Nagelsmann fand Klopp-Aussage nicht wirklich lustig

Der zuvor skeptisch beäugte Nagelsmann hat mit dem Auftakt-Triumph viel an Renommee gewonnen: Neuer, Brown, Undav, die Personalentscheidungen gehen auf – und selbst Schattenbundestrainer Klopp entschuldigt sich.
Patrick Strasser |
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Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Bundestrainer Julian Nagelsmann. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Scott Coleman

Sieben auf einen Streich – ein dickes Ausrufezeichen. Der souveräne wie lockere 7:1-Erfolg zum WM-Auftakt gegen Außenseiter Curaçao ist ein Signal nach innen und außen. Mit Tiefenentspannung.

So war am Montag, zurück im Team-Quartier in Winston-Salem, Spiel-Ersatztraining angesagt für all diejenigen, die weniger als eine halbe Stunde auf dem Platz waren. Für die anderen Regeneration. Der Plan für Dienstag lautet: Frei! Besuch von Freunden und den Familien der Spieler ist gestattet. Bisschen relaxen, bisschen chillen. Und Fußball schauen. Was machen die anderen Nationen so bei dieser WM?

Nagelsmann fand Klopp-Aussage nicht wirklich lustig

Man konnte sich mit dem 7:1 einiger Zweifel und Sorgen entledigen. Und erleben, wie ein weltweit anerkannter Trainer, nun als TV-Experte bei der WM auf Tour, gegenüber Bundestrainer Julian Nagelsmann zu Kreuze kroch. Ein Gang nach Canossa.

Jürgen Klopp, ehemals Kulttrainer in Mainz, Dortmund und Liverpool, für viele Fans der Schattentrainer als Irgendwann-Nachfolger von Nagelsmann, entschuldigte sich nach dem Curaçao-Spiel live bei MagentaTV für seinen Fauxpas am Rande des WM-Eröffnungsspiels in Mexiko-City. Am Donnerstag hatte Klopp im Gespräch mit dem stets flachsenden Experten-Kollegen Thomas Müller mit Blick auf die Aufstellung des DFB-Teams launig daher geplaudert: "Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf, noch – noch!" Was der aktuelle Bundestrainer, laut Vertrag bis zur EM im Sommer 2028 im Amt, nicht wirklich lustig fand. Auf Nachfrage verneinte er am Vorabend des Spiels in Houston eine Antwort darauf.

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Klopp entschuldigt sich bei Nagelsmann: "Ich hätte mir aufs Maul hauen können"

Nach dem Spiel meinte Klopp reumütig: "Ich hätte mir aufs Maul hauen können, aber das war schon zu spät und ich war im Fernsehen. Das ist flapsig rausgerutscht." Seine Aussage habe "gar keine Relevanz", versicherte er und sagte mit einem Blick in die Kamera: "Ich hoffe, dass das alle da draußen verstehen." Nagelsmann hörte zu, kniff die Lippen zusammen und lächelte versöhnlich. Klopp, einmal in Fahrt, legte nach: "Ich werde übermorgen 59 (am Dienstag, d.Red.) und bin immer noch dämlich. Aber es ist einfach passiert." Das "noch" in der Formulierung sei das persönliche "Unwort meines Jahres", so Klopp über seinen Klopps. Er versicherte Nagelsmann: "Wir sind komplett auf eurer Seite." Am Ende des Gesprächs klatschten beide miteinander ab.

Auch rein sportlich lief beim DFB-Team mit dem 7:1 alles nach Plan und nach Wunsch. Dabei galt diese Nationalmannschaft vor dem Turnierstart als Wundertüte, Nagelsmann war in einige Kommunikations-Fettnäpfchen getappt – siehe den Fall Deniz Undav und die Chronik des Neuer-Comebacks. Dass der 40-jährige Torhüter nach seiner Rückkehr und der überstandenen Verletzungspause nun ein Testspiel zum Eingewöhnen, eine intensive Trainingseinheit bekam, um im weiteren Verlauf des Turniers seine Bestform erreichen zu können, geht als Punktlandung durch. Und sonst?

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Knifflige Personalentscheidungen gehen auf

Sechs verschiedene Torschützen heißt: sechs Mal frisch aufpoliertes Selbstvertrauen. Für Doppelpacker Kai Havertz, den "Player of the Match" der Fifa, im doppelten Sinne. Dazu gingen sämtliche, knifflige Personalentscheidungen von Nagelsmann auf: Nathaniel Brown (22), der in seinem erst sechsten Länderspiel den Vorzug vor Routinier David Raum (28/38 Länderspiele) erhielt, machte ein herausragend gutes Spiel als Linksverteidiger.

Felix Nmecha glänzte an der Seite von Aleksandar Pavlovic als zweiter Sechser nicht nur wegen seines Führungstores zum 1:0. Wie Brown erging es auch Nmecha: WM-Debüt, erstes WM-Tor.

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"Jamal hat sehr gut gespielt, hatte viele gute Momente": Musiala erzielt sein erstes WM-Tor

Auch Bayern-Profi Jamal Musiala erzielte seinen Premierentreffer auf der größten Bühne des Weltfußballs. Anders als von so manchen Experten vermutet, durfte Musiala beginnen und wertvolle Minuten sammeln, um mehr und mehr in den Rhythmus zu kommen. "Jamal hat sehr gut gespielt, hatte viele gute Momente", lobte Nagelsmann und dementierte eine leichte Verletzung als Grund für die vorzeitige Auswechslung: "Er hatte keine Probleme."

Deniz Undav kam nach einer guten Stunde als erster Joker rein und traf zum 6:1 – Form bestätigt, gute Laune bewahrt. So kann der VfB-Angreifer noch sehr wichtig werden bei dieser WM. Unterm Strich ist sich Nagelsmann nach dem geglückten Auftakt sicher: "Die Überzeugung ist größer als vor dem Spiel." Ein hohes Gut. Läuft für Julian. 

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