EM-Kader: Löw holt Müller und Hummels zurück

Der Bundestrainer erfüllt den Wunsch vieler Fans und Experten und holt die 2014-Weltmeister Müller und Hummels ins Nationalteam zurück. Der 26-Mann-Kader für die EM enthält auch Überraschungen.
| dpa
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Bundestrainer Joachim Löw hat seinen Kader für die EM bekanntgeben.
Bundestrainer Joachim Löw hat seinen Kader für die EM bekanntgeben. © Thomas Böcker/DFB-Pool/dpa
Frankfurt/Main

Joachim Löw holt die vor zwei Jahren von ihm ausgemusterten Thomas Müller und Mats Hummels für eine erfolgreiche EM in die Fußball-Nationalmannschaft zurück.

Das Weltmeister-Duo von 2014 zählt zum 26 Spieler umfassenden Kader, den der Bundestrainer in Frankfurt am Main präsentierte. "Jetzt ist Turnier. Es steht über allem, ein erfolgreiches Turnier zu spielen. Beide haben eine sehr starke Saison gespielt. In puncto Führung können sie der Mannschaft einiges geben", begründete Löw die Rückkehr von Dortmunds Abwehrchef Hummels (32) und Bayern-Angreifer Müller (31), die "zum jetzigen Zeitpunkt" richtig sei.

Gerade vom 70-maligen Nationalspieler Hummels verspricht sich der Bundestrainer mehr Stabilität in der wackligen Defensive. "Die müssen wir beim Turnier erreichen. Mats hat in der Abwehr als Spieler einen sehr guten Einfluss. Er hat viel Turniererfahrung", sagte Löw.

Auch bei seiner letzten Kader-Nominierung wartete der nach der EM ausscheidende DFB-Chefcoach mit einigen Überraschungen auf. Löw berief als weitere Rückkehrer nach jahrelanger Abstinenz Stürmer Kevin Volland von AS Monaco und den Freiburger Verteidiger Christian Günter, der sein einziges Länderspiel im Mai 2014 bestritten hatte.

"Mit seiner starken Physis, seinem Durchsetzungsvermögen und seiner Torgefahr kann er uns bereichern", sagte Löw zum 28-jährigen Volland. Dem gleichalten Günter bescheinigte der Bundestrainer "eine tolle Entwicklung" in der jüngeren Vergangenheit: "Ihn zeichnet aus, dass er eine sehr gute Dynamik hat. Er bringt Energie ins Spiel."

Im Aufgebot fehlen dafür einige prominente Namen wie Julian Draxler, Julian Brandt, Jonathan Tah und Amin Younes. Dortmunds Kapitän Marco Reus (31) hatte zudem "nach einer komplizierten, kräftezehrenden Saison" am Dienstagabend in Rücksprache mit Löw seinen Verzicht auf eine EM-Teilnahme erklärt. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Marc-André ter Stegen sind Kevin Trapp und Bernd Leno die Torhüter hinter Kapitän Manuel Neuer. "Wir vertrauen beiden absolut", sagte Löw.

Die meisten Spieler, nämlich acht, stellt der FC Bayern. Zum Münchner Block zählt auch der 18-jährige Jamal Musiala, der zugleich der jüngste Akteur im Kader ist. Der ebenfalls 18 Jahre alte Leverkusener Florian Wirtz wurde von Löw dagegen nicht berufen.

Die wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschobene EM beginnt am 11. Juni. Das Finale findet am 11. Juli in London statt.

Löw vermeidet für die EM weiterhin ganz konkrete Zielvorgaben. Das Finale zu erreichen, wäre aber "für uns alle erstrebenswert", sagte Löw. "Im Moment" zähle die DFB-Auswahl nicht zu den absoluten Favoriten. Diese Ausgangslage belaste das Team aber nicht. "Bei einem Turnier ist es wichtig, dass man jedes Spiel so konzentriert angeht, jedes Spiel ist ein K.o.-Spiel." Es gehe zunächst nur darum, die Gruppenphase zu überstehen - im Anschluss aber, sagte Löw, sei "für unsere Mannschaft alles möglich".

Er persönlich gehe "nicht mit großer Wehmut" in das Turnier, sagte Löw, der sein Amt nach der EM abgibt. "Wir gehen dies mit positiven Gedanken an. Wir sind der Überzeugung, wir können ein gutes Turnier spielen." Von großer Bedeutung sei es zudem, die Fans nach der desolaten WM 2018 und dem folgenden, schwierigen Umbruch zurückzugewinnen.

"Wir wissen schon auch, dass wir unsere Fans wieder überzeugen müssen", sagte der 61-Jährige. "Wir wollen eine Mannschaft, die vor Energie und Ehrgeiz sprüht, und die den Fans das Gefühl vermittelt, dass da eine Einheit auf dem Platz steht. Leute, mit denen sich die Fans identifizieren, die gewisse Werte verkörpern und die auf dem Platz alles investieren, was möglich ist, um erfolgreich zu sein."

Löw hatte beim großen Umbruch nach dem WM-Desaster 2018 in Russland Müller und Hummels zusammen mit Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng (32) im Frühjahr 2019 ausgemustert. Den 32-jährigen Boateng holte er trotz ebenfalls hoher Wertschätzung nun nicht zurück. "Einen Umbruch kann man auch mal unterbrechen", sagte Löw zu seinem Umdenken bei Müller und Hummels, die zuletzt am 19. November 2018 in der Nations League beim 2:2 gegen die Niederlande im Nationaltrikot aufliefen.

Beide könnten ihr Länderspiel-Comeback schon während der EM-Vorbereitung am 2. Juni im Testspiel gegen Dänemark in Innsbruck feiern. Vom 28. Mai bis 6. Juni absolviert Löw mit dem DFB-Team ein Trainingslager in Seefeld in Tirol. Die EM-Generalprobe findet am 7. Juni in Düsseldorf gegen Lettland statt.

Bei der EM-Endrunde trifft die DFB-Auswahl in der Gruppenphase jeweils in München auf Weltmeister Frankreich (15. Juni), Titelverteidiger Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni). "Wir wollen eine Mannschaft, die vor Energie und Ehrgeiz sprüht", sagte Löw. Er stuft schon die Gruppenpartien als "K.o.-Spiele" ein.

© dpa-infocom, dpa:210519-99-659661/8

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