Kloppt schon ganz ordentlich: Deutschland holt Remis gegen die Niederlande

Alle Augen auf Jürgen Klopp. Das Debüt des neuen Bundestrainers ist so semi gelungen. Ein 1:1 zum Nations-League-Auftakt in Amsterdam gegen Erzrivale Niederlande. Felix Nmecha vom BVB gelang die Führung, die Gastgeber glichen in der Nachspielzeit aus. Am Ende verlor das wacker fightende DFB-Team die Übersicht, kassierte beinahe noch den K.o.-Treffer.
Der 59-jährige Klopp, der das blamable WM-Aus der deutschen Nationalelf in Nordamerika vor Ort als TV-Experte für Magenta beurteilt hatte, versprach vor seiner Premiere: "Ich gehe für die Jungs durchs Feuer." Ein "kleines Grillfeuer" habe in den ersten Trainingstagen bereits entfacht, so witzelte er. Am Ende wurde die Glut teilweise ausgetreten. Vor dem Anpfiff kündigte Klopp bei RTL "einen intensiven Fußball" an, "den müssen wir ja spielen. Heute kann der erste Tag unserer wundervollen Zukunft sein - theoretisch." Wird man sehen.
Neuling Philipp Treu war mit dem Klopp-Debüt trotz de späten Gegentreffers erstmal zufrieden: "Wir wollten eklig sein, sie stressen, Powerfußball spielen." Jeder habe sich "reingehauen" und mit Stolz gespielt.
Musiala muss kurz vor Anpfiff doch passen
Die Beschallung in der Johan-Cruyff-Arena hatte fast schon Fifa-Ausmaße. Schnulzen und Techno vor dem Anpfiff im Wechsel. Gefolgt von drei Tenören, die den neuen Bondscoach Xavi Hernández auf Spanisch begrüßten. Auch die Niederländer proben den Neuanfang, schließlich flog man am selben Tag aus der WM, beider unwürdig im Sechzehntelfinale.
Die erste schlechte Nachricht erhielt Klopp kurz vor dem Anpfiff. Nach dem Aufwärmen musste Bayern-Star Jamal Musiala auf der Zehnerposition durch Nadiem Amiri ersetzt werden - muskuläre Probleme im Oberschenkel hieß es, eine Vorsichtsmaßnahme.
Klopp hatte nach der Hymne ("Ich wusste gar nicht, dass ich die Nationalhymne komplett draufhabe") direkt Redebedarf. Spieler wie Kevin Schade kamen zur Seitenlinie.
Kurzer Talk, kurzer Drücker. Klopp trug - wann eigentlich nicht? - seine neu entworfene Adidas-Kappe mit der Aufschrift "Einer von 83 Millionen" und stand bei Anpfiff auf. Der Beginn einer neuen Ära.
Auf heißem Pflaster. "In Amsterdam habe ich nicht von vielen Freundschaftsspielen gehört, da geht es direkt zur Sache", sagte der frühere Meistermacher von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Es wurde hitzig, intensiv.
Eine echte Belastungs- und Bewährungsprobe. In der 13. Minute war der Ball nach einer Ecke drin, Virgil van Dijk traf. Doch Brian Brobbey hatte Rückkehrer Marc-André ter Stegen im Fünfmeterraum bedrängt. Der Treffer wurde nach VAR-Intervention zurückgenommen. Glück für Klopp. Dann musste Angreifer Kai Havertz verletzt raus, Younes Ebnoutalib (23/Frankfurt), der nächste Debütant nach Rechtsverteidiger Philipp Treu (25/Freiburg), ersetzte ihn. Ein weiterer Rückschlag für das Klopp-Team, das im neuen, komplett schwarzen Gewand angetreten war. Die Uefa hatte das grüne Trikot im Retro-Stil der WM 1990 aus praktischen Gründen (Platz für die Bagdes) nicht genehmigt.
Nur zwei Minuten fehlten zum Klopp-Glück
Top herausgespielt war der Führungstreffer: Nach Treus Hereingabe von rechts prallte der Ball im Fünfmeterraum von Karim Adeyemi zu Nmecha, der aus kurzer Distanz versenkte - 1:0 (32.). Klopp zeigte die Faust, die Gastgeber schäumten. Brobbey war ohne Einwirkung eines DFB-Akteurs verletzt liegengeblieben, die Gäste hatten in Person von Kapitän Joshua Kimmich weitergespielt. In der 39. Minute hätte Adeyemi bei seinem DFB-Comeback auf 2:0 erhöhen müssen. Die Hereingabe von Nathanial Brown ballerte er mit links weit drüber. Klopp verzweifelte vor der Bank, applaudierte im nächsten Moment demonstrativ.
In Halbzeit zwei hielt die DFB-Abwehr die Führung bis in die Nachspielzeit. Nach einem dicken Patzer des eingewechselten Serge Gnabry traf Cody Gakpo zum Ausgleich. Nur zwei Minuten fehlten zum Klopp-Glück. Nun geht’s am Sonntag in Augsburg gegen Griechenland.