island." (lacht)

Die Frage, ob das heute Abend anstehende Spiel der Nationalelf Erinnerungen an Ihr legendäres "Weißbier-Interview" mit dem damaligen BundestrainerRudi Völler - nach einem 0:0 auf Island am 6. September 2003 - weckt, erübrigt sich dann wohl.
Die bleiben nicht aus. Rudi und ich haben ein freundschaftliches Verhältnis und schließen uns an unserem Jahrestag jedes Mal kurz. Meistens geht das von mir aus, und ich bedanke mich herzlich bei ihm für den Million-Dollar-Satz.

Hartmann: "Ich kenne Rudi schon aus der Zeit, in der er noch bei Sechzig gespielt hat" 

Der lautet: "Du sitzt hier locker bequem auf deinem Stuhl, hast gerade drei Weizenbier getrunken."
Genau. Damit hat er mir zu einem Zehnjahresvertrag mit Paulaner verholfen und mich finanziell schmerzfrei gemacht. Ich habe keine Riester-Rente, sondern eine Rudi-Rente.

Sehen Sie sich auch noch regelmäßig persönlich?
Wir haben uns im vergangenen Jahr beim Spiel von Leverkusen in Leipzig, wo ich mittlerweile wohne, getroffen. Da hat mich Rudi zum Abendessen eingeladen, und wir haben ein paar alte Geschichten erzählt. Ich kenne Rudi ja schon aus der Zeit, in der er noch bei Sechzig gespielt hat. Vor der EM kam jetzt übrigens eine Anfrage von einer Supermarktkette für einen Werbespot, der auf die Weißbier-Geschichte anspielen sollte. Da wollte Rudi aber nicht mitmachen.

Warum?
Weil es ihm nach 18 Jahren immer noch unangenehm ist. Dabei haben die Leute ja gesagt: "Mensch, endlich sagt mal jemand, was er denkt." Rudi ist es aber unangenehm, wie er es gesagt hat. Er sagte jetzt wieder: "Wenn ich mich da sehe, so will ich mich einfach nicht sehen." Ich antwortete: "Mensch, Spezi, nach 18 Jahren, die Leute schmunzeln doch darüber, es ist schon Kult geworden." Aber nein, das sitzt bei ihm ganz tief. Jeder hat wohl etwas, das er am liebsten nicht gemacht hätte.

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Gab es Überlegungen, das Spiel heute Abend zusammen zu schauen?
Nein. Das 6:0 gegen Armenien habe ich mir aber angeschaut und war höchst erstaunt, zeitweise begeistert. Wie die die Kugel laufen gelassen haben, war schon richtig geil. Diese Querpassschieberei über drei Meter oder nach hinten scheint vorbei zu sein. Hansi hat ihnen das offenbar schon so eingetrichtert, dass jetzt endlich wieder nach vorne gespielt wird. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt. Mehr als sechs Kisten kannst du nicht erwarten. Armenien war keine Laufkundschaft.

Hartmann: "Das Armenien-Spiel hat mir richtig gut gefallen"

Ist es nach zwei Spielen unter Hansi Flick zu früh, von Euphorie zu sprechen?
Wissen Sie, ich bin mittlerweile 73, plane nicht mehr so weit voraus, sondern feiere das Jetzt. Das Armenien-Spiel hat mir richtig gut gefallen, und ich hoffe, dass es gegen Island jetzt so weitergeht. Das Publikum hat von sich aus die La-Ola-Welle gemacht und "So ein Tag, so wunderschön wie heute" gesungen. Wann war das denn zum letzten Mal der Fall? Die Mannschaft bekommt offenbar noch einen zusätzlichen Schub, wenn von außen so etwas kommt.

Waldemar Hartmann mit seiner Ehefrau Dr. Petra Hartmann. (Archivbild)
Waldemar Hartmann mit seiner Ehefrau Dr. Petra Hartmann. (Archivbild) © Jens Kalaene/dpa

Oder Impulse von innen. Wie ist es für Sie, nach 15 Jahren Joachim Löw nun in Hansi Flick einen neuen Nationalcoach an der Seitenlinie zu sehen?Erfrischend. Jetzt muss man auch keine Angst mehr haben, dass der Bundestrainer, obwohl er weiß, das 26 Kameras im Stadion sind, irgendwelche Dinge macht, die danach auf Youtube und Co. viral gehen. (lacht)

Hartmann: "Hansi hat das richtige Händchen"

Und wie gefällt Ihnen Flicks Arbeit bislang?
Hansi hat das richtige Händchen und eine ganz gute Mischung gefunden. Er hat nach Niko Kovac das Ganze auch bei Bayern in kürzester Zeit wieder richtig gut hinbekommen. Beim DFB war er 2014 heimlicher Vater des Weltmeistertitels. Viele glauben, dass er da einen großen Teil der Arbeit gemacht hat. Ich halte Hansi für einen so geerdeten Menschen, der all das gut einordnen kann. Er ist genau der Richtige, ein ruhender Pol, der gerade jetzt beim DFB außerordentlich gefragt ist.

So einen Ausbruch wie damals bei Völler können wir von Flick also nicht unbedingt erwarten, oder?
Dazu müsste man ihm vorher schon ganz harten Stoff gegeben haben.

Spätestens zum 20-jährigen Jubiläum müssten Sie eigentlich noch mal gemeinsam mit Rudi Völler vor die Kamera.
Das wird sich dann möglicherweise so ergeben. Die Frage ist allerdings, ob ich in meinem Alter dann noch transportfähig bin. (lacht)

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