Löws Comeback: Corona-Tests und Polizei-Patrouillen

Joachim Löw startet unter schwierigen Vorzeichen in sein 15. Jahr als Bundestrainer. Die Corona-Krise beschäftigt die Nationalmannschaft auch vor dem Neubeginn in der Nations League nach fast zehn Monaten Länderspielpause. Im und um das Teamhotel gelten klare Vorschriften.
| Von Arne Richter und Jens Mende, dpa
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Bundestrainer Joachim Löw auf dem Weg zum Trainingsplatz.
Bundestrainer Joachim Löw auf dem Weg zum Trainingsplatz. © Christian Charisius/dpa
Stuttgart

Im schwarzen Rolli und mit weißer Corona-Maske marschierte Joachim Löw direkt ins Teamhotel. Für die Idylle im noblen Stuttgarter Vorort Degerloch hatte der Bundestrainer keine Zeit.

Unter strengen Hygienevorschriften beendete der Bundestrainer am Montag die unfreiwillige Rekordpause der Fußball-Nationalmannschaft nach fast zehn Monaten ohne Länderspiel. Die gravierenden Einschränkungen in Zeiten der Pandemie waren dabei auch für Löw deutlich spürbar.

Polizei patrouillierte in den engen Straßen. Riesige grüne Planen versperrten von der Waldseite den Blick auf das DFB-Quartier. Wo sich sonst Autogrammjäger am Hoteleingang drängen, verfolgte diesmal rund ein Dutzend Fans die Ankunft der Nationalspieler mit gehörigem Sicherheitsabstand. Immerhin ein Junge schaffte es trotz der Corona-Regeln bis ganz nah ran und bekam ein Selfie mit Kai Havertz.

„Sie können sich alle vorstellen, dass wir uns unglaublich freuen, dass auch wir wieder eingreifen können”, sagte Löw. Noch vor dem ersten Training am frühen Montagabend im ADM-Sportpark der in die Oberliga abgestürzten Stuttgarter Kickers war aber zunächst die medizinische Abteilung um Chefarzt Tim Meyer gefordert. Für den Bundestrainer und seine 22 Spieler stand gleich der erste Corona-Test an - nur bei negativem Ergebnis ist Gruppenkontakt erlaubt.

Auch Löw brauchte das Go des Doktors, um die Vorbereitung auf die Spiele der Nations League gegen Spanien am Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF) in Stuttgart und am Sonntag (20.45 Uhr/ARD) in Basel gegen die Schweiz zu beginnen. Auf dem Trainingsplatz fehlten einige bekannte Gesichter. Löw nominierte die vier Münchner Champions-League-Sieger Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry nicht. Auch die Leipziger Königsklassen-Halbfinalisten Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg bekommen vom Bundestrainer eine Pause.

„Da müssen wir einfach vorausschauend denken und handeln. Im nächsten Jahr an der EM werden wir alle gemessen”, begründete Löw den freiwilligen Verzicht auf die Stammkräfte. Erstmals nach ihren Kreuzbandrissen wieder im Aufgebot sind hingegen die Münchner Leroy Sané und Niklas Süle. Vor ihrem Debüt im Nationaltrikot stehen Hoffenheims Torwart Oliver Baumann, der Gladbacher Florian Neuhaus und Robin Gosens von Atalanta Bergamo.

Das bislang letzte Länderspiel bestritt die DFB-Auswahl am 19. November 2019 beim 6:1 in der EM-Qualifikation gegen Nordirland. Die geplanten EM-Tests im März in Spanien und Italien fielen bereits wegen der Corona-Pandemie aus.

Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist für DFB-Direktor Oliver Bierhoff eine große Erleichterung. „Wenn wir keine Länderspiele haben, bedeutet dies natürlich einen unglaublichen wirtschaftlichen Verlust für den DFB”, sagte er der ARD. „Wir haben in der Vergangenheit gut gewirtschaftet, so dass wir möglicherweise nicht wie manche Unternehmen eine Finanzspritze brauchten, wir könnten ein, zwei Jahre schon auch mit Schwierigkeiten leben, aber das ist schon heftig gewesen”, sagte Bierhoff.

Löw will nun allen sportlichen Schwierigkeiten mit einem Mammut-Programm von acht Spielen in elf Wochen bis Mitte November trotzen und legt den Fokus schon jetzt auf den Sommer 2021. „Die alleroberste Priorität hat die EM im nächsten Jahr. Ich weiß, dass man nur siegen kann, wenn man geistig und körperlich frisch in das Turnier gehen kann. Nächstes Jahr die EM steht über allem”, sagte er.

Dennoch will Löw die Nations League natürlich seriös bestreiten. Gerade nach dem Abstiegsdebakel vor zwei Jahren. „Die sportliche Wichtigkeit ist bei den Spielen natürlich gegeben, wir spielen gegen Spanien und die Schweiz. Die Nations League ist ein sehr guter Wettbewerb, die Mannschaften sind auf sehr hohem Niveau. Das ist auch gut für unsere Entwicklung der jungen Spieler”, betonte der Bundestrainer.

Beim Premierenwettbewerb 2018 blieb die deutsche Auswahl in je zwei Spielen gegen Frankreich und die Niederlande ohne Sieg. Nur weil die A-Liga von der UEFA von zwölf auf 16 Teams aufgestockt wurde, startet die deutsche Mannschaft weiter in der höchsten Wettbewerbsklasse.

© dpa-infocom, dpa:200830-99-366271/4

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