Ein Lied für Joburg

Ohne Asamoah und Kuranyi fehlt dem DFB bei der WM in Südafrika der DJ. Musikalisch geht ein Riss durchs Team: Lahm steht auf Fendrich und STS, Neuer auf die Hosen, Butt auf U2 und Bryan Adams.
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Ohne Asamoah und Kuranyi fehlt dem DFB bei der WM in Südafrika der DJ. Musikalisch geht ein Riss durchs Team: Lahm steht auf Fendrich und STS, Neuer auf die Hosen, Butt auf U2 und Bryan Adams.

FRANKFURT Die Stelle ist vakant: Offizieller DJ der Nationalmannschaft, einzige Bedingung: der Mann muss aus den eigenen Reihen kommen.

Gerald Asamoah trug den Titel bei der Sommermärchen-WM 2006, in der Zeit danach hatte zunächst Kevin Kuranyi seine Nachfolge angetreten. Ob in der Kabine oder im Mannschaftsbus, die beiden Ex-Schalker waren für die Musik zuständig. Sie entschieden, was lief. Nun sind beide raus, nicht im Kader für die WM 2010. Ohne diese Rolle besetzt zu haben, reiste der DFB-Tross am Sonntagabend von Frankfurt aus mit dem Airbus A 380 nach Johannesburg.

„Ja, schade“, sagt Michael Ballack, „die Position ist tatsächlich frei.“ Auch er wird sie nicht ausfüllen können, die Knöchelverletzung macht ihn zum Zuschauer. Ist das nun gut für die Mitspieler der Nationalelf – rein musikalisch betrachtet? Urteilen Sie selbst: In einem Interview mit „Rolling Stone“ spricht der 33-Jährige über seinen Musikgeschmack, und der reicht von „Depeche Mode" und Robbie Williams bis zu Elton John, der auf der Hochzeit mit seiner Simone 2008 am Starnberger See live auftrat.

„Als ich noch ein bisschen jünger war, so mit 13, 14 Jahren, habe ich auch härtere Musik gehört. Def Leppard, Metallica und solche Sachen“, erzählt Ballack, geboren in Chemnitz. Als er beim FC Bayern (2002-2006) kickte, war er im Mainstream angekommen: „In der Zeit haben wir eigentlich alles gehört, was in den Charts lief. München, das war ja auch die P1-Zeit. Nach großen Erfolgen zog man noch mit der Mannschaft in die Diskothek. Da lief dann ja eh alles, was aktuell angesagt war. Viel Pop- und Rockmusik, Soul. Natürlich entwickelt sich mit dem Alter auch der Musikgeschmack weiter.“

So kam es, dass Ballack bei seinem Einstand beim FC Chelsea den Song „Du entschuldige, I kenn' Di" von Peter Cornelius vortrug. Jeder Neuling muss zum Einstand in der Kabine auf einen Stuhl steigen und vor allen einen singen.

Da sollte es sich der FC Chelsea in Zukunft gut überlegen, ob man Philipp Lahm, nun der neue DFB-Kapitän, einmal nach London holt. Denn dessen Lieblingshits sind: „Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk" von Rainhard Fendrich oder „Fürstenfeld" von STS. Klingt nicht danach, als wäre das mannschafts-kompatibel für Hotel, Kabine oder die Busfahrten in Südafrika.

Doch wer kommt als Asamoah-Nachfolger in Frage? Lukas Podolski steht auf Michael Jackson, Mario Gomez auf die Black Eyed Peas und Rihanna, Keeper Manuel Neuer auf U2 und die Toten Hosen.

Was den Musikgeschmack betrifft, geht ein Riss durch die Mannschaft. Da sind die älteren Semester wie Arne Friedrich (steht auf Peter Fox) oder Jörg Butt. Der dritte Torwart hat in Südafrika wohl viel Zeit, seine favorisierte Band U2 zu hören und als Therapiesong nach Niederlagen „Summer of '69“ von Bryan Adams. Die Talent-Fraktion hört ganz andere Sachen, etwa Ryan Leslie (Pjotr Trochowski), Usher und Destiny's Child (Jerome Boateng) oder R. Kelly (Dennis Aogo).

Während der WM 2006 kamen fast alle auf einen Nenner, auf „Dieser Weg" von Xavier Naidoo". „Intern hat sich dieser Song, vor allem auch wegen der eindringlichen Textzeilen, als unser wichtigster Turniersong durchgesetzt", erinnert sich Ballack, „Xavier Naidoo lief eigentlich vor jedem Spiel." Was es wohl dieses Jahr auf die Ohren gibt?

Dürfte Joachim Löw entscheiden, etwas Italienisches. Oder Udo Jürgens.

Patrick Strasser

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