Thomas Helme über Bayern-Starr: "Joachim Löw lässt Thomas Müller nicht fallen"

Thomas Helmer spricht im AZ-Interview über den Konkurrenzkampf in der Nationalmannschaft zwischen Confed-Cup-Siegern und Weltmeistern, den Bayern-Ang
| Julian Buhl
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In der Nationalelf behält Thomas Müller noch seinen Stammplatz, glaubt Thomas Helmer (kl. Foto).
dpa/Sport1 In der Nationalelf behält Thomas Müller noch seinen Stammplatz, glaubt Thomas Helmer (kl. Foto).

Thomas Helmer spricht im AZ-Interview über den Konkurrenzkampf in der Nationalmannschaft zwischen Confed-Cup-Siegern und Weltmeistern, den Bayern-Angreifer und Erfolgsdruck für Löw.

Der 52-Jährige Helmer spielte von 1992 bis 1999 beim FC Bayern, wurde 1996 Europameister. Aktuell arbeitet er bei Sport1 und moderiert den Doppelpass (Sonntag, 11 Uhr).

AZ: Herr Helmer, die Nationalelf spielt am Freitag gegen Tschechien und am Montag gegen Norwegen. Mit zwei Siegen könnte die WM-Qualifikation unter Umständen schon perfekt gemacht werden. Erwarten Sie genau das?
THOMAS HELMER: Ich gehe fest davon aus, dass wir beide Spiele gewinnen werden. Das soll nicht überheblich klingen, aber das wird auch der Anspruch von Jogi Löw und seiner Truppe sein.

Sie haben bestimmt noch andere Erinnerungen an Tschechien und die Duelle beim Triumph bei der EM 1996.
Da haben wir ja sogar zwei Mal innerhalb kürzester Zeit gegen sie gespielt: in der Vorrunde und im Finale. (lacht) Tschechien hatte damals auch viele Spieler aus der Bundesliga – Kuka und Kadlec zum Beispiel. Dann noch Poborsky, Nedved und Berger – das war schon eine richtig gute Mannschaft.

"Den Konkurrenzkampf hat sich Löw ja selbst eingebrockt"

Aktuell ist es nun fast spannender, wer überhaupt für die DFB-Elf spielen wird. Jogi Löw spricht vom "härtesten Konkurrenzkampf aller Zeiten".
Das hat er sich ja selbst eingebrockt. Er hat beim Confed Cup fast alle spielen lassen. Jeder hat das Gefühl bekommen, dass er eine Chance hat. Deshalb ist jetzt dieser Konkurrenzkampf da. Das wird nicht so einfach für ihn.

Hat Löw also tatsächlich den besten deutschen Kader aller Zeiten zur Verfügung?
Das hat Franz Beckenbauer ja nach dem WM-Titel 1990 auch schon mal behauptet. Und wir dachten dann, dass wir den besten Kader haben. Wir hatten super Einzelspieler. Die große Kunst ist es, daraus eine Mannschaft zu formen. Aber im Moment gibt es schon wahnsinnig viele junge, gute Spieler, die man bedenkenlos einfach einsetzen kann.

Erhöht Löw sich damit den Druck? Mit dem besten Kader aller Zeiten muss er den WM-Titel eigentlich verteidigen.
Das will er ja auch. Ich finde es gut, dass wir dieses Selbstbewusstsein haben. Jogi hat das nötige Standing und den Rückhalt. Deshalb ist das keine Aussage, die ihm irgendwann mal um die Ohren gehauen wird.

Auch nicht bei einem Viertel- oder Halbfinalaus?
Das kann immer passieren. In dem Fall würde er vielleicht auch sagen: Dann ist es jetzt auch mal gut mit mir. Aber das sehe ich im Moment überhaupt nicht. Die anderen Nationen müssen sich eher Gedanken machen, wie sie uns überhaupt schlagen können. Jogi hat alle Trümpfe in der Hand.

Gäbe es noch einen Grund, weiterzumachen, wenn er den WM-Titel verteidigen würde?
Es bleibt ja dann immer noch der EM-Titel, den er noch nicht geholt hat. (lacht)

Welche Confed-Cup-Sieger haben sich aus Ihrer Sicht nun besonders empfohlen? Goretzka, Draxler, Werner?
Mir wird da Lars Stindl immer ein bisschen vergessen. Ich halte sehr viel von ihm, als Mannschaftsspieler ist er überragend. Auch er wurde mit seiner Nominierung für seine Leistungen beim Confed Cup belohnt. Er ist 29 und nicht mehr so jung wie zum Beispiel Werner oder Goretzka.

"Die Weltmeister haben schon einen Bonus beim Bundestrainer"

Gibt es die unantastbaren Weltmeister überhaupt noch?
Einen gibt es ja schon mal im Tor. Manuel Neuer ist zwar jetzt noch nicht dabei. Aber über ihn gibt es überhaupt keine Diskussion. Über Toni Kroos und Mats Hummels müssen wir auch nicht reden. Das sind die Unantastbaren. Jérôme Boateng gehört da normalerweise auch dazu, wenn er nicht verletzt ist. Thomas Müller kommt jetzt auch zur Nationalelf zurück. Ihm wird das sehr guttun. Die Nationalmannschaft kann helfen, wenn es im Verein nicht so läuft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jogi ihn fallenlässt – auf keinen Fall.

Bei Bayern saß er zuletzt wieder auf der Bank, droht ihm dort eine schwierige Saison?
Im Moment sieht es so aus. Es ist ein bisschen bitter für ihn, weil er eigentlich seine nicht so gute letzte Saison vergessen machen möchte. Wenn man dann nicht so viele Einsatzchancen bekommt, wird es sehr schwierig für ihn. Jetzt schauen ja auch alle noch mehr auf ihn.

Wird es für Sami Khedira und Mesut Özil im DFB-Team eng? Leon Goretzka und Julian Draxler machen Druck.
Draxler war beim Confed Cup sogar Kapitän. Götze kommt auch wieder, Reus ist noch verletzt. Für Spieler wie Schürrle wird es schwierig. Bei Khedira hat man schon häufiger gedacht, dass er sich beweisen muss. Wenn Rudy bei Bayern öfter und gut spielt, haben wir den auch noch. Die einzigen, die sich keine Sorgen machen müssen, sind eigentlich die beiden Außenspieler Kimmich und Hector. Bei allen anderen bin ich sehr gespannt. Die Jungs, mit denen Löw schon länger zusammenarbeitet und Weltmeister geworden ist, haben aber schon einen Bonus.

Glauben Sie, dass Mario Götze, der WM-Finaltorschütze von 2014, es 2018 wieder in den WM-Kader schafft?
Wenn er so weiter macht, auf jeden Fall. Ich wünsche ihm das. Und es wäre doch schön, wenn er das mit dem Finaltor noch mal machen könnte.

Lesen Sie auch: Das sagt Löw über Müllers Reservistenrolle

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