Matthäus eröffnet Positions-Debatte um Kimmich – auch Neuer plötzlich im Fokus
Zwei Dinge wurden in den Tagen nach der 1:2-Pleite der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador rauf und runter diskutiert. Erstens: Welche ist die beste Position für Kapitän Joshua Kimmich im DFB-Team mit Blick auf das Sechzehntelfinale gegen Paraguay am Montag (22.30 Uhr, ZDF & MagentaTV) in Foxborough bei Boston? Und zweitens: War es ein Torwartfehler von Manuel Neuer in der Szene, die zum 1:2-Gegentreffer führte?
"Tut ihm einen Gefallen und holt ihn da hinten weg", meinte DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus nach dem herben Dämpfer gegen Ecuador. Womit er nicht Torhüter Neuer, sondern Kimmich und dessen Rolle als Rechtsverteidiger unter Bundestrainer Julian Nagelsmann meinte. Dort, so Matthäus in "Bild", habe der 31-Jährige "nicht den Einfluss, den ich mir von einem Kapitän wünsche". Natürlich bemühe sich Kimmich, "aber er ist nicht da, wo er sein soll". Matthäus weiter: "Ich sehe ihn nicht von der Körpersprache und der Positionierung als jemanden, der die Mannschaft führt, der Einfluss nimmt, wenn es nicht so läuft." Hinten rechts gelänge ihm das "irgendwie nicht".
Auch Lahm spricht sich für Kimmich-Versetzung aus
Der Weltmeister von 1990 verwies darauf, dass Kimmich beim FC Bayern unter Trainer Vincent Kompany im Mittelfeldzentrum als Sechser "absolute Weltklasse" verkörpere. Die Diskussion nimmt immer mehr Fahrt auf, mittlerweile hat sich mit Philipp Lahm ein weiterer Kapitän einer Weltmeistermannschaft für die sofortige Rückversetzung von Kimmich ins Mittelfeld ausgesprochen.
"Aleksandar Pavlovic hat in diesem Turnier noch nicht wirklich überzeugt, ich erkenne unglaublich viele leichte Ballverluste", schrieb Lahm in seiner "kicker"-Kolumne. Der Champion von 2014 weiter: "Pavlovic ist nicht optimal positioniert auf dem Feld. Ich sehe deshalb Kimmich im Mittelfeld." Dort habe dieser "etwa zehn Jahre auf hohem Niveau gespielt, in der Nationalelf wie beim FC Bayern. Er würde der Mannschaft Stabilität geben, seine Stärken würden deutlich mehr sichtbar werden."

In der Sechser-Rolle könne Kimmich "der Defensive helfen, genau wie der Offensive mit seinen tiefen Pässen". Aber nimmt Nagelsmann dann, wie von Lahm gefordert, Pavlovic nach drei Partien aus der Startelf? Felix Nmecha scheint als zweiter Sechser aufgrund seiner gezeigten Leistungen unantastbar.
Lahm: Auf der Rechtsverteidigerposition tut man Kimmich "keinen Gefallen"
Lahms Idee: Waldemar Anton vom BVB hinten rechts aufbieten, hinten links Nathaniel Brown, der wohl rechtzeitig fit wird. Auf der Rechtsverteidiger-Position tue man jedoch "Kimmich keinen Gefallen. Seine Stärken und Führungsqualitäten sind im Mittelfeld gefragt", meinte Lahm. Ganz der DFB-Diplomat antwortete Sportdirektor Rudi Völler zur Causa Kimmich, dieser sei "da, wo er spielt, ganz gut aufgestellt". Und Nagelsmann? Schloss einen erneuten Positionswechsel bisher aus: "Ich will weder auf Felix noch auf Pavlo verzichten." Nach dem 1:2 gegen Ecuador sagte er jedoch: "Im Fußball sollte man nichts ausschließen."
Nach Kritik: Hildebrand springt Neuer zur Seite
Ebenfalls im Kreuzfeuer: Manuel Neuer. Selbst von seinem Kumpel, Bayerns Torwart-Legende Sepp Maier, kam Kritik. "Manu, früher hättest du den souverän gehalten", kommentierte der 82-Jährige bei "Sport1" das Malheur. Der konkrete Vorwurf: "Manu hätte dem Ball früher entgegengehen müssen, statt auf ihn zu warten. Ein Torwart seiner Klasse muss in solchen Situationen aktiver agieren. Da muss er sich schon an die eigene Nase fassen."

Maier sagte aber auch: "Das sah natürlich unglücklich. Manu ist nicht der Sündenbock für diese Niederlage. Das ist einfach nicht fair. Das ganze Team war erschreckend schwach." Neuer habe "nicht glücklich ausgesehen", betonte 1974er-Weltmeister Maier, "in der K.o.-Runde werden solche Situationen brutal bestraft. Da muss Manu wieder der Alte sein."
Für Neuer in die Bresche sprang Ex-Nationaltorhüter Timo Hildebrand (47) in einem emotionalen Instagram-Video und schimpfte: "Ich sag's euch, ihr habt alle keine Ahnung!" Er gab eher Neuers Vorderleuten die Schuld. Raum habe in der Szene ein Kopfballduell verloren, Jamal Musiala "sich wegschubsen lassen wie ein Schuljunge" und Jonathan Tah falsch gestanden. Die Debatte um Neuers Aktion ärgere ihn "richtig hart", so Hildebrand, der forderte: "Lasst mal Neuer in Ruhe!"
